Marc Leske rudert in Shanghai zu Silber

Rudern : Marc Leske holt sich Silber bei der Studenten-WM

Mit seinem Partner Jakob Gebel erreicht der Moerser Platz zwei. Beide wollen zu den Olympischen Spielen 2020.

2020 hat Marc Leske ganz fest im Blick. Dann möchte er in der 9301 Kilometer entfernten japanischen Hauptstadt Tokio sein. Dort, wo in zwei Jahren vom 24. Juli bis zum 9. August die Olympischen Sommerspiele ausgetragen werden. Marc Leske will dort Deutschland in einer Sportart vertreten, in der es in aller Regel Medaillen gibt. Marc Leske ist bekanntlich ein 22-jähriger Weltklasseruderer, der mittlerweile an der Technischen Universität Dortmund Maschinenbau studiert und in der nationalen Ruder-Kaderschmiede trainiert. Tausende Liter Wasser hat er bereits verdrängt, tausende Kilometer dabei in der ganzen Welt zurückgelegt. Und zuletzt war er lediglich 1761 Kilometer vom japanischen Olympia-Austragungsort entfernt aktiv.

In Shanghai startete der Moerser bei der Studenten-Weltmeisterschaft, den 15. World University Championships Rowing (WUC), zusammen mit seinem U23-Ruderpartner Jakob Gebel, mit dem er auch im Crefelder Ruder Club (CRC) Erfolge feiert. Und die beiden holten sich im Zweier ohne Steuermann glatt die Silbermedaille, kamen hinter Großbritannien und vor Italien ins Ziel. „Wir sind sehr zufrieden mit Silber. Die Briten waren stark und können einen guten Zweier fahren“, sagte der Moerser.

Ende Juni hatte der U23-Ruderer noch bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften das Ticket für die U23-Weltmeisterschaften Ende Juli im polnischen Poznań gelöst. Im „kleinen Deutschlandachter“ wurde das Team am Ende aber nur Vierter. Doch für Leske und Gebel stand ein ganz anderer Wettkampf in Shanghai auf dem Programm. Und zu dem konnten die beiden nur mit großen Schwierigkeiten anreisen.

Marc Leske studiert in Dortmund, Jakob Gebel an der Uni Duisburg-Essen. Ihr Flug ging ab Frankfurt – am Dienstag, 7. August. Und genau an diesem Tag war der Flughafen-Terminal wegen eines Sprengstoffalarms gesperrt. Genau wie die ICE-Strecke Köln–Frankfurt wegen eines Großbrandes. Obendrein musste Leske vormittags auch noch eine Klausur schreiben. Kurzum: Die Anreise innerhalb Deutschlands und aus Deutschland heraus war schon problematisch und stressig genug.

Doch Jakob Gebel und Marc Leske hatten bereits bei den Jahrgangsmeisterschaften Silber geholt. Und dieses Kunststück wiederholten sie nun auch auf internationalem Parkett. Die beiden kennen sich nicht nur aus Krefeld, sondern auch von der U23-Trainingsgruppe am deutschen Ruderstützpunkt Dortmund. Dort sind die beiden allerdings andere Boote gewohnt. Denn während die Briten und Italiener neuere Rennboote vom Veranstalter bekamen, mussten die beiden deutschen U23-Stipendiaten in ein älteres Boot einer chinesischen Eigenmarke einsteigen. Nach dem klaren Vorlaufsieg soll der Veranstalter keinen weiteren Anlass gesehen haben, den beiden besseres Leih-Material zur Verfügung zu stellen. Und darüber ärgerte sich Leske: „Das Boot kam gefühlt vom Bootsfriedhof, aber es war nichts anderes aufzutreiben.“ Doch das konnte das Duo kaum aufhalten. „Die Studenten-Weltmeisterschaft in Shanghai war der perfekte Abschluss der Saison 2018“, sagte der Moerser. „Zum einen war es ein sportlicher Erfolg auf gutem internationalem Niveau, zum anderen aber auch ein riesengroßes Erlebnis, die Metropole Shanghai zu entdecken und einen Einblick in die chinesische Lebensweise zu bekommen. Zudem hat dieses Event meinem Partner Jakob und mir noch einmal zusätzliche Motivation gegeben und gezeigt, was wir können, um in der kommenden Saison anzugreifen.“ Immerhin starten die beiden Ruderer ab jetzt in der offenen Altersklasse – gegen die Großen. „Es wird zwar sehr schwer, aber noch ist der Zug in Richtung Olympische Spiele 2020 in Tokio nicht abgefahren“, sagte Marc Leske.