Neukirchen-Vluyn: "Vluyner Mauerfall": Gericht entscheidet

Neukirchen-Vluyn: "Vluyner Mauerfall": Gericht entscheidet

Der Verkehrsunfall, der die Mauer der Springen-Villa beschädigte, jährt sich in wenigen Tagen. Passiert ist seither nichts. Mittlerweile beschäftigt sich die Rechtsprechung mit dem Thema. Ein zweiter Sachverständiger wurde eingeschaltet.

Als sehr ärgerlich bezeichnet Anwohnerin Waltraud Kun den Zustand, den sie mit der demolierten Mauer vor der Springen-Villa in Vluyn Tag für Tag vor Augen hat. "Das ist so scheußlich, dass man sich schämen muss. Ein Schandfleck ist das", sagt sie. Die im August letzten Jahres bei einem nächtlichen Autounfall demolierte Mauer an der Niederrheinallee wurde in einer Länge von acht Metern beschädigt und geriet dabei in Schieflage. Mittlerweile hat der Zahn der Zeit an der Mauer genagt, Kinder nehmen gerne kleinere Schuttteile mit. Sprayer haben sich auf dem Stein verewigt. Der Name eines polnischen Fußballclubs ist zu sehen.

Die Mauer an sich ist in Bewegung, droht in Teilen zu kippen. Einzelne Elemente werden zur Stolperfalle, liegen seit einiger Zeit im Eingang oder mittlerweile auf dem blühenden Lavendel. Auch der, auf dem die Hausnummer 305 der Springen-Villa zu lesen. Das hätte beinahe zu einem Notfall geführt. "Wir warteten dringend auf Sauerstofflaschen", erzählt Waltraud Kun. Der Fahrer suchte abends bei Dunkelheit vergeblich nach der Hausnummer und musste mehrfach anrufen, um sich zur richtigen Adresse lotsen zu lassen.

Dass sich an der Mauer noch nichts getan hat, sorgt seit längerem für Gesprächsstoff im Ortsteil Vluyn. Die Grafschafter Diakonie wird für den desolaten Zustand verantwortlich gemacht. Das Stichwort Geldmangel macht die Runde. "Alles sieht so wunderbar rund um die Villa aus. Aber diese Mauer ist kein schöner Anblick. Das kann ja Jahre dauern, bis das repariert wird", befürchtet Anwohner Helmut Glienke. Der Neukirchener Arnaldo Zielke wohnt mit seiner Frau seit April an der Niederrheinallee. "Die Mauer wirkt abstoßend."

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Für die Grafschafter Diakonie kratzt die Situation gehörig am Image, wie auch Axel Loobes, Einrichtungsleiter der Altenheimat Vluyn weiß. Eine einvernehmliche Einigung ist vor Monaten gescheitert, dann wurde Klage eingereicht. "Uns sind die Hände gebunden. Die Sache liegt beim Gericht. Mittlerweile ist der zweite Sachverständige damit betraut. Wir setzen auf das selbstständige Beweisverfahren, das eigentlich schnell gehen müsste. Aber wir können kein Ende absehen."

Die reine Schadenssumme liegt bei rund 12 000 Euro. Knackpunkt ist die Mauer selbst, die Bestandteil der Denkmal geschützten Springen-Villa ist. Eine einfache Wiederherstellung der Mauer ist daher nicht möglich. Loobes: "Laut Denkmalschutzbehörde muss der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden." Die Versicherung des Unfallverursachers wiederum weigert sich, die Mauer als historisches Element zu sehen, das zu der Springen-Villa gehört. Sie empfiehlt wegen des geringen Restwertes den völligen Abriss und die Aufstellung eines einfachen Zauns. Das wiederum ist mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, wurde auf Anraten der Anwälte der Grafschafter Diakonie der gegenwärtige Zustand so belassen. Und der dauert mittlerweile fast ein Jahr.

(sabi)
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