Moers: Stromtrasse: Die Grafschaft hat Glück

Moers: Stromtrasse: Die Grafschaft hat Glück

Eine der Hauptschlagadern der Stromversorgung durchkreuzt in Deutschland im Norden Hamminkelns den Kreis Wesel. Das Unternehmen Amprion erklärte in Wesel Hintergründe. Regionale Unternehmen sollen profitieren.

Die Präsentation des Trassenverlaufs der A-Nord-Stromleitung von Amprion war am Niederrhein mit Spannung erwartet worden. Die Leitung gilt als eine der Hauptschlagadern der Energiewende in Deutschland. Jetzt steht fest: Folgt die Bundesnetzagentur den Vorschlägen von Amprion, hat die Grafschaft Glück. Die Trasse liefe mit ausreichendem Abstand an Moers vorbei. Betroffen sein wird dann am nördlichsten Zipfel Hamminkeln. Von Norden kommend führt die Trasse im Kreis Wesel an den Ortsgrenzen von Loikum und Mehrhoog, durch Töven, vorbei, dann quer durch den Reeser Ortsteil Haffen zum Rhein. Das Weseler Stadtgebiet ist nicht betroffen. Später trifft die Leitung in Marienbaum wieder auf Weseler Kreisgebiet. Auf eine Parallelführung mit der Zeelink-Gas-Trasse bei Schermbeck wurde verzichtet.

Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) sieht die Entscheidung gelassen. "Ich bin nicht in großer Sorge." Amprion habe er als ein Unternehmen kennengelernt, das gut plant und gut kommuniziert. In Raesfeld, darauf verweist Romanski, kann man sich schon jetzt Teststrecken der Leitung anschauen. Ausgewählt wurde von allen möglichen Trassenverläufen der, der am weitesten westlich am Niederrhein verläuft, wie Amprion-Projektleiter Klaus Wewering erläuterte. Noch kann die Bundesnetzagentur den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen. Dann würden auch die Rheinquerungen bei Bislich, bei Voerde oder bei Dinslaken wieder ins Rennen kommen. Die Alternativtrasse (siehe Kartenausschnitt rechts) verliefe ab Kamp-Lintfort entlang der A57 und damit unter anderem auch über Moerser Stadtgebiet.

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Seit 2016 hat sich das Projektteam A-Nord bei Amprion mit den Varianten befasst. Gestern wurden auch Details genannt, die für die Anwohner von Interesse sind. Angaben machte Amprion-Projektleiter Wewering etwa zur Entschädigung für Grundstücksbesitzer: "20 bis 30 Prozent des Flächenwertes erhalten die Eigentümer einmalig", erklärte er. Ackerbau sei über dem in zwei Meter Tiefe liegenden Erdkabel weiter möglich, nur Bäume dürften auf der Breite von knapp 30 Metern nicht gepflanzt werden. Bei Landwirten, etwa im Reeser Ortsteil Haffen, gibt es Bedenken. Sie fürchten, dass sie ihre Höfe teilweise baulich nicht erweitern können. Viele regionale Betriebe sollen vom Bau der Stromleitung profitieren. "Wir werden die Baulose klein halten, auf ausdrücklichen Wunsch der Landwirte hin", erläuterte der Projektleiter. So solle gewährleistet werden, dass Baggerfahrer mit Kenntnis der lokalen Gegebenheiten das Erdreich wieder in der Schichtung in den Boden bringen, in der es auch ausgehoben wurde. Auf die Art sei sichergestellt, dass die Pflanzen wieder schnell wachsen. "Wir wollen bodenschonend arbeiten", sagte Wewering. Man setze auf volle Transparenz. Im Planfeststellungsverfahren hätten Bürger die Gelegenheit, ihre Forderungen zu formulieren, vorher schon gibt es Anwohnerinformationen.

Die erneuerbaren Energien werden dort erzeugt, wo sie nicht gebraucht werden: an der Küste und in den Windparks im Süden. Über große Entfernungen muss der Strom deshalb in die Verbrauchszentren gebracht werden. Die neuen Gleichstromverbindungen übernehmen diesen Transport, sie entlasten bestehende Netze. Amprion ist mit dem Ausbau beauftragt, 2000 Kilometer Leitung baut das Unternehmen in den nächsten zehn Jahren.

(RP)