Stadt Moers will fünf Inklusionsschulen

Bildung in Moers : Moers setzt auf fünf Inklusionsschulen

Die Stadt möchte mehr Plätze für Schüler mit Förderbedarf vorhalten und die Aufgaben auf mehr Schulen verteilen als es die Bezirksregierung vorschlägt.

Fünf Moerser Schulen sollen ab dem Schuljahr 2020/21 „Orte des Gemeinsamen Lernens“ werden: die Anne-Frank- sowie die Geschwister-Scholl-Gesamtschule, die Heinrich-Pattberg-Realschule, die Justus-von-Liebig-Hauptschule und die Hermann-Runge-Gesamtschule. So wollen es die Mitglieder des Schulausschusses, die einem entsprechenden Vorschlag der Stadtverwaltung zugestimmt haben. Die Bezirksregierung hatte (bereits ab 2019/20) lediglich die ersten vier genannten Schulen für das künftige inklusive Lernen in Moers vorgesehen. Die Stadt möchte aber auf Dauer mehr Plätze für förderbedürftige Schüler vorhalten als unbedingt nötig.

Wie berichtet, richtet die Landesregierung das inklusive Lernen an Schulen neu aus. Städte müssen geeignete Schulen benennen, an Gymnasien soll das Gemeinsame Lernen nicht mehr stattfinden. Vielerorts gibt es Widerstände gegen die Pläne, auch in Moers. Nicht zuletzt, weil Lehrkräfte für den inklusiven Unterricht fehlen: Die Stellen werden geschaffen, bleiben aber vielfach unbesetzt. Die Moerser CDU-Fraktion ist deshalb dafür, die Pläne des Landes so lange abzulehnen, bis die Voraussetzungen für den inklusiven Unterricht stimmen. Im Zweifel solle die Stadt vor dem Verwaltungsgericht klagen. Die CDU pocht darauf, dass die vom Land genannte Formel „25 – 3 – 1,5“ eingehalten werde, was bedeutet, dass pro Klasse mit 25 Schülern maximal drei Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgenommen werden und dafür 1,5 (besetzte!) Lehrerstellen zur Verfügung stehen. Die Erfahrung spreche dafür, dass mehr Inklusionsschüler aufgenommen werden.

Dezernent Claus Arndt gab zu, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Er warnte aber vor einer Klage. Die „25 – 3 – 1,5“-Formel sei nicht einklagbar, der Ausgang eines Verfahrens wäre unsicher, gab Arndt zu bedenken. Nicht auszuschließen, dass Moers am Ende auf die von der Bezirksregierung vorgeschlagene Vier-Schulen-Lösung festgenagelt würde, statt auf die selbst favorisierte Fünf-Schulen-Lösung. Ob das im Schulausschuss beschlossene Modell zum Tragen kommt, ist ohnehin noch unsicher. Schulamtsdirektor Jürgen Dorn bescheinigte den Moersern eine „gewisse Weitsicht“. In der Vergangenheit habe es große Schwankungen bei den Zahlen der betroffenden Schüler gegeben. Dennoch lege die Landesregierung auf „Puffer“ keinen Wert.

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule will lehnt es nach wie vor ab, Ort des Gemeinsamen Lernens zu werden. Der Vorschlag der Stadtverwaltung gehe aber in die richtige Richtung, sagte am Dienstag Schulleiter Rolf Grüter. „Es ist richtig, die Aufgaben gleichmäßig zu verteilen.“ Die fehlende Beteiligung der Gymnasien halte die Schulkonferenz aber nach wie vor für einen Skandal.

Die Stadt möchte die vier Gymnasien zumindest mit einem „solidarischem Beitrag“ in die Pflicht nehmen und dort Sprachfördergruppen für Flüchtlingskinder einrichten. Die Sprachfördergruppen an der Hauptschule, der Realschule und den Gesamtschulen sollen aufgelöst werden.

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