Lokalsport: Mads Kaiser - der Kapitän am College

Lokalsport: Mads Kaiser - der Kapitän am College

Der 22-Jährige studiert mit einem Fußball-Stipendium in den USA. Der Rheinberger spielt vielleicht als Profi weiter.

Der Stachel der Enttäuschung nach der verpassten WM-Qualifikation sitzt immer noch tief. Wenn in diesem Sommer in Russland der neue Fußball-Weltmeister gekürt wird, hocken die Nationalspieler der USA vor dem Fernseher. "Das war schon ein Riesenschock und das Worst-Case-Szenario", sagt Mads Kaiser. Der Rheinberger lebt in einer Kleinstadt in West Virgina.

Durch den Fußball, in den USA Soccer genannt, kam er 2014 in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Am Davis und Elkins College erhielt er ein Stipendium. Im Mai möchte der 22-Jährige seinen Bachelorabschluss im Sportmanagement in der Tasche haben. Was Kaiser danach macht, hat er noch nicht entschieden. Eine Option: einen Profivertrag in einem anderen Land unterschreiben. In den USA gibt es nämlich keinen Vereinsfußball wie in Deutschland. Gespielt wird stattdessen in Schul- oder Universitätsteams.

Über einen Scout kam der Rheinberger ans Davis und Elkins College. Kaiser wurde während eines U19-Spiels für RW Oberhausen angesprochen. Damals lief er für den Ruhrgebietsclub in der Jugend-Bundesliga in der Defensive auf. Seine Karriere begann beim SV Budberg. Zudem trug er das Trikot des VfB Homberg und von Hamborn 07. Bei RWO kam's dann zur Begegnung mit dem Agenten, der für amerikanische Universitäten nach talentierten Spielern Ausschau hielt. Kaiser, der auf dem Weg zum Abitur war, passte ins Profil. Der Rheinberger und dessen Eltern konnten sich mit dem Gedanken anfreunden, in den USA zu studieren. "Ich bekam eine Hand voll Angebote." An einer Uni in Michigan nahm er an einem Probetraining teil. Doch weil das Davis und Elkins College das finanziell lukrativere Angebot vorlegte, verschlug es ihn für vier Jahre in den östlichen US-Bundesstaat. College-Soccer wird in drei Divisionen gespielt. "Die Unterteilung hat weniger was mit der Qualität der Mannschaften, sondern vielmehr mit der Größe der Fakultäten zu tun." Kaiser spielte mit seinem Team in der Division II. Und das recht erfolgreich - nicht nur auf regionaler Ebene. Im November 2017 nahm die Mannschaft am Endturnier mit den besten Auswahlen der USA teil. Mads Kaiser trug die Kapitänsbinde.

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Der Hauptunterschied in der Spielweise zu seinem Heimatland fiel ihm schnell auf: "Wir Deutschen sind taktisch besser ausgebildet." Dafür geht's in den USA professioneller zu. "Trainiert wird sechsmal pro Woche. Es gibt Eisbäder, Massagen und einen eigenen Fitnesstrainer. Da fühlt man sich schon wie ein Profi." Genossen hat Kaiser die Auswärtstouren. Bis zu acht Stunden war er mit seinen Mannschaftskollegen unterwegs und übernachtete in schicken Hotels.

Seine Collegezeit neigt sich nun dem Ende entgegen. Kaiser überlegt, wie es weitergeht. Soll er ein Masterstudium dranhängen? Womöglich an seiner deutschen Uni? Oder vielleicht ein Jahr als Profi in einem anderen Land Fußball spielen? "Ehemalige Kommilitonen sind zu Vereinen nach Island, Neuseeland und Thailand gewechselt." Kaiser kann sich durchaus vorstellen, sich einem Verein in einem Fußball-Entwicklungsland anzuschließen. Neuen Herausforderung steht er ohnehin offen gegenüber. "Für eine Profikarriere in Deutschland bin ich zu alt. Das wird leider nichts mehr."

(PUT)