Neukirchen-Vluyn Vluyns Dorfkern droht zu veröden

Neukirchen-Vluyn · Der Betreiber des Kulturcafés macht sich Sorgen um die Zukunft, und die Traditionsgaststätte "Kellerkamer" hat ihren Betrieb eingestellt. Immerhin: Die Eigentümerin des historischen Gebäudes will an einer Gastronomie festhalten.

 Die "Kellerkamer" an der Niederrheinallee ist zurzeit geschlossen, doch nach dem Wunsch der Hauseigentümerin soll wieder eine Gaststätte einziehen.

Die "Kellerkamer" an der Niederrheinallee ist zurzeit geschlossen, doch nach dem Wunsch der Hauseigentümerin soll wieder eine Gaststätte einziehen.

Foto: siwe

"Herzlich willkommen bei der ,Kellerkamer'", tönt die Ansage des Anrufbeantworters. "Zurzeit haben wir etwas Stress." Mehr Auskunft vom Betreiber der Traditionsgaststätte in Vluyn zu erhalten, gestaltet sich derzeit schwierig. Sicher ist nur: Die "Kellerkamer" hat den Betrieb eingestellt, "bis auf weiteres", wie ein Zettel an der Tür verkündet

In Vluyn heizt die Nachricht die Gerüchteküche an: Wird die alte Traditionsgaststätte etwa nie mehr die Tür öffnen?

Erika Müller ist die Besitzerin des historischen Gebäudes. Sie möchte, dass auch weiterhin in der "Kellerkamer" eine Gastronomie zu Hause sein wird. Ein neuer Eigentümer und Betreiber des Hauses an der Niederrheinallee 331 wird derzeit gesucht. "Einen Käufer gibt es noch nicht, aber Interessenten", sagt Müller.

Das Gebäude stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und gilt als eines der Schmuckstücke in der Ortschaft Vluyn. Einst residierte dort der Gemeindevorsteher, im frühen 20. Jahrhundert war darin eine Bäckerei mit "Conditorei" untergebracht.

Während die "Kellerkamer" zurzeit geschlossen ist, läuft das Geschäft auf der Straßenseite gegenüber. "Stammgäste der ,Kellerkamer' begrüßen wir nun auch", sagt Michael Erb. Doch den Betreiber des Kulturcafés kann das nur wenig aufheitern. Er macht sich um die Zukunft seines gastronomischen Betriebes ernsthafte Sorgen. Denn das Café gehört zum Komplex der Vluyner Kulturhalle, die wiederum ist seit März wegen Brandschutzmängeln geschlossen ist.

Am Montag hatte Michael Erb als Zuhörer den Bauausschuss besucht. Er wollte wissen, was es Neues zu der geplanten Brandschutzsanierung der Kulturhalle gab. Und wie die Ratsmitglieder traf ihn die Nachricht wie ein Hammerschlag: Die Stadt verhängt eine Haushaltssperre. Mit einer Sanierung und Öffnung der Kulturhalle ist daher frühestens im nächsten Jahr zu rechnen, und auch das nur, wenn alles gut läuft.

Bislang hat Erb, obwohl er durch die Schließung der Kulturhalle große Umsatzeinbußen verzeichnet, den offenen Streit mit der Stadt vermieden. Er setzt auf Gespräche. Noch in dieser Woche soll es einen Termin mit der Verwaltungsspitze geben.

Doch seine Geduld, sagt der Gastronom, sei langsam aber sicher erschöpft. Er schließt Schadenersatzforderungen an die Stadt nicht mehr aus, hoffe jedoch noch auf "eine Einigung", über deren Inhalt er sich nicht näher auslässt. "Schließlich geht es auch um Existenzen unserer Mitarbeiter", sagt er. Fünf Festangestellte beschäftigt Erb, außerdem Aushilfen. "Ich hänge an diesem Objekte, ich habe hier die gute Stube der Stadt wieder hergestellt." Er ist froh, dass die Gäste weiterhin das Kulturcafé so reichlich frequentieren. "Mein Dank geht an die Vluyner."

(RP)
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