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Streik ist Stress im Seniorenzentrum in Moers

Arbeitskampf in Moers : Streik ist Stress im Seniorenzentrum

Weniger Personal und ausfallende Betreuungsangebote sind beim aktuellen Awo-Streik für die Pflegekräfte eine zusätzliche Belastung.

Bereits gestern und auch heute werden die Senioreneinrichtungen, Kindertageseinrichtungen und Beratungsstellen, der Arbeiterwohlfahrt NRW bestreiket. Einige Betriebe haben ganz geschlossen. Doch in Einrichtungen, in denen Senioren leben, geht das nicht. Wie wird an solchen Tagen gewährleistet, dass die Bewohner, trotz Streik, keinen Schaden nehmen?

Damit die Bewohner trotz streikenden Personals gut versorgt sind, gibt es Notdienstvereinbarungen. „Dadurch wird die pflegerische Grundversorgung gewährleistet“, erzählt Rolf Gabriel, Leiter des Awo-Seniorenzentrums in Schwafheim. Die Einrichtung, in der durchschnittlich 188 Bewohner leben, ist vom aktuellen Streik betroffen. Die Notdienstvereinbarungen werden von Verdi-Vertretern und den Geschäftsführungen der Senioreneinrichtungen individuell festgelegt. Beinhaltet sind die geplanten Besetzungen der Häuser, also welche Abteilungen, über wie viele Stunden mit wie vielen Personen besetzt sind. „Die Seniorenzentren sind ein sensibler Bereich. Es muss völlig gesichert sein, dass genug Personal vorhanden ist“, berichtet Katrin Mormann, Pressesprecherin der Awo NRW.

Vor allem die Hauswirtschaft sei am Montag betroffen gewesen, sagt Mormann. Im Seniorenzentrum Schwafheim waren am Montag in der Küche beispielsweise drei Vollzeitstellen im Frühdienst eingesetzt und eineinhalb im Spätdienst. Für die Bewohner in Schwafheim bedeutet das aktuell, dass nur ein statt zwei Mittagsmenüs zur Verfügung stehen. Für die Haustechnik gibt es in der Regel einen Notdienst.

„Bei den Streiks fallen bei uns in jedem Fall die Betreuungsangebote weg“, erzählt der Leiter des Schwafheimer Seniorenzentrums. „Das heißt, alle Betreuungsnagebote, die die hauptamtlichen Mitarbeiter durchgeführt hätten, finden nicht statt.“ Das finge bei der morgendlichen Messe an und gehe bis zu Freizeitgestaltungen wie Gymnastik oder Skatspielen. Zudem fehlten an den Streiktagen in Schwafheim die Betreuungsassistenten in den Wohnbereichen, die dort insbesondere die dementen Bewohner betreuen. Das anwesende Pflegepersonal müsse sich zusätzlich zur pflegerischen Betreuung, auch um die Beschäftigung der Bewohner kümmern. „Das ist für die anwesenden Pflegekräfte bei der generell schwierigen Personalsituation eine zusätzliche Belastung“, sagt Gabriel. Allerdings könne die Besetzung in der Notdienstvereinbarung natürlich nicht besser sein, als die schlechteste Besetzung im Haus, wie etwa an Wochenenden oder Feiertagen. „Es sollte korrelieren – denn das ist ja ein Streik.“

In  der Schwafheimer Einrichtung wurden am letzten Freitag und Samstag Vorbereitungen getroffen, wie Tablettenstellen, oder Bereitstellung von Wäsche, damit man am Montag bestmöglich vorbereitet war. „Wir haben ein Auge darauf, dass unsere Bewohner während des Streiks gut versorgt sind“, sagt Gabriel. Die Streiksituation bemerken würden die direkt betroffenen Bewohner, „wenn sie beispielsweise beim ausgefallenen Skat teilgenommen hätten.“ Für Bewohner, die nicht an zentralen Veranstaltungen teilnähmen, mache es keinen Unterschied. Die meisten Bewohner, insoweit sie die Situation verstehen, hätten Verständnis für den Streik. Ebenso die Angehörigen. Pressesprecherin Mormann berichtet, die Notdienste hätten am Montag gut funktioniert.