Moers: Verhasselts Kabarett zum Hospiz-Jubiläum

Moers: Verhasselts Kabarett zum Hospiz-Jubiläum

Mit dem Kunstverein Peschkenhaus hatte der Förderverein von Haus Sonnenschein ein Programm auf die Beine gestellt.

In den vergangenen drei Wochen wurde im Peschkenhaus das Jubiläum des Hospizes "Haus Sonnenschein" gefeiert. Seit 20 Jahren betreibt das St.-Josef-Krankenhaus das stationäre Hospiz in Rheinberg. Seit 20 Jahren begleiten Beate Bergmann und ihr Team unheilbar Kranke und Sterbende sowie deren Angehörige. Palliativmediziner, Pflegefachkräfte, Seelsorger und Ehrenamtliche umsorgen die Menschen während ihres letzten Lebensabschnitts und ermöglichen ihnen einen liebe- und würdevollen Abschied.

Neben Gedanken zum Thema Sterben und Tod sollte auch die Feier des Lebens nicht zu kurz kommen: Es gab einen kreativen Vortrag mit einem inspirierenden Märchen, eine musikalische Lesung mit Texten von Mascha Kaléko und ein Konzert der Band "Der Herrensalon". Am 20. März sprach der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering über das Älterwerden. Seit dem 10. März konnten die Fotografien einer besonderen Wanderausstellung bestaunt werden. Der Fotograf Thomas Balzer hatte unter der Überschrift "Stell dir vor, du bist tot" Menschen in ihrem "letzten Hemd" in weißer Sargwäsche liegend abgelichtet.

  • Moers : 20 Jahre Hospiz Haus Sonnenschein

Bei ihrer Begrüßung jetzt zur Abschlussveranstaltung freute sich Beate Bergmann über die gute Resonanz des Jubiläumsprogramms. 450 Menschen hätten die Veranstaltungen und die Ausstellung besucht. Als Abschlussbonbon konnte der Niederrhein-Kabarettist und WDR-4-Moderator Stefan Verhasselt mit einem Ausschnitt aus seinem aktuellen Programm "Wer kommt, der kommt" gewonnen werden. Als er die kleine Bühne im gut besuchten Dachgeschoss des Peschkenhauses betrat, sprach er zunächst seine Hochachtung für die geleistete Hospiz-Arbeit aus. Den Übergang vom Thema Sterben zum Lachen schaffte er elegant mit der Formulierung "Manche Dinge sind unsterblich" und führte aus, an welche mehr oder weniger unliebsamen Erinnerungen er damit dachte. Das sonntägliche Drei-Gänge-Menü inklusive Braten und Herrencreme gehöre eher zu den angenehmen Dingen der Vergangenheit. Der angeordnete "Verdauungsspaziergang" dagegen eher nicht. Ebenso wenig das Tosca-Getränkte und mit Spucke benetzte Stofftaschentuch, mit dem Tante Lisa dem kleinen Stefan die Reste des Schokoladeneises von der Oberlippe zu wischen pflegte. Verhasselt erinnerte die Anwesenden in seinem gut halbstündigen Vortrag an typisch niederrheinische Ausdrücke wie "Dat is ein Tun" oder "Wie schnell is nix getan" und amüsierte sich über "Leersätze", mit denen so mancher Niederrheiner in ein Gespräch hineingrätscht. Wenn zum Beispiel in einer Runde hitzig über Politik diskutiert werde, und einer plötzlich einwirft: "Hömma, is Donnerstag nich Gelbe Tonne?" Auch unpassend, aber witzig erschienen die detaillierten Ausführungen auf die eher oberflächliche Frage beim Empfang im Hotel, ob man eine gute Anreise hatte. Spitze, aber nett verpackte Kritik übte Verhasselt an der wachsenden Gemeinde von "Richtigmachern" und "achtsamen Biobürgern". Schließlich empfahl er Niederrheinern, die in der Fremde das Heimweh überkommt, die Staunachrichten im Deutschlandfunk einzuschalten. Wenn man das vertraute "zehn Kilometer Stau zwischen Moers-Hülsdonk und Krefeld-Oppum" höre, werde einem warm ums Herz. Zum Schluss schickte er einen weiteren Dank zum verstorbenen Moerser Ehrenbürger Hanns Dieter Hüsch.

(sabi)