Moers: Tatort Gräberfeld

Moers: Tatort Gräberfeld

In Moers wird zurzeit ein römisches Gräberfeld freigelegt. Die Archäologen haben mit Grabräubern zu kämpfen, die meist nachts kommen und die Ausgrabungsstätte illegal nach Schätzen durchkämmen. Der Schaden ist enorm.

Sie kommen meist nachts. Bewaffnet mit Taschenlampe, Spaten und Metallsonde schleichen sie sich an. Im scheinbar sicheren Schatten der Dunkelheit üben sie Raubbau an der Geschichte. Grabräuber sind längst nicht mehr nur in fernen Ländern und Kulturen auf Beutezug.

Auch in der Grafenstadt und am gesamten Niederrhein haben Archäologen mit den Dieben zu kämpfen. Überall wo Ausgrabungen stattfinden, sind die Plünderer nicht weit, klauen und zerstören wertvolle Relikte aus längst vergangenen Tagen und richten damit einen enormen wissenschaftlichen Schaden an.

Plünderungen in Schwafheim

Erst zu Beginn der vergangenen Woche schlugen Grabräuber an einer Ausgrabungsstelle im Ortsteil Schwafheim zu, wo die Rheinische Bodendenkmalpflege zurzeit ein römisches Gräberfeld aus dem zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus auslegt. Was entwendet wurde, ist nicht bekannt — wie auch? Nur ein riesiger Krater zeugt noch von dem Verbrechen an der Geschichte.

Grabungsleiterin Dr. Marion Brüggler von der Außenstelle der Rheinischen Bodendenkmalpflege in Xanten kann dann nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln. "Ich verstehe die Leute nicht, die so etwas machen. Die meisten denken nur an sich. Sie wissen gar nicht, was sie damit anrichten", sagt die 34-jährige Leiterin. Die dreiste Plünderung war schon der dritte seit Beginn der Grabungen im Juni.

Die Beweggründe der Täter sind unterschiedlich. Einige plündern, um das "Gefundene" privat in die Vitrine zu stellen. Die Mehrzahlplündert aber aus reiner Geldmacherei. Meist sind es Tonvasen, Münzen, Steinartifakte und antike Grabbeilagen, die für die Allgemeinheit und die Wissenschaft verloren gehen. Selbst bei Meldung eines Fundes durch einen ehrlichen Finder kann der der Schaden schon angerichtet sein.

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Dann nämlich, wenn das Fundstück vom Fundort entfernt wurde. "Leute, die zufällig etwas finden, sollen es auf jeden Fall dort liegen lassen", erklärt die Archäologin. Die so genannten beweglichen Bodendenkmäler tauchen oftmals auf Flohmärkten wieder auf. 98 Prozent des Handels mit den antiken Gegenständen werde aber über ein Internet-Aktionshaus abgewickelt, weiß Brüggler. Gibt man dort beispielsweise unter Antiquitäten und Kunst das Suchwort Fibel (Spange) ein, schlagen einem unzählige Angebote entgegen.

Seit dem 1. Juli müssen Anbieter solcher Fundstücke aber ein von der zuständigen Behörde ausgestelltes Zertifikat voweisen, wenn sie die Ware im Internet zum Kauf anbieten. Vorher war dies nicht notwendig.

Kein Schutz vor den Dieben

Gegen die Plünderungen sind die Archäologen im Allgemeinen machtlos. Ausgrabungen können nicht rund um die Uhr überwacht werden. In Moers fährt die Polizei zum Schutz verstärkt Streife. Auch angrenzende Anwohner sind von den Archäologen angehalten, wachsam zu sein — bisher alles vergebens. Strafen fallen als Abschreckungsmittel ebenfalls aus. "Die sind viel zu lasch", erklärt Brüggler. Der Grabraub werde oftmals nur als Kavaliersdelikt eingestuft.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in NRW kein so genanntes Schatzregal, was besagt, dass sämtliche Ausgrabungsgegenstände dem Land gehören.

(RP)
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