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Vortrag über die historische Befestigung in Moers.

Geschichte der Grafenstadt : Der Baumeister der Moerser Festung

Simon Stevin galt als einer hellsten Köpfe seiner Zeit. Historiker und Niederlande-Kundler Hajo Hülsdünker stellte den Ingenieur auf Einladung des Grafschafter Museums- und Geschichtsverein am Mittwoch vor.

Er war Mathematiker, Naturwissenschaftler, Ingenieur und ein genialer Baumeister. Simon Stevin, der 1548 im Brügge geborene Sohn eines flämischen Stadtrates galt als einer der hellsten Köpfe seiner Zeit. Sein Leben und Wirken, unter anderem auch seine Rolle beim Ausbau der Moerser Festung in den Jahren 1600 bis 1620, war Gegenstand eines gut besuchten Vortrages des Historikers und Niederlande-Kundlers Hajo Hülsdünker, zu dem der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein am Mittwoch in den Rittersaal des Moerser Schlosses eingeladen hatte. In gut 80 Minuten erfuhren die Besucher dabei zahlreiche interessante Fakten über die Baugeschichte der damals dem niederländischen Herrscher Moritz von Oranien unterstellten Grafenstadt, aber auch eine Menge über die in dieser Zeit herrschenden politischen Verhältnisse am Niederrhein.

Hajo Hülsdünker erläuterte den Bau der Befestigung. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Moritz von Oranien hatte nach der Ermordung seines Vaters Willem I. 1584 die Statthalterschaft über Holland und Zeeland übernommen und setzte sich später in zahlreichen militärischen Aktionen erfolgreich gegen die ungeliebte Vorherrschaft der Spanier, unter anderem auch in der Moerser Nachbarstadt Rheinberg durch. Wie die dortige Festung, war auch die in Moers bisher aus Stein gewesen, was jedoch angesichts der neuerdings bei Belagerungskämpfen eingesetzten eisernen Geschützkugeln kein wirklicher Schutz mehr war. Dazu kamen neue und verbesserte Feuerwaffen wie zum Beispiel die „Arkebuse“, ein Vorderlader mit circa 500 Metern Schussweite.

All das veranlasste Moritz von Oranien, 1591 Kontakt zu dem damals schon recht bekannten Baumeister von Mühlen- und Wasseranlagen Simon Stevin aufzunehmen und ihn zehn Jahre später speziell zu neuen Schutzmöglichkeiten für die gerade eroberte Rheinberger Festung zu befragen.

Stevin schlug ihm damals dafür eine Abdämmung des Moersbaches und die Nutzung der dortigen Deiche als Verteidigungswälle vor. Eine Kombination aus Wassergräben und speziell geformten Erdwällen, die später auch in Moers Verwendung finden sollte. Nur dass hier Moritz von Oranien auf Anraten von Stevin zusätzlich hölzerne Pallisaden errichten, eine Dornenhecke pflanzen und ein größeres Waldgebiet im heutigen Moerser Stadtteilgebiet Hülsdonk roden ließ, um den eigenen Soldaten und ihren neuen Waffen ein besseres Schussfeld zu ermöglichen.

Teile dieser damaligen Baumaßnahmen sind für interessierte Moerser Spaziergänger auch heute noch zu erkennen, zum Beispiel im Schlosspark und am Verlauf des Moersbaches. Da es bei dem Referat von Hajo Hülsdünker in erster Linie um das gesamte wissenschaftliche und bauliche Wirken von Simon Stevin ging, nahmen dessen Aktivitäten in Moers verständlicherweise nur einen kleinen Teil ein. So konnte Hülsdünker auf eine Zwischenfrage nach den sozialen Bedingungen während des damaligen Moerser Festungsbaus keine genaue Antwort geben.

Auf eine ausgiebige Schilderung dieses Grafschafter Geschichtsaspektes dürfen sich die Moerser Historienfreunde laut einer Ankündigung von Peter Boschheidgen, dem Vorsitzenden des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins jedoch schon bald freuen. Ab 2020 hat sein Verein dazu die Veröffentlichung eines besonderen Schriftbandes vorgesehen.