Moers: Vinner Tradition unterwegs in die Zukunft

Moers : Vinner Tradition unterwegs in die Zukunft

Der Umzug war Höhepunkt des Schützenfestes des Schützenvereins von 1903. Er hat die Freundschaften zu anderen Vereinen verstärkt. Ein gemeinsames Fest, wie demnächst in Duisburg, steht in Moers aber nicht zur Debatte.

Für Erhard Klinger ist dieser Satz keine Floskel, sondern sein Lebensmotto: "Wenn wir Brauchtum und Tradition verlieren, verlieren wir unsere Identität." Der 68-jährige Schwafheimer ist im Karneval aktiv, war von 2012 bis 2016 Prinzenführer im Hauptausschuss Duisburger Karneval. "Ich bin durch meinen Beruf nach Duisburg orientiert", begründet der Unternehmer seine Wahl, der im Stadtteil Neumühl Fahrzeugmotoren instand setzt. Er ist Präsident des Bürgerschützenvereins Hamborn-Marxloh. Und seit Juni 2017 bildet er zusammen mit seiner Frau Bärbel Klinger das Königspaar des Schützenvereins Moers-Vinn.

Am Samstag empfingen die beiden mit ihren Ministern Reiner und Gitti Schmitz, Knut Klawitta und Gudrun Christoph sowie ihrer Adjutantin Margot Klein die Schützen aus Vinn an der Dürerstraße in Schwafheim. Zuvor waren die 80 Schützen in ihren grünen Uniformen, begleitet vom Musikzug Kamp-Lintfort, bei strahlendem Sonnenschein durch Vinn marschiert, um beim Vereinsmitglied Karl-Heinz Baas die Fahne abzuholen. Darunter waren auch Schützen von Vereinen, mit denen die Vinner enge Freundschaften pflegen, wie SV Asberg, SV Moers-Hülsdonk, BSV Holderberg, SV Neukirchen und BSV Hamborn-Marxloh. "Der Umzug ist ein Höhepunkt des Schützenfestes", sagte Manfred Bunde, Vorsitzender der Vinner Schützen.

Um von Vinn nach Schwafheim zu kommen, nahmen die Schützen diesmal einen Bus in Anspruch. Auf dem Rückweg wurden sie an der Reichweinschule an der Humboldtstraße abgesetzt. Mit dieser Grundschule organisiert der Schützenverein jedes Jahr den Martinszug, in diesem November zum 50. Mal.

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Von der Reichweinschule marschierten die Schützen zurück zum Schützenhaus, wo abends der Schützenball begann. Dieser lockere Ball, der mit dem Schützenfest Ende Mai oder Anfang Juni liegt ist, ist für Bürgermeister Christoph Fleischhauer ein fester Termin. "Ich bekomme hier einen Fleischhauer", begründete er am Samstag schmunzelnd sein Erscheinen. Bevor er den Schnaps dieses Namens trank, hatte er sich die neue elektronische Schießanlage im Schützenhaus angeschaut, bei der die Ringe automatisch ausgewertet und im Barbereich angezeigt werden können. "Damit hält das 21. Jahrhundert Einzug ins Schützenhaus", unterstrich Pressesprecher Malte Edel. 180 Mitglieder ha der Schützenverein von 1903. Und die Tradition kann sprichwörtlich weitergehen, wie die Ehrungen von Frank Simon für 50 Jahre und Heinz-Peter "Pit" Kamann für 60 Jahre zeigen. Zu dieser Tradition gehören die eigenständigen Schützenfeste der vier großen Moerser Schützenvereine, die sie als historische Wurzel nicht aufgeben wollen, selbst wenn sich der Bürgermeister am Samstagabend Gedanken in diese Richtung äußerte. "Die Situation ist anders als in Hamborn", meinte Malte Edel mit Blick auf das erste gemeinsame Schützenfest von BSV Neumühl, BSV Hamborn-Marxloh und der Schützengesellschaft St. Hubertus Hamborn am letzten Wochenende im Juli, das von Erhard Klinger mit aus der Taufe gehoben wurde und Gesprächsstoff in Schützenkreisen ist. In Moers lägen keine drei Vereine so nah zusammen.

(got)
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