Lokalsport: Umbruch beim SV Neukirchen

Lokalsport : Umbruch beim SV Neukirchen

Der Oberligist holt talentierte Nachwuchsspieler und hofft in Zukunft auf eine attraktivere Spielweise.

Nicht radikal, aber doch ziemlich einschneidend. Der SV Neukirchen hat sich für die anstehende Saison eine ordentliche Verjüngungskur verpasst. Nötig deshalb, um alte, verkrustete Strukturen aufzubrechen, damit junge, hungrige Talente in Ruhe nachwachsen können. Die Oberliga-Handballer des SV Neukirchen haben sich für diesen Schritt bewusst entschieden, nehmen gar kurzzeitige Leistungsschwankungen oder gar Rückschritte in Kauf, damit langfristig der Erfolg gesichert werden kann.

"Baumeister" beim SV Neukirchen bleibt Jörg Förderer. Der ehemalige Bundesligaspieler hat weiterhin das Sagen an der Seitenlinie. Demnächst allerdings ausschließlich und nur noch als Trainer. Spielertrainer kommt für den 44-Jährigen nicht mehr in Frage. Ihm zur Seite steht ein mit Thomas Pannen ein starker Mann. Der Spielmacher schlüpft künftig in eine Doppelrolle - als spielender Co-Trainer. Sein Vorgänger, Horst Werft, ging bekanntlich aus privaten Gründen.

Der SV Neukirchen hat insgesamt siebenmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Fünf der "Neuen" gelten als Talente. Aber der Reihe nach: Torwart und Routinier Michael Biskup (34 Jahre) kommt vom Regionalliga-Absteiger Borussia Mönchengladbach. Ein echter Kracher für den Rückraum ist Philipp Peich (28), der zuletzt das Trikot des HSV Dümpten trug und mächtig Zug im Arm hat.

Spielmacher Matthias Elbers (19) wechselt ebenso wie Linkshänder Philipp Theisejans (19) aus der A-Jugend des TV Aldekerk, wo beide erfolgreich in der Nordrheinliga auf Torejagd gingen. John Krölls (20) trug zuletzt das Trikot der Nordrhein-Wölfe aus Rheinhausen, soll auf der Rechtsaußenposition zum Einsatz kommen. Felix Stenger (18), Kreisläufer mit Deckungsqualitäten, wechselte vom TuS Lintfort.

Als zweiter Torhüter wurde Fabian Zindel (20) vom Drittliga-Absteiger SG Ratingen verpflichtet.

Auf die Frage, ob bei den Verpflichtungen der fünf Talente nicht eine große Portion Risiko mitschwingt, sagt Jörg Förderer souverän. "Es ist kein Risiko, sondern eine große Herausforderung, die wir gerne annehmen." Der Verein weiß dennoch, dass es eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen werden kann, bis die Mannschaft harmoniert und funktioniert. Daher gibt es bei dem Saisonziel keine zwei Meinungen. Der "frühzeitige Klassenerhalt" soll es werden.

"Ich denke, wir könnten so unsere Startschwierigkeiten bekommen", betont Jörg Förderer. "Die Integration benötigt halt Zeit. Aber ich habe gute Jungs im Kader, die intensiv mitziehen und sich entwickeln wollen." Neukirchen will künftig vor allem die Schlagzahl, sprich das Tempo erhöhen. Jörg Förderer erinnert sich: "Wir hatten in der vergangenen Saison etliche ältere Spieler an Bord, die beruflich oder wegen der Familie stark eingespannt waren, ganz zu schweigen von der Verletzungsanfälligkeit. Wir konnten nicht im nötigen Umfang trainieren, worunter dann in den Spielen die Attraktivität litt."

Der Grundstein des Erfolges soll - wie in den Jahren zuvor - in der Abwehr gelegt werden. Das neue Torhütergespann Biskup/Zindel muss sich zwar erst mit den Vorderleuten einspielen. Aber das sollte schnell gehen. Insbesondere das "Zentrum" verfügt mit Jens Beutelt und Dennis Kühn über die erforderliche Erfahrung. Ihnen zur Seite stehen der neue Kapitän Marvin Bartnik, Philipp Peich oder der Youngster Felix Stenger. Im Angriff soll in erster Linie die Geschwindigkeit deutlich erhöht werden, mit einstudierten Abläufen und sicheren Passfolgen. Gerade der Vortrag des Gegenstoßes muss mehr die sogenannten "einfachen Tore" bringen. Thomas Pannen wird dabei eine übergeordnete Rolle zugedacht.

Aber der Regisseur muss nach einer zuletzt durchwachsenen Saison vor allem gesund und fit bleiben, um sich über einen längeren Zeitraum die nötige Form anzutrainieren. Doch Neukirchen möchte grundsätzlich über die mannschaftliche Geschlossenheit kommen, weniger über die Individualität. Aber läuft es mal nicht ganz rund, ist so ein wurfgewaltiger Spieler wie Philipp Peich eine gern genommene Alternative.

"Wir müssen uns noch finden, vieles erarbeiten. Ich hoffe, dass die Jungs mental so stark sind, Rückschläge aufzufangen. Ich sehe uns auf einem guten Weg." beschließt Jörg Förderer"

(RP)
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