Kanu: Moerser dolmetscht bei Kanu-WM in Duisburg

Kanu : Moerser dolmetscht bei Kanu-WM in Duisburg

Rainer Hassenjürgen sorgt ab heute dafür, dass die offiziellen Reden ins Englische übersetzt werden. Für ihn ist es die fünfte Weltmeisterschaft.

Ein dunkelblaues Sakko, eine sandfarbene Hose, ein weißes Hemd und eine blaue Krawatte hat er bereits bekommen. Damit könnte Rainer Hassenjürgen ohne weiteres wie ein Promi mit erhobenem Haupt über einen der internationalen roten Filmfestival-Teppiche stolzieren. Das wird der gebürtige Sauerländer, der seit 1982 in Moers wohnt, aber nicht tun. Das neue Outfit ist nämlich seine Dienstkleidung, die exakt für sieben Tage, von heute bis zum 1. September, an der Wedau-Bahn in Duisburg als Chefdolmetscher bei der Kanu-Rennsport-Weltmeisterschaft trägt.

Von Beruf ist Rainer Hassenjürgen Lehrer, unterrichtet Sport und Englisch an der Erich Kästner Gesamtschule (nicht Erich-Kästner-Gesamtschule) in Homberg und doziert vorweg: "Kästner bestand darauf, dass zwischen seinem Namen niemals ein Bindestrich stehen soll." Als Hassenjürgens eigene sportliche Aktivität ins Gespräch kommt, wird klar, dass der heute 65-Jährige seit dem 15. Lebensjahr Tischtennis spielt und jetzt noch für den TTC Homberg aktiv ist. "Natürlich spielen wir auch immer wieder gegen Moerser Vereine und man hat mich oft gefragt, warum ich nicht in Moers spiele." Der Grund sei schlicht die Verbindung von Schule und Verein. In Moers Schlagzeilen hat der Name Hassenjürgen im Juni dieses Jahres gemacht, weil Sohn Tobias (bekannt als Sportwart des TV Schwafheim) und Ehefrau Hanna die Familie mit Drillingen (Elisa, Lotta und Frieda) bereicherten. Über sein Ehrenamt beim Kanusport erzählt der Grafenstädter mit einer weltmännischen Gelassenheit. Für ihn ist es, wie für Organisationsleiter Otto Schulte, bereits die fünfte WM. Aufgabe des Chefdolmetschers ist es, die offiziellen Reden bei der Eröffnungs- und Abschlussfeier und bei den offiziellen Empfängen ins Englische zu übersetzen. Aber auch die Begegnungen am Rande sind ihm wichtig. So erinnert sich der Übersetzer an einen japanischen Sportler, mit dem er auf dessen Wunsch hin das Grab von Bertasee-Legende Werner Böhle besuchte. "Demut." Das Wort kommt nach Beschreibung der Zeremonie des Japaners und einer sehr langen Pause.

"1987, bei der ersten WM in Duisburg, haben vier Neuseeländer bei uns im Wohnzimmer auf Luftmatratzen geschlafen. Dafür durfte ich mal eine Bahn im Neuseeland-Vierer mitfahren", sagt Rainer Hassenjürgen und fährt mit einem Strahlen im Gesicht fort: "Mit dem vierfachen Olympiasieger und fünffachen Weltmeister Ian Ferguson, der 1996 in Neuseeland zum Sportler des Jahrhunderts gewählt wurde, verbindet mich inzwischen echte Freundschaft." Der Chefdolmetscher ist nicht eitel. Er ist, wenn überhaupt, stolz. Auf das Wiedersehen mit Ferguson freut er sich natürlich besonders. Nach der WM beginnt für Rainer Hassenjürgen sein letztes Jahr im Schuldienst. Danach möchte er sich mit Ehefrau Angela, die gleichsam als Lehrerin in den Ruhestand geht, "einen Traum erfüllen und endlich mal nach Neuseeland reisen".

(RP)
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