Stadt Moers rechnet mit mehr Nachverdichtung

Stadtplanung in Moers : Stadt rechnet mit mehr Nachverdichtung

In den nächsten Jahren werden in bestehenden Wohngebieten öfter zusätzliche Häuser gebaut, prognostiziert der Technische Beigeordnete Thorsten Kamp. Das hat Vor- und Nachteile.

Das Gebäude, das die Arbeiterwohlfahrt-Stiftung am Sperberweg in Hülsdonk errichten will, ist das bekannteste Beispiel. Ein großes neues Haus, das vier Wohnungen hat, soll ein bestehendes, kleines ersetzen, das für eine Familie konzipiert gewesen war. „Die Flächen in Neubaugebieten werden immer teurer“, sagt Moers’ Technischer Beigeordneter Thorsten Kamp. „Der Druck ist hoch.“ Deshalb würden Häuser durch größere ersetzt werden. Oder neue Häuser und Anbauten würden in bestehenden Wohngebieten errichtet. „Das ist nicht nur in Hülsdonk ein Thema“, betont Kamp.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Umwelt prognostizierte der Planungsdezernent jetzt, der Trend zur Nachverdichtung werde in Moers in den kommenden Jahren zunehmen – auch weil kaum noch Neubaugebiete ausgewiesen würden. „Das ist gleichzeitig eine Flächenschonung und eine Belastung für die anderen“, sagte Kamp in Bezug auf die beiden Seiten der Nachverdichtung.

Denn: Zum einen fällt in bestehenden Wohngebieten Grünfläche weg, die gut für das Mikroklima ist. Zum anderen nimmt die Belastung durch Verkehr zu, wenn in einem Wohngebiet mehr Personen leben und damit mehr Autos unterwegs sind. Das gilt besonders für Wohngebiete, die in den 1950er und 1960er Jahren wuchsen, wie das in Hülsdonk, als Familien höchstens ein Auto hatten und nicht mehrere. Die Querschnitte der Straßen entsprechen nicht mehr heutigen Maßstäben, um für Fußgänger und Fahrradfahrer, parkende und fahrende Autos genügend Platz zu bieten.

„Die Straßenbreite ist manchmal tatsächlich sehr eng“, sagte Mark Rosendahl (SPD) im Ausschuss. Wie die übrigen Ausschussmitglieder sieht auch er die Vor- und Nachteile der Nachverdichtung. Die Verwaltung, so Rosendahl, solle den Ausschuss informieren, wenn es zu Schwierigkeiten kommt. Konkret lobte er die Nachverdichtung an der Voßrather Straße im Majo-Quartier.

Dort will die Wohnungsbau Stadt Moers GmbH neue Gebäude auf einer Fläche hinter bestehenden errichten, auch um die Menschen, die dort vor fast 60 Jahren eingezogen sind, im Quartier zu halten. Die entsprechende Änderung des Bebauungsplans wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Umwelt einstimmig beschlossen.

Die Eigentümer von Grundstücken, hieß es, hätten ein Recht, diese unter Einhaltung des Baurechts, zum Beispiel in Bezug auf Abstandsflächen, effektiver zu nutzen. „Wir sind gehalten, zu genehmigen“, erklärte Thorsten Kamp. „Wir genehmigen nach Paragraph 34 Baugesetzbuch, wenn kein Bebauungsplan vorliegt. Unser Instrumentarium ist eingeschränkt.“ Wenn Paragraph 34 gilt, müssen sich Bauherren bei Neu- oder Anbauten an der bestehenden Bebauung orientieren.