1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Moers: Von einem, der auszog, Kandidat zu werden

Moers : Von einem, der auszog, Kandidat zu werden

Christoph Fleischhauer will 2014 Bürgermeister werden. Gerade stellt er sich der CDU-Basis vor – auch der Senioren-Union. Ein Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, wenigen Fragen und vielen Besuchern.

Christoph Fleischhauer will 2014 Bürgermeister werden. Gerade stellt er sich der CDU-Basis vor — auch der Senioren-Union. Ein Nachmittag mit Kaffee und Kuchen, wenigen Fragen und vielen Besuchern.

Drei, vier, fünf, 15, 24, 36 — Christoph Fleischhauer schüttelt einige Hände an diesem Nachmittag im Café Leonardo. Es ist beste Kaffee-Kuchen-Zeit, außerdem schwül, die Klimaanlage scheint nicht zu funktionieren, der Service sehr wohl. Bedienungen bringen Wasserfläschchen und Heißgetränke, auch das ein oder andere Pils servieren sie. Die Handschüttel-Runde bringt Fleischhauer zügig hinter sich — bei Veranstaltungen dieser Größenordnung geht das noch. Könnte allerdings schwierig werden in nächster Zeit, wenn der Wahlkampf richtig tobt.

Jetzt aber ist ja noch Juni, und jetzt stellt sich Christoph Fleischhauer erst einmal der Seniorenunion vor. Als "der Mann, der amtierender Bürgermeister von Moers werden will", wird Fleischhauer in der Vorrede von Horst Sprang bezeichnet. Vom Tisch hinten links wird nach vorne gekichert, jemand kräht "der hat doch eh keine Chance", Fleischhauer kräht zurück: "Das hab ich gehört." Wieder Gekicher — und erste Sympathiepunkte.

  • Moers : Fleischhauer will Bürgermeister werden
  • Moers : CDU stellt Kandidaten für Bürgermeister-Wahl vor
  • Moers : Traumstart für den neuen Kandidaten

Ob die noch steigen, als der Mann, der am 7. September Bürgermeisterkandidat der CDU werden will, sein sandfarbenes Sakko auszieht, verraten die Gesichter der rund 50 Senioren nicht. Fleischhauer galoppiert durch seine Vita: Familienstand, Ausbildung, politisches und soziales Engagement. Man soll ihn ja besser kennenlernen.

Als er erzählt, dass er Stadtsportverbandsvorsitzender ist, kommt die erste Nachfrage. Ob er nicht Wolfgang Jansen im Amt abgelöst habe, fragt eine Frau mit sorgfältig gemachten Haaren. Fleischhauer: "Ja". Die Fragende: "Dann machen Sie das doch jetzt noch einmal!"

Mit Fragen ist die Runde, die sich zum Stammtisch mit Promi-Gast zusammengefunden hat, etwas zurückhaltend. Beim Kennenlernen fällt aber ja auch nicht jeder immer gleich mit der Tür ins Haus. Was Fleischhauer anders machen wolle als Norbert Ballhaus, heißt es irgendwann. Fleischhauer lässt sich nicht dazu hinreißen, verbal auf Ballhaus einzuprügeln. Ganz Sportler sagt er: "Ich will meine Stärken herausstellen, nicht Vergleiche mit dem Mitbewerber ziehen."

Alles andere empfände er als stillos. Im ein oder anderen Gesicht meint man, einen Anflug von Enttäuschung zu sehen. Mitbewerber — das Wort passt aber zu Christoph Fleischhauer, der auch vor den CDU-Senioren nie von Wahlkampf, sondern von einer Bewerbung sprechen will. Martialisches Vokabular liegt dem Moerser nicht — oder noch nicht.

Die Unterstützung der Senioren-Union sei ihm sicher, das bekommt Fleischhauer von den Mitgliedern mit auf den Weg. "Und wir sind eine begeisterte CDU-Mannschaft", sagt Sprang. Ein Pfund, mit dem man wuchern könne. Fleischhauer bedankt sich. Dass er nicht im Alleingang Bürgermeister werden kann, weiß er.

Etwas später soll es um erste Inhalte gehen. "In welchen kommunalpolitischen Bereichen wollen Sie sich engagieren?", fragt ein Mitglied. "Was mich absolut nicht interessiert, ist Sport", sagt Fleischhauer. Er guckt sich um. Gefühlt vergehen Minuten, in Wahrheit eher eine Sekunde, in der alle gucken, aber keiner lacht. Fleischhauer klärt schnell den Versuch von Ironie auf: "Das ist natürlich gelogen."

Und schiebt hinterher, er wolle Brücken zwischen Kultur und Sport bauen, beides sei für ihn vereinbar. Brückenbauer — noch ein Fleischhauer-Wort. Der Neue bezeichnet sich als "überparteilicher Bürgermeister-Kandidat der CDU". Blindwütig wolle er CDU-Interessen nicht durchkämpfen, sondern inhaltlich entscheiden. Wieder ein Gefühl von latenter, ganz leichter Enttäuschung — als fehlte ihnen das Kämpferische. Und so fühlt sich denn auch einer genötigt, Christoph Fleischhauer einen Tipp mit auf den Weg zu geben: "Mit Leidenschaft muss der Wahlkampf geführt werden — nur so kann der Krieg gewonnen werden." Der Krieg, der eine Bürgermeisterwahl ist.

(RP/rl)