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Niederrhein: Fußball-Regionalligist VfB Homberg könnte besser dastehen

Fußball : VfB Homberg könnte besser dastehen

Im zweiten Jahr in der Fußball-Regionalliga stimmt die Leistung der Mannschaft nach der ersten Saisonhälfte weitgehend, aber es gibt noch Luft nach oben. Die fehlende Konstanz hat auch mit dem straffen Spielplan zu tun.

Das zweite Jahr in der Fußball-Regionalliga hatte Sunay Acar, Trainer des VfB Homberg, zu Beginn der Saison als Marathon für sich und sein Team bezeichnet. Nach einem Mammutprogramm von 20 Spielen in dreieinhalb Monaten ist die halbe Distanz absolviert.

Sie war sehr kräftezehrend, manchmal auch nervenaufreibend, führte über Berge und durch Täler – aber fest steht: Die Homberger haben nach halber Strecke noch genügend Luft zum Atmen. Mit 18 Zählern stehen sie zwar gerade knapp unter dem Strich zur Abstiegszone, doch für den Coach ist „alles im grünen Bereich“, so Acar. „Wir wollten zur Rückrunde Tuchfühlung zum sicheren Ufer haben, und die haben wir.“

Dichter könnte die Tuchfühlung des VfB, der auf Rang 17 steht, zu den Nicht-Abstiegsplätzen kaum sein. Vom SV Bergisch Gladbach auf Rang 16 trennt die Homberger nur das schlechtere Torverhältnis, zum Tabellenfünfzehnten aus Lippstadt fehlt ein Punkt, und auch der FC Wegberg-Beeck (14.) spürt mit 21 Zählern noch den Atem der Homberger. Die Punktzahl des Aufsteigers hätte Acar auch gern in der Tabellenspalte beim VfB gesehen. „Es hätten auch noch einige mehr sein können, aber 21 Punkte hätten wir holen müssen“, sagt der Trainer.

Diese von Acar angesprochenen drei Zähler ließ der VfB beim Endspurt der Hinrunde im Dezember liegen – ausgerechnet in den „Sechspunkte-Duellen“ gegen Bergisch Gladbach, in Straelen und zuletzt in Ahlen. „Hätten wir diese Spiele zumindest nicht verloren, stünden wir jetzt schon um einiges besser da“, so Acar, der weiß, dass der VfB in diesem Fall als Tabellenfünfzehnter mit fünf Punkten vor Bergisch Gladbach und zehn Zählern vor Ahlen am rettenden Ufer überwintern würde. „Stattdessen haben wir ihnen wieder nach oben geholfen.“

Dabei resultierte das 0:1 gegen Bergisch Gladbach für Acar aus einem „Mentalitätsproblem“ nach einem kräftezehrenden Programm mit neun Spielen innerhalb der vorangegangenen fünf Wochen. „So ein Spiel kann dann auch mal passieren“, sagt der Coach rückblickend auf die Heimniederlage am 2. Dezember. „Aber das, was wir in Ahlen gezeigt haben, war nicht das Gesicht meiner Mannschaft“, so Acar, der sein Team beim 1:5-Debakel zum Hinrundenabschluss beim Aufsteiger und bisherigen Schlusslicht nicht wiedererkannte. Immerhin hatte dieses Team erst eine Woche zuvor noch Titelanwärter Borussia Dortmund II mit dem 0:0 dessen erste Auswärtspunkte abgenommen.

Doch genau bei diesem Auf und Ab setzt der Trainer an. „In den Spielen gegen Bergisch Gladbach und in Ahlen haben wir gesehen, dass wir noch lange nicht am Ende unseres Weges sind. An schlechten Tagen, zeigt sich, wie gut du wirklich bist. Diese Spiele hätten wir nicht verlieren dürfen“, stellt Acar klar, dass sich sein Team in diesen wichtigen Duellen letztlich selbst geschlagen habe – und wozu es bei einer konzentrierten Leistung in der Lage ist. „Beim 2:0 in Lotte haben wir auch kein gutes Spiel gemacht, aber wir haben es gewonnen, weil wir keine Fehler gemacht haben. Auch gegen den BVB II haben wir keine Fehler gemacht. Abgesehen von den drei 0:4-Niederlagen in Düsseldorf, in Rödinghausen und gegen Essen waren wir in keinem Spiel wirklich chancenlos. Alle anderen Partien hätten so oder so ausgehen können. Und wir haben gesehen, dass es nicht am Gegner, sondern nur an uns liegt, was wir aus den Spielen mitnehmen.“

Was den Hombergern das Leben dabei besonders schwer machte, war die Anfälligkeit bei Standardsituationen. Allein fünf Partien hat Acar ausgemacht, die sein Team durch Gegentreffer nach Standards mit einem Tor Unterschied verloren hat.

„Insgesamt sind es viel zu viele Gegentore nach Standards gewesen. Das hat mit Konzentration, Mentalität, manchmal aber auch einfach mit physischen Faktoren zu tun“, sagt der Coach. „Fest steht, dass wir genau analysieren, wo unsere Probleme liegen und dass wir hart dagegen arbeiten werden.“

Der Trainer möchte es auch nicht noch einmal erleben, allein in einem Spiel drei Kopfballtore nach Standards zu kassieren. Dass es dazu beim unrühmlichen Abschluss in Ahlen kam, wurmt den Coach – seine Spieler aber wohl selbst am meisten. „Wir hätten unsere Erwartungen mit dem Überwintern über dem Strich krönen können“, stellt Acar klar und skizziert noch einmal den Streckenverlauf des Hinrundenmarathons. „Dass der Anfang schwierig werden würde, war klar. Wir mussten nach dem Umbruch im Sommer erst einmal ein Team formen und eine Einheit werden. Und es war zu erwarten, dass das ein, zwei Monate dauern könnte.“

Mit dem ersten Punkt nach vier Niederlagen und insgesamt sieben Zählern aus den ersten zehn Partien, gab die Statistik Acars Zeitplan recht. „Auch wenn es da schon ein paar Punkte mehr hätten sein können, kam das Abschneiden nicht überraschend“, merkt der Coach zudem das zu dieser Zeit hartnäckige Verletzungspech an. „Als wir dann mehr Konkurrenz hatten, eine Einheit waren und die Formation stand, haben wir auch die Punkte geholt“, erinnert Acar an den Monat November, in dem der VfB aus sechs Partien zehn Zähler holte. „Wir sind richtig ins Rollen gekommen, und es ist schade, dass wir das dann nicht zum Abschluss gebracht haben.“ Nach einer kurzen Verschnaufpause von nur vier Wochen, gilt es für den VfB angefangen mit dem „Sechs-Punkte-Spiel“ in Lippstadt ab dem 16. Januar, wieder ins Rollen zu kommen. „Wir wissen, dass wir mehr Punkte holen müssen“, so Acar, der eine Marke von 25 Zählern in der Rückrunde anpeilt. „Aber wir wissen auch, dass wir sie holen können. Wenn wir kompakt stehen, die Fehler minimieren, hundert Prozent geben und aus unserer Ordnung herausspielen, wird es für jeden Gegner sehr schwer, uns zu schlagen. Und noch einmal werden wir solch eine Anlaufphase wie zu Saisonbeginn nicht benötigen“, sagt der Homberger Trainer.

Mit bislang nur einer angesetzten Englischen Woche lässt diese – die Einhaltbarkeit vorausgesetzt – auf einen deutlich entspannteren Spielplan hoffen. Mit 20 Begegnungen bis Anfang Juni bleibt die Saison für Sunay Acar dennoch „ein Marathon, bei dem wir auch noch sehr wenig zu trinken kriegen“, sagt der Coach. „Aber wir glauben an uns. Und wir werden ins Ziel kommen.“