Moers: Scherpenbergs Mannschaftskasse ist weg

Fußball in Moers : Scherpenbergs Mannschaftskasse ist weg

Fußball-Landesligist SV Scherpenberg schafft nach Trainerwechsel souverän die Rettung. Doch die Freude ist getrübt.

Für den SV Scherpenberg endete die Saison in der Fußball-Landesliga überaus unerfreulich. Nein, die Blau-Weißen sind nicht nachträglich abgestiegen. Riesenärger herrscht deshalb, weil das Geld aus der Mannschaftskasse nicht mehr da ist. Gedacht waren die Einnahmen zur Verwendung für einen Teamabend sowie die gemeinsame Abschlussreise nach Mallorca. Doch ein nicht benannter Spieler soll mit dem vierstelligen Betrag verschwunden sein.

Gerettet: Timo Barbeln (r.), hier mit Ludwig Kofo Asenso. Foto: Prümen

Laut SVS-Trainer Abdassamad Sallay sei er nicht mehr erreichbar: „Er ist aus allen Chat-Gruppen ausgetreten und geht nicht ans Telefon, auch über seinen Vater haben wir seit Wochen keinen Kontakt mehr zu ihm bekommen. Das ist ein Unding. Wenn er sich in dieser Sache nicht bewegt, werden wir Strafanzeige gegen ihn stellen müssen.“

Geht zu Fichte: SVS-Spielmacher El Houcine Bougjdi (r.). Foto: Schimmel

Vor knapp einem Jahr hatte in Scherpenberg noch vieles anders ausgesehen. „Oben mitmischen, junge Spieler einbauen und entwickeln“ – so lautete die Zielsetzung. Das Trainerduo im „Wäldchen“ bestand damals aus Sezgin Demirci und Ercan Sendag.  Und es herrschte Aufbruchstimmung. Was dann folgte, war eine ganze bittere Landung in der harten Realität. Denn anstatt im oberen Tabellendrittel mitzuspielen, wie es der SVS als Vorjahresvierter direkt als damaliger Aufsteiger geschafft hatte, bewahrheitete sich wieder einmal eine altbekannte Floskel: „Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das schwierigste.“

Das mussten schon die Beobachter des ersten Saisonspiels befürchten, in dem Scherpenberg mit 1:7 beim SV Burgaltendorf unter die Räder geraten war. Bis zum 2:0-Derbysieg gegen den GSV Moers am sechsten Spieltag, mit dem der SVS auf Rang neun kletterte, lief die Saison noch einigermaßen.

Dann folgten aber gleich fünf Pleiten in Folge und der Absturz auf Rang 17, der zum Trainerwechsel führte. In der Nacht vor dem 1:3 gegen Königshardt am zehnten Spieltag Anfang Oktober wurde Demirci „abgesetzt“, Timo Barbeln übernahm den Trainerposten mit Unterstützung durch Deniz Günes und Almir Sogolj.

Zehn Punkte aus sieben Spielen bis zur Winterpause bedeuteten allerdings noch keine entscheidende Verbesserung. Und genauso wechselhaft verlief auch die Restrunde für das Moerser Team, bei dem im neuen Jahr noch Abdassamad Sallay aus der eigenen „Reserve“ zum Trainerteam stieß.

Scherpenberg konnte sich nie vom Tabellenkeller absetzen und rettete sich erst am vorletzten Spieltag durch einen 4:0-Heimsieg über den SV Sonsbeck vor dem Abstieg. Immerhin: Als „Trostpflaster“ gab es den Moerser Kreispokal nach einem umjubelten 2:1-Finalsieg gegen Ligarivale GSV Moers.

„Von der Zielsetzung aus dem Sommer war schnell nichts mehr übrig“, blickt Sallay zurück auf die vergangenen Monate und den verbissenen Kampf um den Klassenerhalt. „Für Timo und mich ging es als Trainer nur um die Rettung, es gab kein anderes Ziel.“

Dabei hatte das Gespann an mehreren Stellen die Hebel angesetzt: „Die Jungs hatten Rückstände bei der Fitness, die wir in der kurzen Winterpause gar nicht komplett aufarbeiten konnten. Außerdem war es auch ein Kopfproblem.“

Auf den Abstiegskampf sei schließlich im Vorfeld niemand beim SVS eingestellt gewesen: „Da musste es erst einmal in die Köpfe, dass Schönspielerei hier nicht gefragt war“, so Sallay.

Mit einem auch durch die Winter-Zugänge frisch entfachten Konkurrenzkampf sei dann mehr Zug in Trainings- und Spielleistungen gekommen. Sallay hält nun den Ball flach, was die neue Zielsetzung angeht: „Nach einem personellen Umbruch wird sich die Mannschaft zunächst finden müssen. Wir reden hier nur vom Klassenerhalt.“

Unterstützt wird der Coach nach dem berufsbedingten Abschied von Timo Barbeln durch seine neuen Co-Trainer Michael Balke und Christian Schütz sowie Torwarttrainer Ameer Omar.

Der neue Spielerkader wird verjüngt und kräftig umgebaut. Fest stehen die Abgänge von El Houcine Bougjdi (Fichte Lintfort), Kevin Zülsdorf (TSV Wachtendonk-Wankum), Mehmet Coskun, Ahmed Annachat, Emin Uzun (alle Ziel unbekannt), Naldo Franke (Stand By), Ozan Sengül, Yasin Duman, Christian Blessing und Enes Balci (alle VfL Repelen) sowie Pascal Schmidt (SV Schwafheim).

Als Neuzugänge kommen zum SV Scherpenberg: Hakan Yildirim, Paul Ihnacho (beide Duisburger SV 1900), Ibrahim Üzüm (GSV Moers), Emre Camdali, Bora Karadag, Burak Öktem (alle Mülheimer FC 97), Luca Palla, Arne Kaufmann (beide VfB Homberg II), Murat Kara, Dominik Weigl, Damian Raczka (alle SV Hönnepel-Niedermörmter), Lennart Hessen (Bayer Uerdingen), Daniel Agostino (Sterkrade-Nord), Kurt und Ben Etuk (beide VfL Repelen), Raphael Mandel (FC Meerfeld) und Kevin Dyka (Fichte Lintfort).

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