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Moers: Tierschutzverein will neues Hundehaus

Moers : Tierschutzverein will neues Hundehaus

Nach monatelangen Querelen hofft der neue Vorstand jetzt darauf, seine Arbeit ohne weiteres Störfeier tun zu können.

Noch immer liegt Schnee auf den Feldern rings um das Tierheim am ländlichen Rand von Moers. Auch von den Zwingern her ertönt nur gelegentlich ein heiseres Gebell. Zwölf Hunde sind hier gegenwärtig untergebracht und 52 Katzen. Die Kapazität der Einrichtung würde etliche Tiere mehr verkraften können, auch die Zahl der Mitarbeiter (14) würde einen höheren Belegungsstand zulassen. Aber Rolf-Peter Paßlack ((65), der neue Vorsitzende des Tierschutzvereins Moers, ist zufrieden. "Wir können uns nicht beklagen, denn wir haben eine hohe Vermittlungsquote", sagt er.

Paßlack hofft, dass er jetzt in Ruhe mit seinem neuen Vorstandsteam die Aufgaben in Angriff nehmen kann, die dringend erledigt werden müssen. So ist die Entscheidung für eine Renovierung oder den Neubau eines Hundehauses überfällig. Auch die wichtigste Personalie, wer im Sommer Nachfolgerin der in den Ruhestand gehenden Tierheimleiterin Margret Waschkewitz wird, ist noch ungeklärt. Aber immerhin sind seit kurzem letzte Zweifel beseitigt, dass er tatsächlich der rechtmäßige Vorsitzende des Moerser Tierschutzvereins ist.

Mit Schreiben vom 28. Januar hat ihm das Amtsgericht Kleve nämlich mitgeteilt, dass der am 13. September auf einer denkbar turbulenten Versammlung gewählte neue Vorstand ins Vereinsregister eingetragen sei. Genau dagegen hatte nämlich eine Gruppe von Tierschützern um die Rheurdter Eheleute Holtz Einspruch eingelegt. Ihrer Ansicht nach sei die Wahl, die das Team Paßlack mit einer satten Dreiviertelmehrheit gewonnen hatte, nicht rechtmäßig erfolgt. Paßlack hatte seinerseits erfolgreich den Versuch der Holtz-Gruppe abgewehrt, eine Mehrheit bei den Vorstandswahlen zu organisieren.

Der 65-Jährige hatte eine Personenkontrolle verfügt, um zu verhindern, dass sich Unbefugte an der Wahl beteiligen könnten. "Das war ein Putschversuch", sagt Paßlack heute. Aber auch nach der Wahl kam der Tierschutzverein nicht zur Ruhe. Holtz bekam nämlich Wind von einem durchaus dramatischen Vorfall, der sich im Moerser Tierschutzverein ereignet hatte, und versuchte, daraus publizistisches Kapital zu schlagen: Eine Tierärztin hatte den Jack-Russell-Terrier Willie einschläfern lassen. Der als extrem verhaltensgestört geltende Hund hatte sich in den Schwanz eines Dackels verbissen, den eine Mitarbeiterin des Tierheims an seinem Zwinger vorbei zum Gassi-Gehen führte. Beim Versuch, die beiden Hunde voneinander zu trennen biss der schmerzgepeinigte Dackel zwei Tierheimmitarbeiter so, dass sie ins Krankenhaus mussten. Aber auch für die beiden Hunde ging der Vorfall nicht gut aus. Der Dackel verlor seinen Schwanz, der Terrier wurde zunächst narkotisiert. Dann beschloss die zufällig anwesende Tierärztin nach Absprache mit der Tierheimleitung den Hund einzuschläfern. Darin sieht Holtz jeddoch einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Er erstattete Anzeige gegen die Veterinärin. Die Kriminalpolizei ermittelt.

"Es ist alles nach Recht und Gesetz gelaufen", versichert Paßlack. "Wir stehen hinter der Tierärztin." Gleichwohl räumt er ein, dass ein solcher Vorfall einem Tierschutzverein nicht gut zu Gesicht steht. Umso erleichterter hat er daher registriert, dass nicht nur die meisten der 1380 Mitglieder des Tierschutzvereins, sondern auch die Sponsoren dem Verein und seinem neuen Vorstand Vertrauen schenkten. Nachdem zwischenzeitlich sogar Bürgermeister Norbert Ballhaus einen leidenschaftlichen Appell an die Tierfreunde der Stadt richtete, dem Tierschutzverein weiter die Treue zu halten, ist jetzt wieder Normalität eingekehrt. Paßlack: "Zu Weihnachten hat es zum Glück überhaupt keinen Einbruch bei den Spenden gegeben."

(RP)