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Sprachverliebt und Wortverspielt: Neue Sonderausstellung im Grafschafter Museum Moers

Arbeiten von Ulrike Martens : Sprachverliebt und Wortverspielt

„Garnölen“ und „Nordic-Wal King“: Eine Sonderausstellung im Grafschafter Museum zeigt Arbeiten der Künstlerin Ulrike Martens.

Ohne die sonst übliche Vernissage ist die Sonderausstellung „NÖ! Verrückte Wortwelten in Bildern“ von Ulrike Martens im Grafschafter Museum eröffnet worden. In Zeiten von Corona sei und bleibe vieles anders als gewohnt. Insofern gebe die Ausstellung selbst eine Art Antwort auf eine Welt, die derzeit in Unordnung geraten sei, sagte Museumsleiterin Diana Finkele. Jene Art von Antwort habe und zeige Humor, und das sei gut in diesen Zeiten, betonte sie.

Ursprünglich war die Ausstellung für einen späteren Zeitpunkt im Schlossmuseum vorgesehen, berichtete Finkele. Doch als sie mit der Ausstellungskuratorin Fania Burger und der Künstlerin das erste Mal zusammenkam, stellten alle fest, dass sich die Bilder ideal für eine Online-Ausstellung eignen würden. Unter dieser Voraussetzung bereiteten die drei die Realisierung vor – nicht ahnend, dass das Museum nach der Schließung im März bereits zwei Monate später seine Pforten unter Beachtung von Corona-Schutzmaßnahmen wieder öffnen durfte. So konnte die Ausstellung nun „analog“ konzipiert werden und beinhaltet neben vielen Zeichnungen und Karikaturen auch Malerei und ein kleines Filmchen sowie ein umfangreiches, teils digitales Rahmenprogramm.

Zu letzterem gehören eine Lesung aus dem Buch „Rosa Hasen“ (erschienen im Dezember 2019) von und mit Ulrike Martens am 4. September, ein Live-Stream-Gespräch mit der Künstlerin am 14. Juli, zwei öffentliche Führungen durch die Ausstellung (eine am 1. und die zweite am 15 September), ein dauerhafter virtueller Rundgang durch die Ausstellungsräume über die Homepage des Museums sowie drei digitale Workshops am 15. Juni („Linkshandzeichnen“), 30. Juni („Zebra-Enten-Schweinerich“) und 15. Juli („Wortspiele“).

Doch damit nicht genug: Darüber hinaus gibt es nämlich noch eine Open-Air Virage am 3. Juli und eine Finissage am 20. September, mehrere unterschiedliche VHS-Workshop-Kooperationsprojekte sowie drei Kinoabende, die im alten Landratsamt veranstaltet werden. Das komplette Rahmenprogramm ist in einem Flyer des Museums zu der Ausstellung abgedruckt.Mittelpunkt der Ausstellung ist und bleibt aber das künstlerische Schaffen der Ulrike Martens.

Martens, 1962 in Gelsenkirchen geboren, lebt, wohnt und arbeitet in Moers seit 15 Jahren. Sie ist eine sprachverliebte und wortverspielte Konzeptkünstlerin, schreibt, malt und zeichnet und dreht kleine Filmchen. Studiert hat sie einst erst Kunstgeschichte und Archäologie in Bochum, dann Kunst und Psychologie in Essen. Während in der Malerei ihr Fokus auf großformatige Porträts gerichtet ist, liegen die Schwerpunkte ihrer zeichnerischen Arbeit im Bereich der komischen Kunst. Dafür zeichnet, malt und schreibt sie beidhändig. Diese Technik, die sie während ihres Kunststudiums entwickelt hat, führte sie von der Malerei über Comics zu satirischen Geschichten. Ihre Themen findet sie überwiegend im Alltag, vor allem auf der Straße oder im öffentlichen Personennahverkehr.

Seit Jahren sammelt Martens Wörter, zerlegt diese in ihre Bestandteile und gibt ihnen andere, neue (Be-)Deutungszusammenhänge, so dass die daraus entstehenden Wortgeschöpfe eine sprachlich hintergründige bis tiefsinnige Gestalt annehmen. Auf diese Weise kommen die Betrachter von Martens‘ Bildern mit überwiegend tierähnlichen Konstrukten und weiter gedachten Bedeutungszusammenhängen in Berührung: „Wenn es einen Kabeljau gibt, muss es doch auch einen Kabelnö geben“, behauptet die Künstlerin.

In Martens‘ Wort-Bilder-Welt schwimme man im Chaos wilder Kreaturen, heißt es im Ausstellungsflyer. Und so begegnet der Ausstellungsbesucher Bildern, die „Zitronenfalter“, „Garnölen“, „Qual der Wal“, „Nordic-Wal King“ oder „Banaal“ heißen. Martens: „Mein Werk sind grafisch aufgearbeitete Worthaufen. Manche Wortschöpfungen sind einfach nur bekloppt.“