Stadtstrand in Moers: Wie der Kastellplatz zur Karibik wird.

Stadtstrand in Moers : Wie der Kastellplatz zur Karibik wird

Sommer, Sand und mehr: Wo sonst die Autos parken, zauberte Moers einen (fast) perfekten Tropenstrand mitten in die Stadt. Tausende erlebten drei karibische Nächte. Kritik gab es an den Plastikbechern und an der Lautstärke.

Urlaub unter Palmen, Liegestühle auf weißem Sand, dazu Cocktails, exotische Gaumengenüsse und Reggae-Rhythmen. Bereits zum vierten Mal wurde der Moerser Kastellplatz an diesem Wochenenkaribisch und zog mehrere tausend Besucher in die Grafenstadt.

Am Donnerstag ging es los. Auf etwa der Hälfte des Kastellplatzes sorgte neben einem schneeweißen Sandstrand mit bequemen Liegestühlen und zahlreichen Essständen ein abwechslungsreiches musikalisches Bühnenprogramm für ein nahezu perfektes karibisches Flair.

Am Freitagabend platzte der Kastellplatz aus allen Nähten, und auch die angrenzenden Kneipen waren pickepacke voll. Nicht einmal ein gegen 21.30 Uhr einsetzender Nieselregen schien irgendjemanden zum Aufbruch zu verleiten. Im Gegenteil. „Wasser zu Wasser“, freute sich eine extra aus Krefeld angereiste Besucherin und hob ihr Glas prostend zum Himmel, während ihr Begleiter sein Bier dann doch lieber mit der Hand abdeckte. „Tolles Feeling hier.“ Das fand auch eine fünfköpfige Freundinnenclique aus Moers. Sie waren schon relativ früh am Abend gekommen und hatten auf diese Weise einen gemeinsamen Tisch unter einem Sonnenschirm ergattert, wo alle Cocktails vor sich stehen hatten, die zum probieren reihum wanderten. „Wir wollten ja eigentlich in Bikinis kommen“, meinte eine von ihnen mit einem Kichern. „Aber das war uns heute dann doch etwas zu kalt.“

Mit Sand und Palmen hatte sich der Kastellplatz ordentlich aufgebrasselt. Für eine perfekte Karibik-Kopie fehlte da bloß noch das Meer. . Foto: Norbert Prümen (nop)

„Was hat Sie denn eigentlich trotz der fehlenden Sonne heute hergelockt?“ „Na, die Stimmung“, meinte eine. „Und die vielen Leute. Das ist hier wie ein riesiger Biergarten. Man trifft ständig irgendwelche Bekannten, und die Musik ist auch klasse.“ Die fünf waren nicht zum ersten Mal auf der Moerser Karibik-Fete. Dass erst drei Wochen zuvor mit dem Street-Food & Music Festival eine ähnliche Veranstaltung auf dem Kastellplatz stattgefunden hat, fanden sie „überhaupt nicht zu viel“: „Nein, gar nicht. Wenn es nach uns geht, könnte im Sommer hier jedes Wochenende sowas stattfinden.“

Die beiden Neukirchen-Vluyner Sabine und ihr Mann Walter waren das erste Mal zu einer solchen Veranstaltung auf dem Kastellplatz und wollten „nur mal gucken“, weil ihre Nichte neulich so sehr davon geschwärmt hatte. „Man kennt diesen Platz ja eigentlich nur als Blechwüste“, meinte die 54-Jährige. „Es schon erstaunlich, was ein bisschen Sand alles bewirkt. Wenn ich ehrlich sein soll, ist es mir hier aber ein wenig zu laut. Was sagen denn die Anwohner?“ „Ach, da müssen die halt hin und wieder mal durch“, mischte sich ein am gleichen Tisch sitzender junger Mann in das Gespräch ein. „Es gibt auch ein paar Leute, die nicht unbedingt für Jazz oder Comedy sind. Für die kann man ruhig auch mal was machen.“

Auch am Samstag ließ sich die Sonne kaum in karibischen Ausmaßen sehen, dennoch war es auf dem Kastellplatz am Abend wieder voll. Sogar noch voller als am Vorabend. Daran gemessen war das vierte Moerser Karibik-Wochenende offenbar wieder ein voller Erfolg. „Nur die vielen Plastikbecher hätten nicht sein müssen“, wie Bernhard Gaida, der Betreiber der ehemaligen Moerser Gaststätte „Kiek ma rin“ bemängelte. „Wieso macht man den Getränkeständen da eigentlich keine entsprechenden Vorgaben?“

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