Handball-Verbandsliga : Kapellen dreht noch rechtzeitig auf

Handball-Verbandsliga : Kapellen dreht noch rechtzeitig auf

Der SV Neukirchen spielte mit dem TVK über weite Strecken auf Augenhöhe. Doch dann zogen die Gäste noch ein Ass aus dem Ärmel. Steffen Pitzen sorgte für den 32:29-Erfolg.

Freudentänze auf der einen Seite, Enttäuschung und lange Gesichter im anderen Lager. In einem kampfbetonten, mit teilweise jedoch ansehnlichen Phasen, unterlag der gastgebende Handball-Verbandsligist SV Neukirchen vor einer stattlichen Kulisse gegen den TV Kapellen mit 29:32 (12:17). Das Derby lebte natürlich in erster Linie von einer übergeordneten Rivalität und der damit einhergehenden Spannung. Während der TVK sich nach nun fünf Erfolgen in Serie im oberen Tabellenbereich festgebissen hat, bleibt der SV Neukirchen in der Vorweihnachtszeit auf einem enttäuschenden Abstiegsplatz hängen.

Die Hausherren waren es, die zunächst das nötige „Derbyfeuer“ entfachten. Die Mannschaft präsentierte sich entschlossen und hoch motiviert. Neukirchen überraschte mit seiner spielerischen Ausrichtung, wovon vor allem die Rückraumspieler profitierten, Lücken rissen und selbst sicher abschlossen. Kapellen wurde förmlich überrumpelt, bekam nicht die erforderliche Einstellung auf die „Platte“, schaute in der Deckung oftmals nur teilnahmslos zu und wirkte im Angriff statisch und ideenlos.

Johannes Zadraschil gewann mit dem TVK das Derby.

Neukirchen übernahm die Initiative, vor allem mit einer großen Laufbereitschaft, führte in der 15. Minute verdient mit 9:4, stellte zudem einen intakten Deckungsverband mit einem starken Torwart Andreas Dürdoth. Aber die Hausherren konnten das hohe Niveau nicht halten. Immer wieder gab es unnötige, technische Fehler. Spieler trafen zu oft die falschen Entscheidungen und brachten mit ihrer leichtfertigen Spielweise den Gegner zurück ins Spiel.

Der TV Kapellen brauchte seine Zeit, um die Zwänge über Bord zu werfen. Die Blau-Weißen mussten immerhin auf Linkshänder Nils ter Haar (grippaler Infekt) verzichten; Regisseur Steffen Pitzen kam aufgrund einer Knöchelverletzung im Fuß erst in den letzten zehn Spielminuten zum Einsatz. Der Gast nutzte die zahlreichen Patzer seines Rivalen konsequent und hatte bis zum Pausenpfiff mit Christian Ginters den überragenden Mann auf dem Feld. Der Spielertrainer zelebrierte eine „Ein-Mann-Show“, traf nach Belieben, organisierte und delegierte die Geschicke seiner Mannschaft. Ginters war nicht nur dafür verantwortlich, dass Kapellen zum 11:11 (24.) ausglich, sondern dass seine Truppe bis zum Pausenpfiff noch im Eiltempo vorbei zog. Neukirchen reagierte zu spät, nahm Christian Ginters erst in der 27. Minute in eine enge Manndeckung.

Aber Kapellen konnte die gute Form nicht in Hälfte zwei retten, kam ziemlich schläfrig zurück aus der Kabine. Das Team wirkte gehemmt, präsentierte unverständlicher Weise recht teilnahmslos und ohne Ausstrahlung. Den Gästen fiel auch in der Offensive nicht viel Kreatives ein. Oft waren es Einzelaktionen, die zum Erfolg führten. Neukirchen witterte seine Chance, bündelte geschickt die Kräfte und schaffte es mit viel Energie und Aufwand, den Spielstand wieder ausgeglichen zu gestalten (20:21/42. Min.). Die Intensität des Lokalduells spitzte sich nun deutlich zu. Es bekämpften sich zwei gleichstarke Mannschaft (25:24/50. und 26:26/54.) auf Augenhöhe.

Aber der TV Kapellen hatte noch ein Trumpfass im Ärmel und spielte seine Karte in den Schlussphase aus. Steffen Pitzen kam trotz eines dicken Fußes und zog sofort die Verantwortung an sich. Der Spielmacher beruhigte das Geschehen und traf in wenigen Minuten viermal. Das Derby war damit zugunsten der Kapellener Gäste entschieden.

„Man hat keinen Leistungsunterschied gesehen“, sagte SVN-Trainer Thomas Pannen. „Wir konnten in Hälfte eins unser gutes Niveau nicht halten. Meine Mannschaft hat sich aber wieder in das Derby gekämpft. Auch wenn es nicht gereicht hat – ein Kompliment an die Jungs.“ Und sein Gegenüber Christian Ginters meinte: „Wir sind schlecht gestartet, konnten uns aber steigern und freuen uns über die Punkte.“

SVN-Tore: Peich (7/1), Akuinor (5), Lohmann (4/2), Bartnik, Kühn (je 3), Vook, Krölls (je 2), Fietze, Potschka, Toschki.

TVK-Tore: Ginters (15/3), Pitzen, Schneemann (je 4), Lange, Feltgen (je 2), Wilke, Deinert, Bullermann, Stark, Zadraschil.