Leichtathletik: Hand in Hand beim Marathon im Big Apple

Leichtathletik : Hand in Hand beim Marathon im Big Apple

Ein Lauf-Quartett vom AS Neukirchen-Vluyn war beim New-York-Marathon dabei.

Die Abkürzung für Neukirchen-Vluyn ist NV. Die für New York natürlich NY. Damit ist allerdings auch schon Schluss mit den Ähnlichkeiten der beiden Städte. Das konnte allerdings nicht das Quartett vom Ausdauersportverein (AS) Neukirchen-Vluyn davon abhalten, in der US-amerikanischen Metropole den New-York-Marathon mitzulaufen - dem größten Marathon der Welt.

Knapp zehn Jahre ist es her, dass etliche ASler beim Lauftreff offen über den Traum sprachen, einmal in New York starten zu wollen. Doch das Vorhaben geriet in Vergessenheit. Außer bei Sabine und Frank Casimir, Holger Kassen sowie Volkmar Herholz, der sich mit seiner Tochter Silja gleich Unterstützung mitgebracht hatte. Was gar nicht notwendig war, weil die rund zwei Millionen Zuschauer die Läufer auf der 26,219 Meilen - beziehungsweise 42,195 Kilometer - langen Strecke optimal anfeuerten.

So konnte Silja Herholz beinahe ganz nebenbei den Besuch im "Big Apple" genießen. Ein spezieller Reiseveranstalter sorgte übrigens für eine optimale Betreuung der Niederrheiner. So gab es eine Stadtrundfahrt, eine Manhattan-Schiffstour und die Besichtigung des One-World-Towers.

Natürlich wurde morgens mit dem Laufexperten, -trainer und -buchautor Herbert Steffny durch den Central Park gejoggt. Anfang der 1980er-Jahre war Steffny mal Dritter in New York. Schließlich ging es für die Laufgruppe mit dem Bus nach Fort Wadsworth zum Start auf der Verrazano-Narrows-Brücke, die Staten Island und Brooklyn miteinander verbindet. Mehr als 50 000 Teilnehmer starteten schließlich, unter denen rund 1300 Deutschen waren auch die vier aus Neukirchen-Vluyn. Wegen des tödlichen Attentats an Halloween in New York war die Polizeipräsenz sehr hoch. Ansonsten waren die Bedingungen günstig: etwa 13 Grad Celsius, etwas Wind und leichter Regen. Und die Neukirchen-Vluyner waren sich einig, dass sie nur gemeinsam ins Ziel einlaufen würden.

Dass es aber am Ende ein "35-Kilometer-Zieleinlauf" mit euphorischen Anfeuerungen sein würde, wie es AS-Sprecher Kai Ruthmann beschrieb, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. So reduzierten sich beinahe die Strapazen der schwierigen Strecke mit langen Anstiegen über Brücken, und unebenen Wege wie im legendären Central Park.

Doch selbst Muskelverkrampfungen etwa nach knapp 40 Kilometer brachte das Neukirchen-Vluyner Quartett erstens nicht vom Vorhaben des gemeinsamen Zieleinlaufs und schon gar nicht von der Strecke ab.

Immerhin traten die Probleme der Sportler erst kurz vor dem Ziel auf. Und dorthin wurden die Teilnehmer durch die Unterstützung der Zuschauer getragen. "Hand in Hand ging es über die Ziellinie", beschrieb im Nachhinein Kai Ruthmann das Bild.

Anschließend gab es für alle die Finisher-Medaille, Teilnahme-Fotos, den Poncho nach dem Lauf, etwas Verpflegung - und jede Menge Gratulationen. Angehörige, Freunde und Herbert Steffny lobten und beglückwünschten die ASler. Und unzählige Zaungäste machten es ihnen nach.

Schließlich ging es für die Gruppe zurück ins Hotel. Natürlich zu Fuß. Trotz müder Beine. Was aber gar nicht so wichtig war. Denn diese kleine AS-Gruppe hat das Vorhaben von vor zehn Jahren wahr gemacht. Vielleicht war es ja nicht der letzte Start des Ausdauersportvereins aus NV in NY.

(RP)
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