Fechten: Fulltime-Profi Herbert Wagner

Fechten: Fulltime-Profi Herbert Wagner

Selbst im Krankenhaus hat der Cheftrainer des Fechtclubs Moers nicht einfach nur ans Gesundwerden denken können. Via Handy und Laptop war er ständig darüber informiert, was bei den Deutschen Meisterschaften passierte.

Was muss das nur für ein Gefühl sein? Monate lang bereitet der hauptamtliche Trainer des Fechtclubs Moers, Herbert Wagner, seine Schützlinge auf das große Spektakel, die Deutschen A-Jugend-Meisterschaften, im heimischen Moers vor und kann dann selbst nicht mit dabei sein. Eine Viruserkrankung bremste den früheren zehnmaligen DDR-Meister, so dass er über das Wochenende gar das Bett im Krankenhaus hüten musste. "Er war ganz schön hippelig", erklärt Matthias Block, der normalerweise die Fechterinnen des Vereins als Coach betreut und am Wochenende als Vertretung für Wagner einspringen musste.

Job-Sharing mit Matthias Block

"Wir kennen uns schon solange, da ist es kein Problem wenn der eine mal den Job des anderen übernimmt", so Block weiter. Aber ganz allein durfte er dann doch nicht arbeiten. Wagner, seit 22 Jahren Trainer im Fechtclub Moers, überlässt niemandem ohne jegliche Einflussnahme sein Revier. "Die beiden Trainer stehen permanent telefonisch in Kontakt", erklärte Pressewart Markus Tenbergen während der Titelkämpfe. "Außerdem hat er das Glück, über einen Internetanschluss im Krankenhaus zu verfügen. So kann er live das Geschehen im Datencenter mit verfolgen und wenn es ernst wird, aus der erzwungenen Distanz mitwirken."

Sein Enthusiasmus beweist es: Wagner ist Profi durch und durch. Im April 2006 wurde er sogar zum Bundestrainer der B- und A-Jugend im Herrenflorett berufen und trainierte seinerzeit an den Bundesstützpunkten auch die kommenden Fechter der Bundesauswahl — die "Kadetten", ehe er aus gesundheitlichen Gründen wieder kürzer treten musste.

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Doch war es nicht das erste Mal, dass er mit hoch talentierten Florettfechtern arbeiten konnte. Bereits in der ehemaligen DDR baute er im sächsichen Oschatz ein Leistungszentrum auf und bekam den Spitznamen "Der Meistermacher". Beim FC Moers sind sie stolz auf einen so erfahrenen Coach. Als sie ihn 1990 an den Niederrhein holten, baute er zunächst alles um. "Es hat immerhin neun Jahre gedauert, ehe ich feste Strukturen aufgebaut hatte, so wie ich sie haben wollte."

Seitdem hat Wagner manchem Moerser zu internationalen Lorbeeren verholfen. Herausragend dabei: David Hausmann holte 1999 in Ungarn bei den Weltmeisterschaften der Junioren Gold im Florett-Einzel und in der Mannschaftswertung. Martha Golebiewski gewann bei dieser WM im Einzel Silber. In den Jahren 1999 bis 2003 focht Benjamin Kleibrink unter seiner Leitung für den FC Moers. Fünf Jahre später holte "Benny" bei den Olympischen Spielen in Peking mit dem Gewinn der Goldmedaille, den ersten deutschen Herreneinzel-Olympiasieg mit der Florettwaffe.

Nach Einschätzung von FCM-Pressewart Markus Tenbergen soll auch dem Moerser Fechttalent Matthias Neuhaus, der am Samstag den siebten DM-Rang belegte, eine erfolgreiche Zukunft bevor stehen. "Wir sprechen noch nicht von Olympia, aber von Teilnahmen bei Welt- und Europameisterschaften bin ich überzeugt."

(KT)
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