Zwischen Hammer und Kreuz

Das Wappen von Kamp-Lintfort zeigt auf rotem Grund eine Kirche sowie Hammer und Schlägel, die Symbole für den Bergbau. Und so schmückt sich Kamp-Lintfort bis heute mit der Bezeichnung Kloster- und Bergbaustadt. Die Bindestrichstadt ist kein Kind der Gebietsreform von 1975, die bisherigen Ämter Kamp, Hoerstgen und Vierquartieren wurden nach jahrzehntelanger Diskussion zum 1. April 1934 im Zuge der Industrialisierung des linken Niederrheins zu einer Gemeinde mit dem Namen Kamp-Lintfort zusammengelegt.

Das Bergwerk West gehört heute noch zu den acht aktiven Bergwerken der Deutschen Steinkohle. 3580 Mitarbeiter fördern jährlich 3,7 Millionen Tonnen Steinkohle. Das untertägige Streckennetz ist 123 Kilometer lang, mit modernster Förder- und Auffahrungstechnik wird die Kohle aus einer Fläche von 188 qkm und bis 1200 Metern Tiefe geholt. Abseits der großen Verkehrswege begann die Zeitwende 1907, als in der bis dahin unbedeutenden Siedlung Lintfort der erste Spatenstich für ein Bergwerk erfolgte. 1909 erstand eine geschlossene Bergarbeitersiedlung mit 2300 Wohnungen. Bis 1930 explodierte die Einwohnerzahl auf das Fünffache. 1957 waren 8600 Menschen im Bergbau beschäftigt.

Der Kontrast vom Bergbau zum Kamper Berg mit dem Kloster und dem berühmten Terrassengarten könnte nicht größer sein. Mit der Säkularisation der Franzosenzeit ging 1802 eine bedeutende Ära der Zisterzienser in Kamp zu Ende. Kloster Kamp gilt als das erste Zisterzienserkloster im deutschen Sprachraum. 1123 wurde es in einer einsamen Gegend, vom Volksmund "Campus” ­ Feld ­ genannt, gegründet. Auf Kamp gehen rund 100 Töchter- und Enkelklöster in In- und Ausland zurück. Heute ist das Kloster ein Museum, vor 20 Jahren wurde auch der barocke Terrassengarten wiedererrichtet. Wenn vom Sanssouci am Niederrhein gesprochen wird, ist der Terrassengarten am Kloster Kamp gemeint.

Eine andere Sehenswürdigkeit ist die Kirche in Hoerstgen. Musikfreunde schätzen die Weidtmann-Orgel aus dem Jahr 1732, eine der ältesten spielbaren Orgeln am unteren Niederrhein. Die Kirche erlangte aber aus ganz anderen Gründen Berühmtheit. Bis Ende des 18. Jahrhunderts galt die Kirche als "rheinisches Gretna Green”, weil dort Ehen geschlossen wurden, die anderswo aus religiösen oder anderen Gründen nicht möglich waren. Heute sind es andere Dinge, die Kamp-Lintfort bundesweit in die Schlagzeilen bringen. Zuletzt waren es die Arbeitskämpfe im Handywerk von Siemens, das im Oktober 2005 an den taiwanesischen Konzern BenQ überging.

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