Fußball: Ein Stück Alltag erleben

Fußball: Ein Stück Alltag erleben

Menschen mit psychischen Erkrankungen spielen beim VfL Repelen. Sie spielen und lachen. Es wirkt fast so, als wäre es völlig normal, wenn die Fußballer des Wittfeld-Wohnverbundes der Diakonie Moers auf der Anlage des VfL Repelen trainieren.

Aber für viele Menschen mit psychischen Erkrankungen ist es eben nicht Alltag, unbeschwert ihrem Hobby nachzugehen.

Alles begann vor zehn Jahren. Jochen Horster (52) wurde als Betreuer in den Wittfeld-Wohnverbund der Moerser Diakonie versetzt und traf im Innenhof auf drei Fußballer. Und er kümmerte sich so gut um das Trio, dass schon bald aus den drei Spielern eine gesamte Mannschaft wurde. "Damals konnten wir dann endlich richtig Fußball spielen", erklärt Horster. Es dauert nicht lange, bis Fußballvereine auf die Truppe aufmerksam wurden.

Als Erster fragte der FC Meerfeld an, ob die Jungs nicht Lust hätten, sich dem Verein anzuschließen. "Wir waren total begeistert von dem Vorschlag und sagten sofort zu. Schließlich hatten wir vorher keine Kontakte zu Sportvereinen", erzählt Horster. Aber als das Sportzentrum Rheinkamp abgerissen wurde, gab es keine Möglichkeiten mehr, Umkleideräume zu nutzen. Deswegen fragte Horster vorsichtig beim VfL Repelen an. Der Vorstand von der Stormstraße verwies Horster zunächst an die Behindertensport-Abteilung des VfL. Doch das gefiel den Kickern nicht. "Wir wollten uns integrieren, der gesamten Fußballabteilung anschließen, um uns nicht ausgegrenzt zu fühlen", erklärt Horster.

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Georg Gaidt, Abteilungsleiter und stellvertretender Geschäftsführer des VfL Repelen, zeigte sich aber schon von Beginn angetan und kam dem Wunsch nach: "Es sind ruhige und nette Zeitgenossen", erklärt Gaidt. "Trotz ihres Handicaps gibt es keine Reibungspunkte, und es ist toll, dass sie dabei sind." Dass sich das regelmäßige Training lohnt, zeigen die sportlichen Erfolge. Die Mannschaft von Jochen Horster spielte schon 2005 in der Regionalliga für Gehandicapte und konnte sich sogar den Landesmeistertitel sichern.

Jüngst trumpften seine Schützlinge im schwäbischen Ulm bei einem nationalen Turnier auf. Dort sprang immerhin ein respektabler sechster Platz bei 34 beteiligten Teams heraus. Auch bei internationalen Turnieren ist Horsters Mannschaft inzwischen regelmäßig dabei. "Wir waren schon mehrmals in Barcelona. Es ist toll, wie viele Leute man dort kennenlernt."

(kt)