Stromproduktion in Moers: Solarpark Vinn geht bei Sonne ans Netz.

Stromproduktion in Moers : Solarpark Vinn geht bei Sonne ans Netz

Die Enni wandelt auf einer Fläche südlich der A 40 Sonnenlicht in Strom um, um 1050 Haushalte zu versorgen. Der neue Solarpark ist der dritte seiner Art in Nordrhein-Westfalen.

In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen liegen viele Solarparks an Autobahnen oder Eisenbahnlinien. In Nordrhein-Westfalen ist das anders, weil hierzulande die Sonne niedriger steht und der Himmel oftmals stärker bewölkt ist. Aber es ist möglich, sich mit weniger Sonnenstunden gegenüber der Konkurrenz aus Süddeutschland durchzusetzen, um einen Solarpark über das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit fünf Cent je Kilowattstunde gefördert zu bekommen. Das beweist die Enni. Ihre Tochtergesellschaft Enni Solar ließ südlich der A 40 einen Solarpark errichten, der der dritte in NRW an einer Autobahn ist.

Am Donnerstag drückten Bürgermeister Christoph Fleischhauer, Enni-Aufsichtsratschef Volker Marschmann und Enni-Geschäftsführer Kai Gerhard Steinbrich einen großen Knopf, um den neuen Solarpark symbolisch ans Stromnetz gehen zu lassen. „Ich wünsche Moers Segelwetter, wie heute“, sagte der Bürgermeister. „Wenn der Wind bläst und die Sonne scheint, kann die Enni viel Strom erzeugen.“

Damit spielte er auf die anderen Energieanlagen der Enni an, die regenerativ Strom erzeugen. Das sind die Windparks in Kohlenhuck und Repelen im Moerser Norden. Dazu kommen der Solarpark Mühlenfeld, der nahe der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn liegt, sowie 47 Photovoltaikanlagen, die vor allem auf städtischen Gebäuden installiert sind. Dazu produziert das Biomassekraftwerk, das auf dem Eurotec-Gelände in Utfort steht, neben Wärme auch Strom. 35 Prozent des Stroms seiner Moerser Kunden gewinnt die Enni nachhaltig, wobei das ein Durchschnittswert ist (siehe Infokasten).

Hand drauf: (vl.) Aufsichsrat Volker Marschmann, Bürgermeister Christoph Fleischhauer und Geschäftsführer Kai Steinbrich beim Start. Foto: Norbert Prümen (nop)

Selbst Experten hatten es für nahezu unmöglich gehalten, auf der Fläche westlich der Autobahnabfahrt einen Solarpark aufzubauen. „Die Planung begann 2015, als der Solarpark Mühlenfeld eröffnet war“, berichtete Kai Gerhard Steinrich. „Laut einer Analyse ist hier die beste Fläche für Photovoltaik. Aber die Fläche ist Teil des Grünzuges des Regionalverbandes Ruhr, der eine Luftschneise bildet. Sie steht unter Landschaftsschutz und ist Wasserschutzgebiet. Außerdem hatte die Fläche ein Öko-Ausgleichskonto.“

Deshalb hatte die Enni mit vielen Institutionen zu verhandeln. Das dauerte vier Jahre. Die Photovoltaikanlage selbst war dann innerhalb von zwei Monaten montiert. Auf einer Fläche von 4,4 Hektar stehen 10.400 Module, die jeweils eine Nennleistung von 365 Watt haben, insgesamt also rund 3800 Kilowatt. Im Jahr erzeugt der Solarpark 3,7 Millionen Kilowattstunden Strom. Das entspricht dem Verbrauch von 1050 Einfamilienhaushalten. Durch die Solaranlage werden 2200 Tonnen CO2 im Jahr weniger in die Luft gepustet.

Die Module sind auf der Fläche von fünf Fußballfeldern um 15 Prozent geneigt. Die Unterkonstruktion besteht aus Stahl und Fundamenten aus Beton. „Alles ist sturmsicher“, versicherte Jörn Rademacher, als er am Donnerstag durch den Solarpark führte. Der Geschäftsführer der Enni Solar bildet mit Markus Traud und Thomas Sensen das Projektteam für den Solarpark Vinn.

Die Enni konnte die Solarfläche inmitten der Stadt nur bauen, weil sie einen umfangreichen ökologischen Ausgleich vornahm. Sie ließ unter anderem 47 Bäume, 5400 Quadratmeter Wiese sowie 5400 Quadratmeter Hecken und Büsche pflanzen. Sie investierte über ihre Tochtergesellschaft Enni Solar 2,4 Millionen Euro in den Solarpark Vinn, der mindestens 20 Jahre lang Sonnenlicht in Strom umwandeln soll. Gerne hätte sie den Solarpark etwas größer gebaut, aber laut den gesetzlichen Vorgaben wird nur bis zu 110 Meter Abstand von einer Autobahn mit fünf Cent je Kilowattstunde gefördert.

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