Serie Hochschule Rhein-Waal Studenten untersuchen Rathaus-Daten

Moers · Im sechsten Semester gehen die Studenten der Fakultät Kommunikation und Umwelt unter die Praktiker. Das Praxissemester führt sie zum Beispiel ins Moerser Rathaus. Dort lernen sie die Möglichkeiten kennen, offene Daten zu nutzen.

 Benedikt Sielaff, Jens Vidojevski und Daniela Schmitz absolvieren ein Praxissemester in Moers. Prof. Frank Zimmer und Claus Arndt leiten sie an.

Benedikt Sielaff, Jens Vidojevski und Daniela Schmitz absolvieren ein Praxissemester in Moers. Prof. Frank Zimmer und Claus Arndt leiten sie an.

Foto: K.Dieker

Kamp-Lintfort/moers Drei Studenten der Kamp-Lintforter Hochschulfakultät Kommunikation und Umwelt absolvieren zurzeit bei der Stadt Moers ihr Praxissemester. Wer jetzt an viel Bürokratie, große Aktenberge und langweilige Schreibtischarbeit denkt, hat weit gefehlt: Claus Arndt, Leiter der Stabsstelle Zentrales E-Government im Moerser Rathaus, hat die jungen Leute unter seine Fittiche genommen und realisiert mit ihnen spannende Studienprojekte rund um die offenen Daten, die die Stadt seit 2013 allen Interessierten zur Verfügung stellt.

Seit fünf Jahren kooperiert Arndt mit der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort, seit zwei Jahren ist er dort als Lehrbeauftragter tätig. "Ich habe mich damals richtig gefreut, dass an der Fakultät der Studiengang E-Government etabliert wurde. Das war der notwendige Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis." Die Stadt Moers war eine der ersten Kommunen, die das Projekt "Open Data" federführend in ihrer Verwaltung umgesetzt hat.

Das bedeutet nicht weniger, als dass die Stadt Moers die verschiedensten Datensätze zur freien Nutzung und in offenen, maschinenlesbaren Formaten bereitstellt, um eine größere Transparenz zu fördern und zu schaffen. Jeder darf die Daten aus den Bereichen Bevölkerung, Haushalt, Freizeit und Tourismus frei nutzen. "Zwei Studenten der Hochschule Rhein-Waal haben mich damals bei der Einrichtung des Portals unterstützt", sagt Claus Arndt und fügt hinzu: "Open Government bekommt immer mehr Relevanz.

Und es braucht Leute, die die Entwicklung vorantreiben. Ich war von der studentischen Power richtig begeistert." Die Themen, mit denen sich die Studenten im Rahmen ihres Praxissemesters im Moerser Rathaus befassen, stammen aus unterschiedlichen Bereichen. "E-Government ist so vielfältig, dass die Studenten die unterschiedlichsten Aspekte beleuchten können", sagt der Leiter der Stabsstelle Zentrales E-Government in Moers.

So habe ein Student sich in seiner Bachelor-Arbeit zum Beispiel mit dem Thema "Social Intranet" befasst. Das ist bereits bei der Stadt Moers eingeführt. "Und es ging ab wie Schmitz' Katze, als wir es um ein banales Element erweitert haben: die Kommentarfunktion. Die Interaktivität sorgt im Rathaus für große Zufriedenheit. Natürlich muss man als Arbeitgeber den Mut haben und auch mit kritischen Meinungen umgehen können.

" Es habe sich zudem als ein effektives Instrument erwiesen, den Mitarbeitern Beteiligungsmöglichkeiten zu geben. Bei Claus Arndt haben Studenten auch schon Usibility-Analysen der städtischen Internetseite durchgeführt. Dabei wird die Homepage auf ihre Gebrauchsfähigkeit getestet. "Die Studentin hat ihre Probanten gebeten, laut zu beschreiben, was sie sich gerade auf der Webseite anschauen. Daraus ist eine Schwächen- und Stärken-Analyse entstanden", erläutert Frank Zimmer, Professor an der Fakultät Kommunikation und Umwelt.

Ein weiteres Projekt, an dem Hochschüler im Praxissemester beteiligt sind, liegt Claus Arndt besonders am Herzen: Open Data an Schulen. "Die lokalen Daten unserer Stadt können wunderbar als Unterrichtsmaterial und lehrplangerecht in den Unterricht eingebunden werden. Es sind Bildungsressourcen mit Pfiff", sagt Arndt. Anhand der zur Verfügung gestellten Daten könnten die Schüler stadtplanerische Daten visualisieren oder Apps über die Kinder- und Jugendeinrichtungen in der Stadt entwickeln.

Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt, so Arndt. Die beteiligten Studenten entwickeln das Unterrichtskonzept und Fragestellungen für die Schüler. Außerdem gestalten sie den Unterricht. "Idee ist es, ein Vorgehensmodell für den Einsatz offener Daten im Unterricht zu veröffentlichen. Es könnte dann anderen Schulen helfen, sich dem Thema zu nähern", erklärt Arndt und bedauert die Zurückhaltung der Schulen. Aktuell beteiligt sich das Adolfinum.

Die Hochschule Rhein-Waal fördert die praxisnahe Ausbildung ihrer Studenten. Das 6. Semester ist Praxissemester. "Sie sollen das Fach von der Pike auf erlernen", erklärt Frank Zimmer. Gerade im Bereich E-Government seien die Berufsaussichten für Absolventen hervorragend - nicht nur in Verwaltungen.

(RP)
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