Immer weniger Kinder in Moers können richtig schwimmen.

Moers : Politik plant lokale Schwimm-Kampagne

50 Prozent der für die Schulen reservierten Schwimmzeiten werden laut Bäder-Chef Dirk Hohensträter nicht genutzt. Das Bündnis für Moers will dafür sorgen, dass künftig alle Grundschüler schwimmen und radfahren können.

Immer weniger Kinder können richtig schwimmen. Diese Entwicklung ist kein Moerser Spezial-Problem. Dass aber in den Bädern der Grafenstadt die Schwimmzeiten der Schulen maximal zu 50 Prozent genutzt werden, passt ins Bild. Dirk Hohensträter, Geschäftsführer der Enni Sport & Bäder, beobachtet seit Monaten, dass der Schwimmunterricht in Moers offenbar immer häufiger ausfällt. „Das sehen wir daran, dass die Becken, die wir für Schulschwimmunterricht vorhalten, morgens oft leer sind“, sagt er. „Die Frage ist: Warum ist das so, obwohl doch der Lehrplan in NRW vorgibt, dass jeder Schüler am Ende der Grundschule die Fähigkeit haben soll, sich sicher über Wasser zu halten.“

Klar ist: Schulschwimmen kostet Zeit, Geld und ist oft eine logistische Herausforderung. Das bestätigt Stadtsprecher Klaus Janczyk: Auch der personelle Aufwand sei höher als bei Unterricht im Trockenen, sagt er. Außerdem sind die Anforderungen an die Schwimmlehrer gestiegen: Ein Rettungsschwimmschein wird seit 2015 vorausgesetzt, um Schulschwimmen erteilen zu dürfen. „Woran genau es nun liegt, dass die Moerser Schulen ihre Schwimmzeiten nicht voll nutzen, wissen wir nicht“, sagt Janczyk. „Die Verwaltung wird das Thema Anfang des Jahres aber in einer Runde mit den Schulleitern auf die Tagesordnung setzen.“

Das Bündnis für Moers (SPD, Grüne, Grafschafter) im Moerser Stadtrat will darauf nicht warten. „Wir planen in Kooperation mit örtlichen Vereinen und Organisationen eine lokale Kampagne, die möglichst schon im Frühjahr starten soll“, erklärt Claus Peter Küster, Chef der Fraktion „Die Grafschafter“. „Ziel ist es, dass Kinder, die in Moers die Grundschule verlassen, garantiert schwimmen und auch vernünftig und sicher radfahren können. Dass das wichtig ist, dafür müssen wir bereits in den Kitas das Bewusstsein schärfen, dabei suchen wir nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen.“ Dass sich etwas ändern muss, sieht auch Bäder-Chef Dirk Hohensträter so. Er schlägt vor, sich am Beispiel der Stadtstaaten zu orientieren und Schwimmunterricht auszugliedern. „Wenn die Organisation zum Beispiel den Badbetreibern obläge, könnten die nicht nur für eine entsprechende Infrastruktur, sondern auch für ausgebildetes Personal sorgen. Das würde die Schulen entlasten, ansetzen muss man da aber natürlich beim Land.“

Beispiel: Hamburg. 2006 wurde der Schwimmunterricht an den Schulen der Hansestadt an die Bäderland Hamburg GmbH und einen Verein übertragen. Seither, heißt es, sei die Zahl der Kinder mit bestandenem Seepferdchen- und Bronze-Schwimmabzeichen deutlich gestiegen.

Mehr von RP ONLINE