Stazzema  wird Partnerstadt von Moers

Moers : Stazzema  wird Partnerstadt von Moers

Seit zehn Jahren organisiert der SCI Jugendfahrten in die toskanische Gemeinde, in der die SS während des Krieges 560 Menschen ermordet hat. Jetzt soll eine offizielle Städtepartnerschaft besiegelt werden.

In Sant’Anna ereignete sich im August 1944 eines der schlimmsten Verbrechen des Zweiten Weltkrieges. Die SS metzelte bis zu 560 Menschen nieder, die meisten Frauen, Kinder, ältere Männer. Heute ist das zur toskanischen Gemeinde Stazzema gehörende Dorf eine Gedenkstätte. Der SCI Moers hat vor mehr als zehn Jahren eine Patenschaft für sie übernommen, er organisiert Besuche und Austausche. Jetzt sollen die Kontakte intensiviert werden: Stazzema wird nach Maison-Alfort und Bapaume in Frankreich, Knowsley in England, La Trinidad in Nicaragua, Ramla in Israel und Seelow in Brandenburg siebte Partnerstadt von Moers. Ähnlich wie bei La Trinidad und Ramla ist die Gründung eines Partnerschaftsvereins geplant. Designierter Vorsitzender ist Bürgermeister Christoph Fleischhauer, die Geschäftsführung soll Frank Liebert vom SCI übernehmen. Liebert geht davon aus, dass der Partnerschaftsvertrag zwischen Moers und Stazzema im Frühjahr 2019 unterschrieben werden kann.

Das Wappen von Stazzema (Sant Anna di Stazzema). Foto: wiki

Mit Unterstützung des NRW-Jugendministeriums und des Landschaftsverbands Rheinland fährt der SCI mindestens zweimal im Jahr mit Jugendlichen nach Stazzema. Auf dem Programm stehen die Pflege der Gedenkstätte, Treffen mit italienischen Jugendlichen und politische Bildung. „Der Antifaschismus ist dort ein wesentliches Thema“, sagt Liebert. „Wer einmal da war und das hautnah miterlebt hat, ist ein Freund von San’t Anna.“ Weil auch in Italien rechtsradikale Kräfte wieder stärker werden, hat Maurizio Verona, Bürgermeister von Stazzema, vor einigen Monaten im Internet eine „virtuelle Stadt der Antifaschisten“ gegründet. Mehr als 41.000 Menschen sind inzwischen online „Bürger“ dieser Stadt geworden und haben damit Zeichen gegen Hass und Rassismus gesetzt.

Auch Moerser Ratsmitglieder und der Bürgermeister waren in Stazzema. Fleischhauer hat schon 2015 angeregt, die Kontakte auszubauen. Liebert sieht in der offiziellen Partnerschaft ein wichtiges politisches Signal – auch vor dem Hintergrund der Nazi-Schmierereien, die Unbekannte jüngst in Moers zum wiederholten Mal hinterlassen haben.

Das Moerser Schloss. Foto: Krebs, Andreas (kan)

Liebert hat viele Unterstützer. „Bedenkenträger“ gebe es allenfalls wegen finanzieller Fragen: Weil der Haushaltsansatz für Städtepartnerschaften nicht erhöht wird, frage man, ob und wie „umverteilt“ werde. Aber die neue Städtepartnerschaft werde den Haushalt nicht belasten, sagt Liebert. „Es gibt viele Fördermöglichkeiten.“ Ein Antrag bei der EU sei gestellt, zudem stehe eine Erhöhung des Etats von LVR und Jugendministerium ins Haus. Stadtsprecher Klaus Janczyk bestätigte, dass Projekte innerhalb der Partnerschaft nur ausnahmsweise durch die Stadt finanziert werden sollen.

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