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Vor Moerser Gastspiel: Kritik an Tigern im Moskauer Circus

Diskussionen in Moers : Kritik an Tigern im Moskauer Circus

Immer mehr Menschen lehnen Wildtier-Dressuren in Zirkussen ab. Moers überlässt ihnen deshalb keine eigenen Flächen mehr. Der Moskauer Circus gastiert auf einem Privatgelände. Die Tierhaltung sei vorbildlich, betont das Unternehmen.

In vielen Ländern ist die Haltung von Wildtieren in Zirkussen bereits verboten. In Deutschland flammt die Diskussion darüber seit Jahren immer wieder auf. Die Agrarminister der Länder haben erst vor einem Monat ein Verbot gefordert, aber Bundes-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist dagegen. In Moers gibt es jetzt Anlass, darüber nachzudenken, wer Recht hat – Kritiker oder Liebhaber von Dressuren in der Menege: Ende Mai kommt der „Moskauer Circus“ in die Stadt. Ein Höhepunkt des zweistündigen Programms ist ein Auftritt des Dompteurs Robano Kübler mit vier Tigern.

 „Zirkus kann auch Spaß machen, ohne wilde Tiere in engen Käfigen zu halten“, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins Moers, Peter Kuhnen. Der Transport der Tiere von Ort zu Ort, die Haltung, die Dressur kommen seiner Meinung nach einer „Vergewaltigung solcher Kreaturen“ gleich. Eine Absicht, die Tierschützer vielerorts teilen. In Köln, wo der Moskauer Circus derzeit steht, wurden viele seiner Werbeplakate mit Aufklebern „Abgesagt wegen Tierquälerei” versehen. In Neuss organisierten Tierschützer anlässlich eines Gastspiels Ende April Demos vor dem Zirkuszelt. Im März machte der damals in Leimen weilende Zirkus Schlagzeilen, als drei Kamele ausbüxten. Es gab den Verdacht, dass Tierschutzaktivisten die Tiere freigelassen hatten.

„Das gehört zu unserem Zirkusleben leider dazu““, sagt Michael Wagner, Sprecher des Familienunternehmens, das seinen Sitz nicht etwa in der russischen Hauptstadt, sondern im bayerischen Senden hat. Er betont, dass die Tierhaltung des Zirkus vorbildlich sei. „Stallungen, Zelte, Gesundheitszustand der Tiere, alles wird jede Woche von Veterinär-Ämtern untersucht. In unserem Prüfberichtsbuch gibt es nur positive Einträge.“ Die Tiere hätten mehr Platz als durch die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben“ vorgeschrieben. Die Dressur beruhe auf natürlichen Bewegungsabläufen der Großkatzen. „Wir rufen sie lediglich auf Kommando ab.“

Zuletzt hatte der Circus Las Vegas vor vier Jahren Tiger nach Moers gebracht. Damals gab es Kritik von Tierfreunden, weil das Unternehmen früher angeblich gegen Vorschriften verstoßen hatte und Tiere angeblich beschlagnahmt worden waren. Nach dem Gastspiel ging bei der Stadt ein Bürgerantrag ein, Gastspiele von Zirkussen mit Wildtieren in Moers zu untersagen. Aber weil es kein Gesetz gegen Wildtiere in Zirkussen gibt, sind Verbote auf lokaler Ebene schwer umzusetzen. Viele Städte sind dazu übergegangen, Unternehmen mit Wildtieren keine kommunalen Flächen zu vermieten. Moers geht noch weiter: Die Stadt überlässt Zirkussen grundsätzlich keine Standflächen mehr, egal ob sie Wildtiere halten oder nicht. („Bei Flic-Flac haben wir zuletzt eine Ausnahme gemacht, weil es sich um keinen klassischen Zirkusbetrieb handelt“, sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder.) Mieten Zirkusse private Grundstücke, kann die Stadt aber wenig ausrichten. So wird der Moskauer Circus auch auf einem Areal des Bauvereins Rheinhausen an der Trompeter Straße stehen, das für eine Wohnbebauung vorgesehen ist.

Würden Zirkusse ohne Tiere bevorzugt, könnten solche mit Tieren zu rechtlichen Mitteln greifen, so die Überlegung in Moers. Gerade erst lag die Nachbarstadt Krefeld im Clinch mit dem Zirkus Charles Knie. Die Stadt wollte ein Gastspiel des mit Wildtieren auftretenden Zirkus auf dem Sprödentalplatz verhindern. Der Zirkus klagte – und gewann im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf.