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Stück „Gemeinschaftskunde“: Junge Schlosstheater greift Tabu-Thema auf

Premiere in Moers : Professionell, packend – ganz nah dran

Das Junge Schlosstheater hat mit dem Stück „Gemeinschaftskunde“ ein Tabu-Thema aufgegriffen.

Tom (Karl Slomski) ist ein 15-jähriger Teenager. Er liegt im Pyjama in seinem Bett, der Bezug hat ein Kinder-Muster. Amy (Anna Ueltgesforth) ist seine beste Freundin. Wie er ein wenig anders als die anderen. Sensibler. Tom spürt, dass er dem Klischee „wahrer Männlichkeit“ nicht so recht entspricht. Das führen ihm die anderen Jungs mit ihrem tumben männlichen Getue und dem ständigen Reden vom Poppen und Flachlegen vor Augen. Trotzdem will er mithalten können und gibt vor, mit Amy geschlafen zu haben. Schließlich will er doch nicht als „schwul“ verhöhnt werden. Aber ist das denn wirklich so schlimm, schwul zu sein?

Tom vertraut sich dem Gemeinschaftskundelehrer (Simon Lemmer) an. Er ist selbst schwul, doch unfähig, damit offen umzugehen. Tom erzählt ihm von diesem Traum, in dem er von einer Gestalt geküsst wird. Ist es ein Mann oder eine Frau? Auch Toms Freund Gary (Valentin Linse) ist ein wenig anders. Er gilt als schwul, ist es aber nicht. Ein Individualist, der intensive Erfahrungen sucht und Tom rät, er solle seine Fantasien ausleben. Tom merkt immer mehr, dass er sich entscheiden, eine Wahl treffen muss. Ist es doch Amy, die er liebt? Sind die Treffen mit einem älteren schwulen Mann das, was er will? „Das Leben ist wie ein Puzzle, mit dem man nie fertig wird“, stellt Tom fest. Seine Reise hat gerade erst angefangen.

Das Junge Schlosstheater hat mit dem Stück „Gemeinschaftskunde“ des englischen Autors Mark Ravenhill das wichtige Thema der Suche nach der eigenen sexuellen Identität aufgegriffen. Die insgesamt acht Schauspieler sind fast alle noch Schüler. Sechs von ihnen sind Abiturienten des Gymnasiums in den Filder Benden. Der kürzlich verstorbene Theaterpädagoge Holger Runge hatte im Oktober vergangenen Jahres begonnen das Stück mit den Jugendlichen zu erarbeiten. Dass die Darsteller selbst ganz nah am Alter der Dargestellten und damit auch der Thematik sind, machte das Spiel besonders dicht und authentisch. Allerdings seien gerade deshalb auch intensive Gespräche den Proben vorausgegangen, berichtete Regisseur und Theaterpädagoge Robert Hüttinger, der das Projekt von Runge übernahm. Unterstützt wurde er von Lea Krell. Die Schauspieler, allen voran Karl Slomski als Tom und Anna Ueltgesforth als Amy, spielten die Premierenvorstellung im Studio des Schlosstheaters unfassbar professionell und packend. Ohne schützenden Abstand zum Publikum, sondern direkt vor den Augen und Füßen der 50 Zuschauer, schafften sie es, die ganze Zerrissenheit und Unsicherheit der Teenager intensiv auszudrücken. Sexualität und sexuelle Suche als Tabu-Themen, die auch in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich öffentlich diskutiert werden und schon gar nicht vor Eltern und Großeltern ausgebreitet werden, kamen hier den Anwesenden aus allen Generationen nahe, manchem vielleicht sogar zu nah.

Wer das mutige und selbstbewusste Spiel der jungen Leute erleben möchte, hat dazu noch am 20. und am 22. März Gelegenheit. Jeweils um 19.30 Uhr im Studio am Kastell.