Olympische Spiele: In einer Schul-AG fing alles an

Olympische Spiele : In einer Schul-AG fing alles an

Am Montag beginnt für die deutsche Hockey-Nationalmannschaft der Männer in London die Mission Titelverteidigung. Zum Team gehören auch die Moerser Timo und Benjamin Weß, die schon beim Olympiasieg in Peking mit von der Partie waren. Als ihr Entdecker gilt Klaus Wagner.

Als sich Klaus Wagner vor vier Jahren von Moers aus auf den Weg zum Frankfurter Flughafen machte, dann, um Timo und Benjamin Weß von ganzem Herzen zum Gewinn der olympischen Goldmedaille mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft zu gratulieren, sich mit den beiden zu freuen und seine Bewunderung über das in Peking Erreichte zum Ausdruck zu bringen. Keinesfalls aber, um sich mit in den Mittelpunkt zu stellen und auch etwas von dem olympischen Glanz abzubekommen. "Als wir uns getroffen haben, wollten sie mir die Goldmedaillen umhängen. Das kam für mich aber nicht infrage. Das gebührt nur den beiden", sagt Klaus Wagner.

Eine Bescheidenheit, die nicht aufgesetzt sein kann. Wenn der 65-Jährige vom Sport im Allgemeinen und Hockey im Speziellen erzählt, wird schnell klar, dass er eine ehrliche Haut ist, dass es ihm nie um sich, sondern immer um die unzähligen Kinder und Jugendliche gegangen ist, die er im Laufe der Jahre trainiert hat. Doch bei aller Bescheidenheit, stolz ist er schon darauf, was seine ehemaligen Schützlinge erreicht haben. Wenn er zum Beispiel erzählt, dass ihm Timo Weß während der Olympischen Spiele von Athen eine Postkarte geschrieben hat, auf der stand, dass er dort niemals dabei gewesen wäre, wenn es ihn nicht gegeben hätte, ist schon deutlich ein Funkeln in Wagners Augen zu erkennen.

Immer ein begeisterter Sportler

Dabei sprach zunächst nichts dafür, dass Klaus Wagner einst als Entdecker eines der erfolgreichsten Brüderpaare in die Geschichte des deutschen Hockeysports eingehen würde. Er war zwar von Kindheit an ein begeisterter Sportler, doch in seiner Heimatstadt Witten waren nach dem 2. Weltkrieg drei Sportarten dominierend. Wer nicht im Ringer-, Handball- und Ruderverein Mitglied war, der konnte keine Eins in Sport bekommen. Erst als es ihn 1974 nach seinem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Neuss (Deutsch, Geschichte, Sport) nach Berlin verschlug, kam er mit Hockey in Berührung. "Da habe ich vom Balkon aus einen Sportplatz gesehen und dachte, da würde Feldhandball gespielt", erinnert sich Wagner. Doch weit gefehlt. Als er dort hinging, bekam er einen Hockeyschläger in die Hand gedrückt, und schon wenig später spielte er in der ersten Mannschaft des Berliner HC. Ein deutliches Indiz dafür, dass Wagner einen besonderen Draht zum Hockey besitzt. Den nutzte er, um sich alles Wichtige über die Sportart anzueignen. Bald wurde er sogar Schulhockey-Referent von Berlin und reiste mit seinen Teams durch die ganze Republik. "Die Kontakte, die ich damals geknüpft habe, sind mir auch später zugutegekommen", betont Wagner. Natürlich auch, als sich mit seiner Hilfe Moers zu einer Talentschmiede im Hockey entwickelte.

Als Wagner 1983 wegen seines kranken Vaters zurück nach Nordrhein-Westfalen wollte und nach Duisburg versetzt wurde, zog er nämlich in die Grafenstadt. Und als der Rektor der Eichendorff-Grundschule zufällig von Wagners besonderer Qualifikation in Sachen Hockey erfuhr, war es nur noch ein kurzer Weg bis zur Schul-AG. Allerdings dauerte es bis Ende der 1980er Jahre, bis ein gewisser Timo Weß dort auftauchte. Weil Benjamin drei Jahre jünger ist, stieß der Bruder noch später dazu. "Diese Generation hat davon profitiert, dass sie sich von den Vorgängern schon viel abschauen konnte", sagt Wagner und betont: "Bei Timo und Benni kam hinzu, dass ihre Eltern sie wahnsinnig unterstützt und alles fürs Hockey gegeben haben." Ziemlich bald zeichnete sich ab, dass die beiden Weß-Brüder eine besondere Begabung mitbrachten, wobei es Benjamin zunächst beim Kinderturnen besser gefiel und er gar kein Hockey spielen wollte. "Doch als er dann mitmachte, zeigte sich, dass er noch mehr Talent hatte als Timo. Benni war immer unbeschwert, während sich Timo alles erkämpfen musste", erinnert sich Wagner. Diesen Kampfgeist zeigte der ältere der Weß-Brüder auch, als er sich nach drei Jahren Pause für London zurück in die Nationalmannschaft kämpfte.

"Das ist mein Timo", sagt Wagner stolz. Er hält die aktuelle deutsche Mannschaft für stärker als die von 2008, weil sich die Individualisten mehr ins Kollektiv einbrächten. Wenn nicht Angstgegner England schon vorher den Weg kreuzt, sieht er die Deutschen im Finale. Klar, dass Wagner dann auch nichts dagegen hätte, wieder nach Frankfurt zu fahren, um seinen Jungs zu Gold zu gratulieren.

(RP)