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Unsere Woche: Stoppt endlich die Berufs-Chaoten!

Unsere Woche : Stoppt endlich die Berufs-Chaoten!

Die Serie der Pannen bei der Verteilung der Flüchtlinge reißt nicht ab. Jüngst waren Moers und Kamp-Lintfort betroffen. Der Flurschaden ist in Euro allein nicht zu bemessen.

Wer geglaubt hatte, die chronische Desorganisation bei der Verteilung der Flüchtlinge über unser Land sei nicht mehr steigerungsfähig, ist in dieser Woche eines Besseren belehrt worden. 145 Flüchtlinge aus der Moerser Not-Unterkunft sind nach der Registrierung in Bielefeld bundesweit verteilt worden, ohne dass dies den Betroffenen oder der Moerser Einrichtung zuvor mitgeteilt worden wäre. Noch immer lagern in der Achterrathsfeldschule persönliche Gegenstände und Dokumente der Flüchtlinge, von denen in Moers niemand weiß, wo sie sich aufhalten.

Erst am Anfang der Woche hatten Dutzende Freiwillige und Hauptamtliche in Kamp-Lintfort vergebens auf die Ankunft von 100 Flüchtlingen gewartet, die von der Bezirksregierung angekündigt worden waren.

Nur mal ein kleines Rechenbeispiel: Wenn ich davon ausgehe, dass in jeder der Einrichtungen 30 Mann je zehn Stunden lang vergebens im Einsatz waren, komme ich auf 600 Mann-Stunden. Wenn ich jede Stunde mit 30 Euro veranschlage, kostet diese Panne der Bezirksregierung allein an Personal 18 000 Euro. Von den Materialkosten, wie dem warmen Essen für insgesamt 245 Personen, das weggeschüttet werden musste, mal ganz zu schweigen.

Und was, bitte schön, soll der Schwachsinn, Flüchtlinge durchs ganze Land zu kutschieren, um sie in Herford registrieren zu lassen. Beamte, die Tabellen im Laptop ausfüllen können, gibt es doch wohl auch am Niederrhein. Hält man sich dann vor Augen, dass der Bunte Tisch seinen Mitgliedern Fahrtkosten nur dann erstatten darf, wenn sie auf den Fahrten quer durchs gesamte Moerser Stadtgebiet - zum Teil auch mitten in der Nacht - öffentliche Verkehrsmittel benutzen, fällt einem wirklich nichts mehr ein.

Dabei ist der größte Schaden nicht einmal materieller Natur. Da sind zum einen die Flüchtlinge, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Da sind aber vor allem die vielen Helfer, die durch ihre unentgeltliche Arbeit erreicht haben, dass es in Deutschland noch nicht zu einer humanitären Katastrophe gekommen ist. In ihnen kommt Wut auf die Versager in den Behörden auf Landes, Bundes- und europäischer Ebene auf.

Es ist gut, dass der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim das Wirken der Berufs-Chaoten hautnah hat erfahren können. Seine Feststellung: "Hier in Moers läuft es ja noch gut. Wie soll es dann in anderen Einrichtungen zugehen?". Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein schönes Wochenende! juergen-stock@rheinische-post.de

(RP)