Robin Himmelmann lernte in Moers das Fußballspielen und steht seit sechs Jahren im Tor von Zweitligist St. Pauli.

Fußball in Moers : Moerser Leuchtturm an der Waterkant

Robin Himmelmann lernte in Moers das Fußballspielen und steht seit sechs Jahren im Tor von Zweitligist St. Pauli.

. Als Robin Himmelmann am 5. Februar 1989 in Moers geboren wurde war der Fußballclub St. Pauli – kurz FCSP – gerade dabei seine beste Saison seit Bestehen der Bundesliga zu spielen. Wenige Monate später schloss der heutige Kultverein aus dem berühmten Hamburger Stadtteil die Spielzeit auf Tabellenplatz zehn ab. In den knapp drei Jahrzehnten danach erlebte St. Pauli einige Höhen und Tiefen. Doch für Robin Himmelmann ging es in dieser Zeit fast ausnahmslos bergauf und mittlerweile hütet der 29-Jährige bereits seit sechseinhalb Jahren das Tor der Kiezkicker. Er ist quasi der Leuchtturm in der Brandung an der Waterkant.

Die B-Jugend vom VfL Repelen als Moerser Mannschaft des Jahres 2006: (hinten von links) Betreuer Norbert Scholz, Co-Trainer Bernd Vengels, Nico Kellermann, Robin Krüger, Benjamin Baas Scholz, Valeri Fast, Marcel Platzek, Dominik Kowalsky, Oguzhan Alemdar, Hakan Durcan, Keven Kuhlmann, Co-Trainer Olaf Hadrys, Trainer Bodo Krüger; (vorne von links) Kevin Stevenson, Ugur Kadam, Yasin Duman, Lukas Vengels, Robin Himmelmann, Adem Türköz, Kürsat Eyril, Lucas Schmidt, Erdal Özen. Foto: Fotoagentur Susanne Hübner

Angefangen hat die fußballerische Laufbahn auf dem Ascheplatz des SV Scherpenberg, wo Himmelmann seine ersten Schritte ging – auch als Fußballer. Ab der E-Jugend spielte er schließlich fünf Jahre beim TV Asberg. „In dem Alter spielt man einfach gerne Fußball und es geht noch nicht darum, tagtäglich Leistung zu bringen“, erinnert er sich gerne sowohl an „einfach eine gute Zeit“ und daran „mit Freunden zusammen Fußball zu spielen“, aber auch an erster Erfolge: „Da waren auch einige recht gute Spielzeiten dabei und das eine oder andere internationale Turnier.“ Auch Meisterschaften und den Aufstieg in die C-Junioren-Niederrheinliga feierte er mit dem TVA.

Als E-Junioren-Fußballer wechselte Robin Himmelmann (unter Reihe, Mitte, mit roten Haaren) vom SV Scherpenberg zum TV Asberg. Foto: Fotoagentur Susanne Hübner

Als Ausnahmetorwart machte Himmelmann über Vereins- und Kreisgrenze auf sich aufmerksam. In die Kreis- als auch Niederrheinauswahl wurde er mehrfach berufen. Über Stationen beim SV Straelen, dem VfL Repelen und Union Solingen landete er schließlich bei den A-Junioren von Rot-Weiss Essen in der Junioren-Bundesliga. „Da wurde es das erste mal sehr, sehr leistungsbezogen, weil es ja im letzten Juniorenjahr auch darum geht, sich für die Profimannschaft oder generell den Profibereich zu empfehlen“, sagt er mit Blick auf sein letztes Jahr im Nachwuchsfußball. Parallel machte er sein Abitur am Gymnasium Adolfinum.

Robin Himmelmann und Teamkollege Bernd Nehrig (Sturm). Foto: Boehmer/Peter Boehmer

Auch in Essen überzeugte er die Verantwortlichen und schaffte den Sprung zu den Profis in der Regionalliga West. Der Schritt ist dem Torhüter noch heute gut im Gedächtnis: „Vorher gab es für mich ja den Fußball in Kombination mit der Schule. Mit dem ersten Vertrag wurde das ganze Drumherum ganz anders und zeitgleich war ich auch mit der Schule fertig.“ Plötzlich drehte sich der ganze Tagesablauf um Fußball – mit bis zu zwei Trainingseinheiten am Tag und Spielen vor mehreren tausend Zuschauer: „Man hat auch sofort gemerkt, dass ein relativ großer Fokus auf der Mannschaft und der eigenen Person lag, selbst wenn es nur in der vierten Liga war.“

In der vierthöchsten Spielklasse war Himmelmann zum Teil Stammtorwart und phasenweise die Nummer zwei. Am Ende seiner zweiten Saison musste der Essener Traditionsverein dann aber Insolvenz anmelden und stieg zwangsweise in die Oberliga ab.

Himmelmann dagegen blieb in der Regionalliga und spielte in den folgenden beiden Jahren für die U23 von Schalke 04. „Die zwei Jahre bei der U23 waren sehr lehrreich – im Rückblick ein sehr guter Schritt“, sagt Himmelmann. „Immer wieder waren auch Spieler aus dem Profikader mit im Training. Zum Ende dieser Zeit habe ich fast täglich mit den Profis trainiert. Mit Lothar Matuschak und Thomas Schlieck hatte ich sehr, sehr gute Torwarttrainer. Das alles hat mir in meiner Entwicklung sehr geholfen.“ Einer seiner ersten Torwarttrainer war übrigens Papa Rainer Himmelmann.

Im Sommer 2012 wechselte der mittlerweile dann 23-Jährige schließlich zum FC St. Pauli, in Freudenhaus des deutschen Profi-Fußballs. Zunächst als Ersatztorwart gekommen, durfte er in den ersten beiden Spielzeiten jeweils einmal in der 2. Liga auflaufen. Zwischenzeitlich setzte ihn eine Schulterverletzung allerdings lange außer Gefecht. Im Dezember 2014 gelang dann aber der Durchbruch.

Robin Himmelmann verdrängte Philipp Tschauner und stand im Auswärtsspiel beim VfL Bochum erstmals als St. Paulis etatmäßige Nummer eins auf dem Feld. Beim zu dem Zeitpunkt 17. der Tabelle hatte Thomas Meggle als Interimstrainer diese Entscheidung getroffen. Nach der Winterpause schenkte auch der neue Linienchef Ewald Lienen Himmelmann das Vertrauen. In einer starken Rückrunde schafften die Hamburger schließlich noch den Klassenerhalt. Auch dank erstklassiger Torwartleistungen.

Mit Ausnahme der Rückrunde 2016/17, als Himmelmann nach einer Verletzung den Platz im Tor vorübergehend an Philipp Heerwagen verlor, ist er St. Paulis Nummer eins. „Ich habe jetzt weit über die Hälfte meiner Zeit als Profi hier verbracht. Da gab es einige haarsträubende Momente und viele sehr kräftezehrende Spielzeiten“, blickt der Moerser ganz objektiv zurück – auch auf das eine oder andere Tief: „Als ich verletzt war und auch als ich in der Rückrunde auf der Bank saß, war das keine besonders tolle Situation.“

Bei weitem überwiegen aber die positiven Momente. „Die Fan-Basis ist enorm“, zeigt sich auch Himmelmann von den berüchtigten Anhängern der Kiezkicker beeindruckt und begeistert: „Es herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Ich habe noch bei keinem Spiel – ob zu Hause oder auswärts – auch nur einen Pfiff von unseren Fans gehört, und das obwohl die in einigen Momenten wirklich die Berechtigung dazu gehabt hätten.“

Einige Profijahre hat Himmelmann nun noch vor sich. Am vergangenen Wochenende bestritt er gegen den FC Magdeburg sein 122. Spiel in der 2. Liga. Bei Schalke saß er bei zwei Erstligaspielen ohne Einwechslung auf der Bank. Bleibt die Frage nach dem ersten Einsatz im Erstliga-Tor: „Ich hätte natürlich nichts dagegen, wenn ich am Ende meiner Karriere auch ein Spiel in der ersten Bundesliga in der Vita stehen habe, aber wenn nicht, würde ich auch nicht verzweifeln.“ Der Mann aus Moers steht eben mit beiden Beinen auf dem Boden. Es sei denn, es hechtet dem Ball hinterher.