Sportpolitik: Streit um die Beitragserhöhung

Sportpolitik : Streit um die Beitragserhöhung

Die Sportvereine im Kreis Wesel spalten sich derzeit in zwei Lager auf. Grund dafür sind die Beiträge, die jeder Klub jährlich an den Kreissportbund (KSB) zu zahlen hat. Dabei ist eine Erhöhung geplant, was in der Sitzung am morgigen Donnerstag beschlossen werden soll. Die Gemüter erhitzen sich vor allem daran, dass einige Vereine zum Teil mit einer Aufstockung von mehr 160 Prozent rechnen. Hintergrund ist die Einrichtung zweier hauptamtlicher Kräfte beim KSB sowie ein unplanmäßiger Umzug, der einen deutliche höheren Mietzins mit sich gebracht hatte.

"Das sind pro Mitglied nur Centbeträge", sagt Karl-Heinz Röhner, als Vorsitzender des VfL Repelen ebenso involviert wie als Vorsitzender der KSB-Sportjugend. In dieser Doppelfunktion sieht er die Notwendigkeit der hauptamtlichen Kräfte beim Kreissportbund. Andreas Schollmeier, Vorsitzender des Tennisclub Blau-Weiß Moers denkt da völlig anders.

"Leider greifen immer mehr Sportbünde und -verbände zu Beitragserhöhungen, die die Sportvereine in unserem Land hart treffen", hat er nun Heinrich Gundlach, dem KSB-Vorsitzenden und beim TuS Xanten ebenfalls Vereinsvorsitzender, mitgeteilt.

"Obwohl wir nicht zu diesen Vereinen gehören, die unter Mitgliederschwund und instabilen Finanzen leiden, sind wir der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann. Die Grenze der finanziellen Belastbarkeit durch Sportbünde und -verbände ist erreicht", hadert Schollmeier mit der KSB-Planung. Um die 150 Prozent mehr müsste der TC BW Moers an den KSB abführen. Und das, ohne eine "angemessene Gegenleistung des KSB Wesel", ist Schollmeier sicher.

Gundlach sieht das wiederum anders. Nicht nur aus seiner KSB-Funktion heraus. "Der Kreissportbund steht jedem Mitgliedverein zur Verfügung", sagt er. Nur würden viele Vereine den KSB gar nicht ansprechen. Etwa bei Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, bei vereinsjuristischen Fragen - beispielsweise bei Satzungsänderungen -, bei der Zusammenarbeit mit dem schulischen Ganztagsbereich, beim Sportabzeichen für Große bis zum "Jolinchen" für Kleine, oder beispielsweise bei versicherungstechnischen und in steuerrechtlichen Fragen des Vereinswesens.

All das seien neben originärer sportlicher Präsenz Hilfestellungen und Angebote des KSB. "Der VfL Repelen nutzt die alle", versichert dann auch Röhner. "Wir zahlen für unsere rund 1500 Mitglieder vom VfL rund 10 .000 Euro pro Jahr an Mitgliedschaften in Fachverbänden. 300 Euro gehen davon an den KSB. Mit der Erhöhung werden das wahrscheinlich 600 Euro sein."

4000 Euro fließen an Fachverbände vom TC BW Moers, der sich im September über die 500-Mitglieder-Marke gefreut hatte, und so drittgrößter Tennisverein im Bezirk linker Niederrhein wurde.

Gundlach stellt allerdings auch die Notwendigkeit der Beitragserhöhung fest: "Wir waren der letzte Kreissportbund in Nordrhein-Westfalen, der keinen hauptamtlichen Mitarbeiter hatte. Das hat nun der Landessportbund zur Bedingung für die weitere Förderung des KSB gemacht." Kurzum: Keine hauptamtliche Stelle, kein Geld.

Fast 76.000 Euro sind das vom Landessportbund (LSB) pro Jahr für Personal- und Betriebskostenzuschüsse, dazu kommen Zuschüsse von knapp 46 000 Euro für eine Fachkraft, Angebote und Projekte.

Jürgen Förderer, erst seit Anfang September Vorsitzender beim rund 1900 Mitglieder starken SV Neukirchen, muss sich noch etwas durch die Organisationen kämpfen. "Eine Einschätzung ist aufgrund meiner jungen Tätigkeit schwierig. Doch eine Vertretung durch einen Verband ist eine geeignete Struktur", sagt er. "Allerdings müssen am Ende die Vereine auch etwas davon haben." Davon geht Gundlach aus. Der Bildungsreferent Niels Ebeling arbeitet nun bereits für den KSB und habe schon zahlreiche Vereine beraten. Dazu kommt die Fachkraft Anna Klaassen, die unter anderem beim KSB Ansprechpartnerin ist für das vom LSB aufgelegte Projekt "NRW bewegt seine Kinder". Dies ist mit "bewegt älter werden in NRW", "bewegt gesund bleiben in NRW" und "bewegt jung bleiben in NRW" ein Teil vom LSB-Projekte-Quartett. Dabei wird auch die Zusammenarbeit der Vereine mit Kindergärten bis zu Altenheimen gefördert. Für die hauptamtliche Kraft muss der KSB ab 2017 rund 10 000 Euro an Eigenleistung aufbringen.

Einen Fehler räumt Gundlach ein. "Es ist immer ungeschickt, wenn eine Erhöhung über 100 Prozent geht. In Prozentzahlen wird aber gerne dann argumentiert, wenn die Zahlen niedrig sind. Eine Erhöhung von einem auf zwei Cent ist in Prozenten genauso hoch wie von zehn auf 20 Euro. Bei der Betrachtung der absoluten Zahlen sind dies aber große Differenzen."

Insgesamt 13 Städte und Gemeinden liegen im Gebiet des KSB, 502 Vereine sind Mitglieder.

(zak)