Moers: Stadt braucht mehr weibliche Chefs

Moers: Stadt braucht mehr weibliche Chefs

Der erste Moerser Gleichstellungsplan soll dafür sorgen, dass Führungspositionen im Rathaus künftig paritätisch besetzt werden. Die Vorgaben sind verpflichtend.

Die Notwendigkeit von mehr Frauen in Führungspositionen - für die Moerser Stadtverwaltung ist das keine pauschale, anlässlich des Weltfrauentags schnell mal herausgehauene These, sondern Fakt. Das belegen die Zahlen. Innerhalb der zehn Fachbereiche umfassenden Kernverwaltung sind derzeit sieben Fachbereichsleitungen von Männern besetzt, nur drei von Frauen. Bei den stellvertretenden Leitungen ist das Verhältnis acht zu zwei, der Verwaltungsvorstand aus Bürgermeister und drei Beigeordneten ist seit März komplett in Männerhand. Dass das perspektivisch nicht gut ist, hat auch Verwaltungschef Christoph Fleischhauer erkannt. "Das zu ändern, steht ganz oben auf der Tagesordnung", sagt er. Dafür sorgen soll der erste Moerser Gleichstellungsplan.

Der Personal- und Feuerwehrausschuss hat dem Stadtrat empfohlen, diesen zu beschließen. Gültig sein soll er ab dem 1. April bis zum 31. März 2021. Bislang gab es in Moers einen Frauenförderplan. Viermal wurde dieser fortgeschrieben. Weil das Landesgleichstellungsgesetz das so vorsieht, ist die Stadt jetzt aber zu mehr verpflichtet. "Der entscheidende Unterschied zwischen Frauenförderplan und Gleichstellungsplan ist, dass die Umsetzung des Gleichstellungsplans verpflichtend ist", sagt die Moerser Gleichstellungsbeauftragte Barbara Folkerts. Heißt: Es gibt Stichtage und ein festgeschriebenes Controlling. So lautet eine Zielvorgabe zum Beispiel: Zwei Drittel der bis März 2021 frei werdenden und voraussichtlich wieder zu besetzenden Führungsfunktionen werden an Frauen vergeben. Der Gleichstellungsplan wird so zum Personalentwicklungsinstrument.

Foto: Thomas Plaßmann

"Die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen wird innerhalb der Stadtverwaltung besonders in den Bereichen der allgemeinen Verwaltungsaufgaben deutlich", sagt Folkerts. "Von den insgesamt dort arbeitenden Personen sind 332 weiblich und 153 männlich. Je höher die Positionen und die leitenden Funktionen, umso mehr kippt das Verhältnis, also - werden diese Stellen von Männern besetzt."

Der Frauenförderplan beinhaltet deshalb Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zum Abbau von Unterrepräsentanz. Konkret heißt das zum Beispiel: Innerdienstliche Gremien, Arbeits- und Projektgruppen, deren Zusammensetzung nicht durch besondere gesetzliche Vorgaben geregelt ist, werden künftig grundsätzlich jeweils zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt. Konsolidierungsmaßnahmen dürfen nicht einseitig zu Lasten der Beschäftigung von Frauen gehen. Und: Ausbildungsplätze werden im Rahmen der tarifvertraglichen beziehungsweise gesetzlichen Möglichkeiten auch in Form von Teilzeitausbildungen angeboten.

Foto: Thomas Plaßmann
(RP)