Handball-Zweitligaaufsteiger TuS Lintfort lebt vom Teamgeist

Handball in Kamp-Lintfort : TuS Lintfort lebt vom Teamgeist

Frauen-Handball: Der Zweitliga-Aufsteiger liegt bei seinem erklärten Saisonziel „Klassenerhalt“ voll im Soll.

Es gibt keinen Grund Trübsal zu blasen. Wohl wissend, dass es sich zwischen Abstieg und Klassenerhalt um eine ganz schmale Gratwanderung handelt. Allerdings ist das Glas zum jetzigen Zeitpunkt eindeutig halb voll und nicht zur Hälfte leer. Die Zweitliga-Handballerinnen des TuS Lintfort haben als Aufsteiger in der laufenden Saison reichlich Energie und Enthusiasmus investiert. Zwar ist die Hinrunde noch in vollem Gange und es warten bekanntlich noch fünfzehn, knüppelharte Rückrunden-Partien, doch letztendlich gibt es ein gemeinsames, großes Ziel: Die Spielerinnen kämpfen um die Verlängerung des Zweitliga-Tickets.

Der Verein befindet sich zum Jahreswechsel absolut im Soll, auch wenn der Tabellenkeller allgegenwertig ist. Aber der aktuelle Zwei-Punkte-Puffer auf die Abstiegsränge lässt die Zuversicht anwachsen und das breite Mittelfeld ist sogar greifbar nahe. Bekanntlich ist das Geschäft schnelllebig und eine kleine Krise könnte große Auswirkungen haben. Aber die Ausgeglichenheit der Liga – abgesehen von den Top-Clubs – ist gleichzeitig eine Chance. Es hat sich bisher gezeigt, der TuS Lintfort muss sich vor dem Gros der Liga nicht verstecken.

Die TuS-Spielerinnen haben sich erstaunlich gut und schnell auf dem neuen Terrain zurechtgefunden. Der Trainingsumfang mit drei Einheiten pro Woche ist derselbe wie zu Drittligazeiten geblieben. Jedoch ist der Aufwand an den Wochenenden und speziell zu den Auswärtsfahrten immens gestiegen. Es ist eine stringente Organisation gefragt, wenn beispielsweise so eine Hammertour wie nach Harrislee an der dänischen Grenze ansteht. „Bislang hat sich noch keine meiner Spielerinnen beklagt“, sagt TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein nicht ohne Stolz. „Und meine Mädels machen das auch echt prima. Sie sorgen für das leibliche Wohl, stellen eine für die langen Fahrten abwechslungsreiche Verpflegung zusammen.“

Aber die Mannschaft hat – und das ist viel wichtiger – ihre besonderen Stärken auf dem Spielfeld. Ein großer Vorteil ist die Zusammensetzung des Kaders. Das Team wurde gezielt verstärkt, ist in dieser Saison deutlich breiter aufgestellt, als noch in den Jahren zuvor, kann mittlerweile selbst so schmerzliche Ausfälle wie die frühe Kreuzbandverletzung von Naina Klein vom vierten Spieltag auffangen. Ein weiterer, entscheidender Aspekt ist, dass die Mannschaft im Vergleich zur Zweitliga-Abstiegssaison 2016/17 deutlich gereift ist. Gleich etliche damalige Spielerinnen wie beispielsweise Eva Legermann, Leonie Lambertz oder die Haupttorschützin Loes Vandewal haben eine stete Entwicklung genossen, treten deutlich selbstbewusster und mutiger in Erscheinung.

Aber der TuS Lintfort hat noch kein einziges Match gewonnen, weil sich eine Spielerin alleine in den Vordergrund geschoben hat. Das Team kommt stets über die mannschaftliche Geschlossenheit, über das Kollektiv. So überragende Siege wie gegen Mainz, Zwickau oder Berlin waren nur mit einer übergeordneten Willenskraft, Leidenschaft und Hingabe möglich. Gelingt es der Mannschaft nicht, diese Voraussetzungen auf die Platte zu bringen, so springen so schmerzliche Niederlagen wie gegen Nürtingen, Harrislee und Gedern/Nidda heraus.

„Wir müssen weiterhin hart an uns arbeiten und die guten und konstanten Phasen weiter ausdehnen“, weiß Bettina Grenz-Klein. „Wir haben uns sicherlich in vielen Bereichen verbessert. Aber es geht immer ein Stückchen mehr.“

Gerade in der Offensive ist die Verantwortung auf etliche Schultern verteilt. Die Spielanlage ist breit angelegt, nimmt alle Positionen mit ins Boot. Der Takt wird weiterhin aus dem Rückraum vorgegeben – aber die Außen- oder Kreispositionen nehmen fast gleichberechtigte Rollen ein.

„Es klingt zwar etwas komisch, aber wir benötigen mittlerweile die Tore von allen Positionen, um eine Begegnung siegreich zu beenden“, weiß Bettina Grenz-Klein. „Alle Spielerinnen sind wichtig – alle Spielerinnen leisten ihren Beitrag.“

Der TuS Lintfort muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sich eben immer wieder neu erfinden und in seinen Auftritten variabel bleiben. Solch einen andauernder Prozess gibt es schon seit längerem in der Defensive. Dort wurden die Aufgaben neu verteilt. Gerade die Zusammensetzung des so wichtigen Innenblocks in der 6:0-Formation nimmt kostbare Zeit in Anspruch. Ob wie zuletzt oft Eva Legermann oder Vanessa Dings das Zentrum verdichten und für Sicherheiten sorgen, können auch Inske Kuik oder Annefleur Bruggeman diese Aufgaben übernehmen. Aber auch in der Lintforter Verteidigung liegen Erfolg und Misserfolg ganz dicht beieinander.

Ein Manko der Mannschaft ist weiterhin, dass sie sich von eigenen Fehlern zu leicht aus dem Konzept bringen lässt, den Rhythmus verliert und große Probleme hat, wieder in die Spur zu finden. In diesen schlechten Phasen wurden schon Spiele verloren.

„Die Chance auf den Klassenerhalt ist sicherlich da. Und die sollten wir nutzen“, sagt folgerichtig auch Bettina Grenz-Klein. „Aber es gilt weiter den Spannungsbogen aufrechtzuhalten und weiter sehr fokussiert zu bleiben.“

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