VfB Homberg: Von Glücksgefühlen und Hoffnungen

Fußball-Regionalliga : Von Glücksgefühlen und Hoffnungen

Der VfB Homberg verabschiedete sich mit dem 2:0-Sieg in Essen eindrucksvoll aus dem „Traumjahr 2019“

Erst hoch, dann runter, dann wieder rauf – die letzten vier Wochen des VfB Homberg in der Fußball-Regionalliga glichen für Stefan Janßen nicht nur einer sportlichen Achterbahnfahrt. „Die Jungs versetzen mich in ein Gefühlskarussell“, sagt der Trainer. „Vor vier Wochen schlagen wir den Tabellenführer Verl, dann verlieren wir in Mönchengladbach, dann erhalten wir den Titel als Duisburgs Mannschaft des Jahres, gehen mit dieser Euphorie ins letzte Heimspiel des Jahres und verlieren gegen den Vorletzten. Und dann gewinnen wir in Essen.“ Doch dieser Abschluss lässt Janßen nun mit einem guten Gefühl aus dem Karussell in die Winterpause aussteigen. „Wir haben nicht nur einmal gezeigt, dass wir gewisse Fähigkeiten haben, die man braucht, um in dieser Liga punkten zu können.“

Damit sprach der Coach auch den 25-Meter-Schuss an, mit dem Patrick Dertwinkel die Kugel beim 2:0 in Essen zur Führung in den Winkel beförderte. Für Janßen kein Zufallstreffer: „Wir hatten eine Menge Glück in diesem Spiel, aber da steckt auch Können dahinter“, möchte der Trainer auch die fußballerische Qualität in seinem Team nicht kleiner machen als sie ist – wenngleich es freilich vor allem einer aufopferungsvollen Abwehrschlacht zu verdanken war, dass es zum Überraschungscoup an der Hafenstraße reichte.

VfB-Torwart Philipp Gutkowski zeigte in Essen eine überragende Leistung – da konnte er am Ende auch noch Koray Kacinoglu festhalten.

„Aber wenn dann so ein Ding auch einfach mal reingeht, wird es für den Gegner schwerer und setzt bei uns neue Kräfte frei“, weiß der Trainer um die Bedeutung von Spielglück und Spielverlauf. „Wenn alles normal gelaufen wäre, hätten wir wohl keine Chance gehabt.“

Doch es gab die Chance beim Titelanwärter – und der Aufsteiger nutzte sie zu einem womöglich einmaligen Erlebnis. „Das Jahr so abzuschließen, ist traumhaft für den ganzen Verein“, sagt Patrick Dertwinkel.

Der Klassenerhalt ist mit 15 Punkten zur Winterpause weiterhin realistisch. Wenngleich die Tabelle durch einige Spielausfälle der Konkurrenten noch etwas schief ist, sieht das Bild im Tabellenkeller zu Weihnachten für die Homberger doch schon etwas beruhigender aus. Mit dem möglicherweise schon zum Ligaverbleib ausreichendem 15. Rang ist der VfB punktgleich. Der Wuppertaler SV ist auf Platz 14 nur zwei Zähler entfernt, und selbst der Bonner SC und Fortuna Düsseldorf II sind mit 20 Punkten nicht uneinholbar.

Doch Stefan Janßen weiß auch. „Es ist schon brutal, was da noch in der Restrunde auf uns zu kommt“. Gleich zu Beginn geht’s am 25. Januar mit dem Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte für den VfB wieder in die Vollen. Doch schon bei der 0:1-Schlappe im Hinspiel hatte sich der Liga-Neuling aus Duisburg über weite Strecken ebenbürtig präsentiert – und Favoriten scheinen den Hombergern ja zu liegen. „Bei sechs Punkten aus Spielen gegen Verl, Bergisch Gladbach und Rot-Weiß Essen fragt wahrscheinlich jeder, der es nicht weiß: Gegen wen habt ihr denn gewonnen – Verl oder Essen?“, lacht Stefan Janßen.

Seine Kicker wissen den Überraschungs-Erfolg an der Hafenstraße in Anbetracht der Punkteausbeute nach 18 Spielen durchaus einzuordnen. Für den Kapitän war der Sieg in Essen „ein überragender Abschluss einer schwierigen Hinrunde“, sagt Dennis Wibbe. „So ein Spiel zeigt, dass wir einige Gegner schlagen können, wenn wir an unser Limit gehen und dieses auch abrufen können.“

Und genau darin, dieses Limit immer abrufen zu können, macht der Spielführer die Krux für den VfB in der mit Profiklubs gespickten Regionalliga aus. „Wir sind alle Amateure, arbeiten oder studieren nebenher. Was wir bei unseren Möglichkeiten Woche für Woche herausholen und an Leistung gezeigt haben, ist aller Ehren wert.“

Dafür sind die Amateure vom Rheindeich zum Abschluss ihres „Traumjahres 2019“ dann auch noch einmal mit einem Highlight in Form eines Siegs bei einem Profiklub belohnt worden. Und das freut den im Gefühlskarussell sitzenden Stefan Janßen besonders. „Es ist vielleicht schlecht für mein Nervenkostüm“, lacht der Trainer, „aber so ein Sieg ist richtig gut für die Seele der Jungs.“