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Stadt Moers will Raddialog bis Ende 2018 auswerten

Moers : Stadt will Raddialog bis Ende 2018 auswerten

Im November soll die Politik Handlungsempfehlungen erhalten. ADFC fragt: Wie fahrradfreundlich ist Moers?

Seit 2007 ist Moers Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte in NRW. Aber „fahrradfreundlich“ ist ein dehnbarer Begriff. Karl-Heinz Degen, Vorsitzender des ADFC Neukirchen-Vluyn /Moers, beklagt etwa nach wie vor einen schlechten Zustand vieler Radwege in der Stadt. „Es gibt viele Schlaglöcher. Es macht keinen Spaß, Rad zu fahren.“ Degen steht mit seiner Kritik nicht allein. Als die Stadtverwaltung die Moerser vor einem Jahr zum „Raddialog“ einlud, bekam sie innerhalb eines Monats 462 Hinweise und Vorschläge zur Verbesserung des Radverkehrs. Dabei ging es meist um die Verkehrsführung von Radwegen, um fehlende Radwege, um solche in schlechtem Zustand. Auch Probleme mit Ampeln, Hindernissen, Verkehrsschildern oder der Beleuchtung wurden genannt.

 Rechts: Radler, die geradeaus fahren wollen, müssen an der Trotzburgkreuzung die Rechtsabbiegespur von der Unterwallsraße zum Neuen Wall benutzen.
Rechts: Radler, die geradeaus fahren wollen, müssen an der Trotzburgkreuzung die Rechtsabbiegespur von der Unterwallsraße zum Neuen Wall benutzen. Foto: Uwe Reimann

Inzwischen ist der Abschlussbericht zum Raddialog online (www.raddialog.moers.de), und eine Mitarbeiterin des Bereichs Verkehrsplanung ist im Rathaus dabei, die Hinweise der Moerser zu sichten und auszuwerten. „Bis Ende des Jahres wollen wir damit fertig sein“, kündigt Stadtsprecher Thorsten Schröder an. Voraussichtlich im November werde die Stadtverwaltung der Politik Handlungsempfehlungen vorlegen, die sich aus dem Raddialog ergeben.

 Links: Von rechts kommende Radfahrer müssen den Einmündungsbereich auf der linken Fahrbahnseite überqueren. Damit rechnen Autofahrer nicht.
Links: Von rechts kommende Radfahrer müssen den Einmündungsbereich auf der linken Fahrbahnseite überqueren. Damit rechnen Autofahrer nicht. Foto: Uwe Reimann

Einige Hinweise aus dem Raddialog habe die Stadt bereits zum Anlass genommen, tätig zu werden, berichtet Schröder. So seien aufgrund einer Beschwerde über Raser auf der Josefstraße Messungen angeordnet worden. Und an der Annastraße/Asberger Straße seien alte, ausgeblichene Vorfahrtschilder durch neue ausgetauscht worden, weil jemand gemeldet hatte, dass dort die Vorfahrtsregelung oft missachtet werde. Während die Stadt bei solchen „kleinen“ Dingen oft unmittelbar reagieren könne, werde es komplizierter, wenn es um größere Geldsummen gehe oder andere Behörden einbezogen werden müssen. Schröder nennt den Wunsch nach einer fehlender Querungshilfe an der Krefelder Straße (einer Landesstraße) zwischen Schlosspark und Kranichstraße. „Dazu werden wir das Gespräch mit Straßen NRW suchen.“

 Oben: Hier sind unliebsame Begegnungen zwischen Radfahrern und Leuten, die auf den Bus warten, kaum zu vermeiden.
Oben: Hier sind unliebsame Begegnungen zwischen Radfahrern und Leuten, die auf den Bus warten, kaum zu vermeiden. Foto: Uwe Reimann

Den Fortschritt der Auswertung des Raddialogs dokumentiert die Stadt auf einer interaktiven Karte auf www.moers.de. Dort können blaue Punkte angeklickt werden, von denen jeder für einen Bürgerhinweis und eine Antwort der Verwaltung steht. Bisher geht es auf der Karte vornehmlich um den Moerser Süden. Thorsten Schröder gibt zu, dass die Antworten der Verwaltung die Beschwerdeführer wohl nicht immer zufriedenstellen werden. Zum Beispiel weil die Stadt auf Zuständigkeiten von Land und Kreis hinweist, oder auf die Enni, an die man das Problem weiterleiten werde. Schnelle Lösungen, wie die Bürger sie sich wünschen, gibt es nur in wenigen Fällen. Aber Thorsten Schröder versichert: „Wir nehmen die Dinge ernst.“

Derzeit haben die Moerser erneut die Gelegenheit, ihre Meinung über das „Fahrradklima“ in ihrer Stadt zu äußern. Diesmal ist es der ADFC, der bundesweit Bürger befragt. Bis zum 30. November kann der Online-Fragebogen unter www.fahrradklima-test.de ausgefüllt werden. Bei der letzten ADFC-Umfrage 2016 belegte Moers mit einer Gesamtnote von 3,9 deutschlandweit den 18. Platz unter den Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern. Landesweit kam die Grafenstadt sogar auf den vierten Platz. Eher positiv wurde damals zum Beispiel gesehen, dass das Stadtzentrum gut per Rad erreichbar sei und dass zügiges Radfahren möglich sei. Schlecht bewertet wurde zum Beispiel die Führung des Radverkehrs an Baustellen oder auch eine mangelhafte Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen.