Volleyball: Grozer genießt Trainingslager in Moers

Volleyball : Grozer genießt Trainingslager in Moers

Nach der Rückkehr aus Russland ließ sich Volleyballprofi Georg Grozer Junior an der Schulter operieren und pausierte lange. Jetzt ist er in die EM-Vorbereitung des Nationalteams eingestiegen – dennoch ist er seiner Familie aktuell ganz nah.

Für Georg Grozer junior hat die Stadt Moers immer noch eine ganz besondere Bedeutung – selbst wenn der Volleyballprofi seit 2008 nicht mehr für den MSC im Einsatz ist und sich seit vergangener Saison in Russland mit den besten Spielern der Welt misst. Schließlich war die Grafenstadt, wo auch sein berühmter Vater in der 1990er Jahren große Erfolg feierte, nach seinem Abschied aus der ungarischen Heimat die erste Anlaufstation. Sechs Jahre trug er das Trikot der Adler, entwickelte sich zum Weltklassespieler, gründete in Moers eine Familie und ließ sich dort auch nieder.

Klar, dass es ihm vor diesem Hintergrund sehr gelegen kommt, dass die deutsche Nationalmannschaft in ihrer Vorbereitung auf die Europameisterschaft seit Sonntag zu einem kurzen Trainingslager in die Grafenstadt gekommen ist. "Das ist in meiner Zeit das erste Mal. Als ich das vor kurzem erfahren habe, habe ich mich sehr gefreut", meint Grozer. Denn es gibt ihm die Gelegenheit, zusätzliche Zeit mit seiner Frau und den beiden Töchtern zu verbringen. Schon bei den Vorbereitungsspielen in der vergangenen Woche in den Niederlanden (zwei Siege, eine Niederlage) waren sie möglichst viel in seiner Nähe, in Moers kann Grozer sogar mit ihnen zusammen zu Hause wohnen. Von dieser Zeit muss der 28-Jährige möglichst viel in sich aufsaugen und abspeichern. Denn nach der EM geht es gleich nach Russland zurück, wo für ihn mit seinem Verein Lokomotiv Belgorod die neue Saison ansteht. Nach einem überaus erfolgreichen Premierenjahr mit Gewinn von Meisterschaft und Pokal verlängerte der Diagonalangreifer seinen Vertrag um zwei Jahre, allerdings in dem Bewusstsein, auf die Begleitung seiner Familie verzichten zu müssen. Seine ältere Tochter kommt in Moers in die Schule, seine jüngere in den Kindergarten. "Ich denke, dass das zweite Jahr in Russland ohne meine Familie noch härter wird", betont Grozer. Dabei war schon die Eingewöhnungszeit nach der ersten Ankunft in Belgorod, eine Stadt mit 360 000 Einwohnern in der Nähe der ukrainischen Grenze, nicht ohne. "Das ist eine komplett andere Welt", weiß Grozer zu berichten. Das fängt mit den sprachlichen Problemen an, weil kaum jemand etwas anderes als Russisch spricht, geht über die Alltagsprobleme beim Einkaufen und bei der Ernährung bis hin zu den völlig unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Immerhin tat der Verein alles dafür, dass sich sein Star aus Deutschland möglichst schnell akklimatisierte.

Aus sportlicher Sicht wusste Grozer zunächst auch nicht, was ihn erwarten würde. "Ich habe mich schon gefragt, wie meine Mannschaftskameraden, von denen immerhin vier in London Olympiasieger geworden sind, auf mich reagieren würden", erinnert sich der 28-Jährige. Doch zu seiner Überraschung waren alle sehr bemüht, ihm auch das sportliche Leben so leicht wie möglich zu machen. Auch der Verein hielt sich zunächst mit Äußerungen über allzu große Erwartungen zurück. Grozer dankte es ziemlich bald mit starken Leistungen, am Ende stand mit zwei Titeln sogar der maximale sportliche Erfolg für den Club. Dass der Diagonalangreifer auf die Zähne biss und eine nötige Schulteroperation auf nach die Saison verschob, steigerte seine Wertschätzung noch zusätzlich. "Am Ende hat mich der Präsident des Clubs sogar gesondert ausgezeichnet", erklärt Grozer, der sich weiter in der aus seiner Sicht stärksten Liga der Welt behaupten möchte. "Hier gibt es ein so großes Potenzial an starken Spielern, Russland könnte drei erstklassige Nationalmannschaften stellen." Als großes Ziel auf Vereinsebene hat er noch den Champions League-Titel.

Nach seiner Schulteroperation im Mai ist er jedenfalls auf dem Weg zu alter Stärke. Nach langer Pause und dem Wiedereinstieg bei der Nationalmannschaft läuft es schon wieder überraschend gut. Grozer hofft, bei der EM in Dänemark und Polen dem nach Olympia stark verjüngten deutschen Team mit seiner Erfahrung helfen zu können. "Die Jungs haben viel Potenzial, stecken aber noch in einem Entwicklungsprozess", weiß Grozer. Zumindest ein kleiner Teil davon spielt sich in der Stadt ab, die für ihn eine ganz besondere Bedeutung hat – beim Trainingslager in Moers.

(RP)