Roboter hilft Ärzten im OP In Moers operiert jetzt „Da Vinci“

Moers · Am Moerser Krankenhaus werden Chirurgen bei der OP künftig von einer vierarmigen Maschine unterstützt. Nur am Steuerpult sitzt dann noch ein Mensch. Wo, wann und bei wem „Da Vinci“ zum Einsatz kommt.

 Das Symbolbild zeigt eine Operation mit dem „Da Vinci“-Chirurgiesystem.

Das Symbolbild zeigt eine Operation mit dem „Da Vinci“-Chirurgiesystem.

Foto: Klinikum Leverkusen/Christian Ahrens

Leonardo da Vincis Zeichnung des vitruvianischen Menschen – ein Körper mit vier ausgestreckten Armen und Beinen – ist heute, mehr als 500 Jahre nach dem Tod des italienischen Gelehrten, ein weltweites Symbol für Schönheit, Körperbewusstsein und Gesundheit. Er blickt uns von der Krankenversicherungskarte entgegen, ist das Logo zahlreicher Heilkundepraxen und vollbringt – in Gestalt eines vierarmigen Roboters namens „Da Vinci“ – in Operationssälen quasi übermenschliche medizinische Präzisionsarbeit.

Der Chirurg der Zukunft ist demnach eine Maschine, hat eine extrem ruhige Hand, Adleraugen und operiert – so ist jedenfalls das Versprechen – besser, als es ein Arzt mit seinen Händen und einem Skalpell tun kann. Ab November können nun auch Patientinnen und Patienten der GFO Kliniken Niederrhein aus Moers und Dinslaken am Standort St. Josef in Moers mit dem „Da Vinci“-Roboter operiert werden. Nach eigenen Angaben ist das St. Josef derzeit das einzige Krankenhaus im Kreis Wesel, das diese Technik verwendet, deutschlandweit sind es bereits mehr als 100.

Fest steht: Robotik ist auch in der Medizin zunehmend zu einem wichtigen Helfer bei komplexen, minimalinvasiven Eingriffen geworden. In den USA wird die Technik schon seit den Achtzigern verwendet, mittlerweile gibt es viele Anbieter auf dem Markt.

Das rund zwei Millionen Euro teure „Da-Vinci-Operationssystem“ des US-Herstellers Intuitive, das jetzt am St. Josef zum Einsatz kommt, soll zu den modernsten Operationssystemen in Europa gehören. „Für die Patienten bedeutet das: kleinere Schnitte, verkürzte Operationszeiten, weniger Blutungen, geringere Infektionsraten, weniger Komplikationen und weniger postoperative Schmerzen“, erklärt Krankenhaussprecherin Regina Ozwirk. Doch nicht alle Patienten kommen für eine minimalinvasive OP mit „Da Vinci“ infrage. „Das Ganze ist ein Angebot, der Patient hat grundsätzlich die Wahl, auf jeden Fall werden auch in Zukunft beide Operationstechniken – also roboterassistiert und offen – angeboten“, sagt Ozwirk. Entschieden werde dann individuell unter Berücksichtigung der persönlichen Krankengeschichte.

Das Operationssystem besteht aus einer Arztkonsole, einem Patientenwagen mit vier interaktiven Armen und einem Videowagen. Dabei führt der Roboter keine Operationen und Bewegungen selbstständig aus, sondern übersetzt die Handbewegungen des Operateurs an der Konsole in Echtzeit in präzise, zitterfreie Bewegungen der Instrumente. Am Ende bleibt „Da Vinci“ also nur ein verlängerter Arm des Operateurs, eigenständige Entscheidungen trifft er nicht.

Über Mikrofon und einen Lautsprecher an der Steuerkonsole ist der operierende Arzt immer mit dem Team verbunden, das über einen zweiten Bildschirm jede seiner Bewegungen auf dem Operationsfeld verfolgt. „Die Operationen sind Teamarbeit“, sagt Ozwirk. „Sie erfolgen durch ein aufeinander eingespieltes und speziell geschultes Team.“

Am St. Josef wird der Einsatz von „Da Vinci“ gerade in einem unbenutzten Patientenzimmer trainiert. Mit Georgios Stamatelos, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im St.-Vinzenz-Hospital in Dinslaken, verfügen die GFO Kliniken Niederrhein in den eigenen Reihen bereits über einen erfahrenen Robotik-Chirurgen. Stamatelos ist ausgezeichnet als „Da Vinci Distinguished Surgeon“.

Für Ralf Nennhaus, Sprecher der Regionaldirektion der GFO Kliniken Niederrhein, ist „Da Vinci“ aus mehrfacher Hinsicht eine Investition in die Zukunft. „Wir freuen uns, dass wir zum Wohle unserer Patienten die roboterassistierte Chirurgie mit dem ,Da Vinci’-System nun auch im Kreis Wesel anbieten können“, sagt er.

Freuen sich über die Neuanschaffung im GFO-Klinkverbund (v.l.): Thomas Weyers, Klaus Peitgen, Hans-Peter Tappe, Marc Alexander Renter, Geogios Stamatelos, Jens Pagels, Michael Reimann, Ralf Nennhaus und Myriam Olschewski.   Foto: GFO

Freuen sich über die Neuanschaffung im GFO-Klinkverbund (v.l.): Thomas Weyers, Klaus Peitgen, Hans-Peter Tappe, Marc Alexander Renter, Geogios Stamatelos, Jens Pagels, Michael Reimann, Ralf Nennhaus und Myriam Olschewski. Foto: GFO

Hinzu kommt: Weil weniger invasive Eingriffe im Idealfall auch schnellere Heilungsprozesse nach sich ziehen, könnten Patienten in Zukunft deutlich schneller von der Intensivstation entlassen werden. „Unser Ziel ist es, dass möglichst vielen Patienten die Vorteile der Robotik zugutekommen“, sagt Nennhaus. „Der ,Da Vinci‘ wird in der Urologie, der Gynäkologie sowie der Allgemein- und Viszeralchirurgie zum Einsatz kommen.“