Kamp-Lintfort: Überwältigende Hilfe für Nejla

Kamp-Lintfort: Überwältigende Hilfe für Nejla

Schon vor Beginn der Typisierungsaktion hatten sich Schlangen vor der Turnhalle der Ebertschule in Kamp-Lintfort gebildet. Alle wollten der an Leukämie erkrankten kleinen Nejla helfen. Bis 15 Uhr ließen sich 1400 typisieren.

"Ärmel hoch", hieß es an den insgesamt 16 Stationen in der Turnhalle der Ebertschule, wo für die Typisierungsaktion Blut abgenommen wurde. Bis zum Nachmittag ließen sich 1400 Spender registrieren, und immer noch standen die Leute Schlange. Eine darin war Ruth Dittrich (50).

Anderen zu helfen, in diesem Fall der an Leukämie erkrankten Nejla (7), war für sie eine Selbstverständlichkeit. "Ich habe einen gesunden erwachsenen Sohn", erzählte Ruth Dittrich, die großen Anteil an dem Schicksal des Mädchens und seiner Familie nimmt. "Ich will einfach etwas zurückgeben", argumentierte sie. Angst vor dem kleinen Piks habe sie nicht mehr, denn am Abend zuvor hatte nochmals das regionale Fernsehen über die heute komplikationslose Verfahrensweise der Typisierungsaktion berichtet. Anja-Kathrin Masur (43): "Ich will mich seit Jahren registrieren lassen. Ich bin selbst Mutter."

In drei Schichten

Ärzte sowie medizinisch ausgebildetes Personal arbeiteten bis zum späten Nachmittag in drei Schichten. Schirmherr Dr. Landscheidt verteilte sogar Kaffee an die Wartenden in der Kälte. Nejlas Klassenlehrerin half beim Ausfüllen der Formulare der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

"Die ganze Klasse engagiert sich, hat durch Sonderaktionen Geld gesammelt. Viele Eltern sind heute hier", meinte Anne Spanbroek. Auch die Cafeteria auf dem Schulhof wurde von den Eltern initiiert. "Ich bin über den großen Zuspruch mehr als zufrieden", meinte Dr. Gero Frings, Chefarzt der Anästhesie vom St.-Bernhard-Hospital, das sich selbstverständlich an der Aktion für Nejla beteiligt hat. "Ich erlebe in Kamp-Lintfort extrem viel hilfsbereite Menschen, die alle zusammen stehen."

Hilfe kommt aus allen Richtungen. David Przibilla, Auszubildender bei Eisenbahn und Häfen in Duisburg, war mit den Kollegen extra angereist. Auch die Aktionsbetreuerin Yasemin Aydin freute sich über die enorme Resonanz. "Super. Ich bin richtig stolz", meinte sie. Maßgeblich sei allerdings die perfekte Vorbereitung vor Ort gewesen.

Schulleiterin Angelika Hülswitt hat alles Erdenkliche getan, um auf Nejlas Schicksal aufmerksam zu machen, die zum zweiten Mal an Leukämie erkrankt ist. In Nejlas bosnischer Heimat verlief eine Typisierungsaktion ohne Erfolg. Hoffnung gibt jetzt Kamp-Lintfort mit seinen vielen Nationen. "Wir erleben Hilfsbereitschaft, Solidarität und zeigen Mut. Wir haben kein Geld. Die Altsiedlung steht für Nejla zusammen. Ich bin sehr dankbar", meinte sie und erinnerte an die Spendenaktionen von Privaten wie Firmen vor Ort, um die Typisierung finanziell zu ermöglichen. "Für Nejla bin ich von diesen Menschen getragen worden." Mehr auf S. D 1 und bei rp-online.de/moers

(RP)