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Volksbank Niederrhein: Interview mit Henrik Pontzen und Guido Lohmann zur Nachhaltigkeit.

Vortragsabend der Volksbank Niederrhein : „Nachhaltigkeit bringt Rendite“

Die Volksbank Niederrhein lud ihre Kunden zu einem Referat mit Diskussion über Nachhaltigkeit ein. Unsere Redaktion sprach zuvor mit dem Referenten Dr. Henrik Pontzen und Volksbank-Vorstand Guido Lohmann.

Mehr als 160 Personen meldeten sich zu einer Kundenveranstaltung der Volksbank Niederrhein zum Thema Nachhaltigkeit ein. Die Bank verlegte den Vortragsabend kurzerhand aus ihren Räumen in Alpen ins Parkhotel Wellings nach Kamp-Lintfort. Referent war Henrik Pontzen.

Herr Lohmann, haben Sie bei dieser Veranstaltung mit einer so großen Resonanz gerechnet?

Lohmann Nein, in dem Umfang definitiv nicht. Mit dem Thema Nachhaltigkeit scheinen wir einen Nerv getroffen zu haben. „Wie betrifft mich bei meiner eigenen Geldanlage das Thema Nachhaltigkeit persönlich“, fragen sich viele unserer Kunden. Als Volksbank Niederrhein wollen wir die Menschen für das Thema sensibilisieren und Einblicke verschaffen.

Man sieht daran, dass das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Pontzen Greta Tumberg und die Fridays-For-Future-Bewegung haben durch ihre Aktionen das Thema in der breiten Öffentlichkeit präsenter als zuvor gemacht. Es ist für alle relevant, die sich für die Zukunft interessieren und nicht mehr ideologisch besetzt wie in den 80er und 90er Jahren. Es ist ein Thema für wahre Realisten. Meine Doktorarbeit habe ich übrigens 2006 über Risikoethik geschrieben. Ich habe mir Umweltrisiken angeschaut, über die wir heute entscheiden, deren Auswirkungen uns aber erst in Jahrzehnten betreffen.

Die Union Investment hat schon 1990 damit begonnen, Investitionen unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu betrachten, als dieses Thema noch ideologisch besetzt war.

Pontzen Wir haben schon früh die Abteilung „Environment, Social and Government“ aufgebaut, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Hier prüfen und bewerten wir Unternehmen sehr tiefgreifend auf ihre Nachhaltigkeit und ihre Ertragskraft hin. Denn eines steht für uns fest: Nachhaltigkeit kostet keine Rendite, sondern Nachhaltigkeit bringt Rendite. Unternehmen sind mehr denn je aufgefordert, nachhaltig zu agieren, um zukunftsfähig zu werden und so auf den jeweiligen Märkten bestehen zu können. Die Union Investment verwaltet mittlerweile mehr als 350 Milliarden Euro Fondseinlagen von Volksbank-Kunden, mit denen wir uns als Treuhänder an bedeutenden europäischen Unternehmen beteiligen. Diese herausgehobene Marktposition als Anteilseigner setzen wir ein, um Unternehmen zu bewegen, ökologische und soziale Aspekte stärker in den Fokus zu nehmen. Unterschätzen Sie bitte nicht, was wir dadurch bereits an Veränderungen in den Führungsetagen der DAX- oder EuroStoxx-Unternehmen bewegt haben. Im Verbund mit der Volksbank Niederrhein und den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken werden wir in der Zukunft noch stärker in diese Richtung wirken.

Volksbanken haben die Tradition, mit anderen zusammen etwas zu bewegen, was Einzelne nicht bewegen können.

Lohmann Das ist eine der Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schultze-Delitzsch, den Gründern der ersten genossenschaftlichen Banken. Diese Idee ist heute genauso aktuell wie vor gut 150 Jahren. Als Volksbank Niederrhein haben wir das Thema Nachhaltigkeit schon lange für uns entdeckt und in unsere Strategie eingebaut. Wir haben beispielsweise im Jahr 2009 zusammen mit der Gemeinde Alpen und Bürgermeister Ahls das Projekt der Bürgersolargenossenschaft Alpen-Sonne initiiert. 2010 sind wir dafür mit der ersten Klima-Flagge des Kreises Wesel ausgezeichnet worden.

Die Volksbank Niederrhein macht die Nachhaltigkeit zum Thema, wenn sie Kunden berät, wie sie ihr Geld anlegen sollen.

Lohmann Das ist uns wichtig. Deshalb hat Henrik Pontzen am Montag noch zwei interne Vorträge für gut 90 Volksbank-Mitarbeiter gehalten. Unsere Bank geht das Thema offensiv an. Wir wollen unsere Kunden sensibilisieren und Folgewirkungen für die eigene Vermögensentwicklung aufzeigen.

Sie sind Fußball- und Sportanhänger. Zieht sich die Volksbank den Sportschuh CO2-Abdruck auch selbst an, zum Beispiel bei den Themen Gebäude und Verkehr, die jeweils rund ein Viertel dieses ökologischen Fußabdruckes ausmachen?

Lohmann Bei weiten Dienstfahrten setzen wir auf den Zug. Zum Beispiel fahren mein Vorstandskollege Dieter Hackstein und ich Mitte Juni mit der Bahn zur bankwirtschaftlichen Tagung nach Berlin. Die Bahn ist umweltfreundlicher und zudem – zumindest in der Theorie – schneller als das Auto. Und ohne Staus kommen wir erholter an. Gerne würden mehr Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln, etwa der Bahn, zur Arbeit kommen. Aber auf der Strecke von Duisburg über Moers und Alpen nach Xanten fallen ständig die Züge aus. Niemand kann garantieren, pünktlich zur Arbeit zu kommen, der mit der Bahn unterwegs ist. Hier ist der öffentliche Personennahverkehr dringend zu verbessern und verlässlicher zu gestalten. Unser Energieverbrauch ist im Vergleich zu früheren Jahren bereits deutlich niedriger geworden, aber sicherlich besteht in diesem Bereich noch Verbesserungspotential für uns. Derzeit führen wir CO2-neutrales Papier ein, um auch an dieser Stelle eine Optimierung herbeizuführen.

Sie, Herr Pontzen, könnten den „Goldenen Radkranz“ erhalten, wenn es diesen geben würde.

PONTZEN Ich bin im Jahr etwa 70.000 Kilometer mit der Bahn unterwegs. Wahrscheinlich fahren nur wenige Deutsche mehr mit dem Zug. Ich besuche nahezu sämtliche Jahreshauptversammlungen der großen Aktienunternehmen, wie Ende Januar die von „ThyssenKrupp“ in Bochum. Dort stelle ich Fragen zur Nachhaltigkeit. Mit der Bahncard 100 ist das Fahren viel günstiger als mit einem Auto. Ich bin nur ganz selten motorisiert unterwegs. Einer dieser Fälle ist der Montag. Da ich nach der Veranstaltung abends aus Kamp-Lintfort nur sehr schwer noch mit der Bahn nach Frankfurt gekommen wäre, habe ich das Auto genommen. Ab Dienstagmorgen bin ich wieder Bahnfahrer.