Moers: Stadtmusiker spielt am Festival-Geburtsort

Moers : Stadtmusiker spielt am Festival-Geburtsort

Hayden Chisholm gab in der Moerser Szenekneipe "Die Röhre" das zweite Konzert als neuer Improviser in Residence.

Die Tournee in Neuseeland ist gerade beendet, da wartete am Freitag schon das nächste Konzert auf Hayden Chisholm. Der 39-jährige Saxofonist gastierte vor gut 40 Besuchern in der Moerser Kulturkneipe "Die Röhre". Damit erfüllte er seine Aufgabe, als neuer Stadtmusiker das musikalische Leben der Grafenstadt mit diversen Konzerten und Projekten zum Thema "Improvisierte Musik" zu bereichern. Es war sein erstes eigenes Konzert als "Improviser in Residence". Er weckte dabei eine berechtigte Neugierde auf seine kommenden musikalischen Vorhaben. Die, so hatte Chisholm bereits bei seinem Amtsantritt erklärt, wolle er vor allem an "ungewöhnlichen Moerser Orten" realisieren, was die ganze Sache sicherlich noch um einiges spannender machen dürfte. In diesem Fall war der erste "ungewöhnliche Ort" der Keller der "Röhre".

"Soweit ich weiß, hat Burkhard Hennen hier das Moers-Festival aus der Taufe gehoben. Deswegen freue ich mich ganz besonders, hier spielen zu dürfen", begrüßte er die Besucher am Freitag, während seine drei an diesen Abend mitgebrachten Musikerfreunde, der serbische Hammond-Orgelspieler Pedja Avramovic, der Gitarrist Maurice Peter und der Schlagzeuger Hendrik Smock Position an ihren Instrumenten bezogen. Alle drei sind - wie auch Chisholm selber - ehemalige Studenten der "Hochschule für Musik und Tanz" in Köln, wobei ihn mit Pedja Avramovic jedoch eine inzwischen fast 20-jährige, besonders enge musikalische Freundschaft verbindet.

"Als wir uns in Köln kennenlernten, hat Pedja noch Oboe gespielt, aber seine eigentliche Liebe galt damals schon der legendären Hammond B3 Orgel, und das können Sie jetzt hören", stellte Hayden Chisholm seinen Freund und dessen schwarze, schon leicht verlebte, mit vier Tragegriffen versehene B3 Hammond-Orgel vor. Die erstmals 1956 erbauten elektrischen B3-Orgeln wurden in erster Linie durch den 1925 geborenen und 2005 verstorbenen Musiker Jimmy Smith legendär und prägten durch ihn ein ganzes Jazz-Genre. So standen an diesem Abend denn auch besonders viele seiner extra für dieses Instrument komponierten Stücke wie zum Beispiel "Who's afraid of Virginia Wolf" oder "The Cat" auf dem Programm.

Dennoch wurde das Konzert zu keiner Zeit irgendwie B3-lastig. Dazu waren sich die vier Musiker mit ihrem jeweiligen Instrumentalkönnen nicht nur zu ebenbürtig, sondern auch im Zusammenspiel zu einig. Hinzu kam, dass die Moerser Zuschauer in erster Linie ihren neuen "Improviser" kennen lernen wollten. Ein Ansinnen, dem Hayden Chisholm natürlich Rechnung trug, indem er immer wieder einzelne Solo-Passagen auf seinen beiden aus den 20er- und 30er-Jahren stammenden Alt- und Tenorsaxofonen vortrug, ohne dabei aber seine drei Mitmusiker irgendwie an die Wand zu spielen. Im Gegenteil.

Wann immer in den jeweiligen Stücken keine Saxofon-Passagen vorgesehen waren, unterstützte er die Musik seiner Kollegen durch leises, rhythmisches Schlagen einer Konga-Trommel und lächelte dabei mitunter so selig und selbstvergessen, als habe er zusätzlich zu seinem einstigen Eintritt in den Saxofon-Himmel einen weiteren in den Himmel der Percussion-Instrumente erlangt.

(lang)