Der Niederrhein hofft auf ein Wintermärchen

Handball in Moers : Der Niederrhein hofft auf ein Wintermärchen

Handball: Deutschland eröffnet am heutigen Donnerstag in Berlin gegen Korea die heimische Weltmeisterschaft.

Es ist angerichtet. Schon seit Tagen ist eine gewisse Anspannung, eine Vorfreude zu spüren. Die Glut lodert und muss sich nur noch zu einem Feuer entfachen. Heute wird die Handball-Weltmeisterschaft eröffnet. Dabei kommt es zu einem Novum. Erstmals richten zwei Verbände – Deutschland und Dänemark – dieses prestigeträchtige Event aus. Historisch wird es sogar, wenn die deutsche Nationalmannschaft, zum Auftaktspiel in Berlin, auf ein vereintes Team Korea trifft.

Die besten Nationen werden in 18 Tagen um die „Krone“ kämpfen, wie unter anderem Titelverteidiger Frankreich, Vizeweltmeister Norwegen, Europameister Spanien oder Olympiasieger Dänemark. Auch Deutschland gehört zum erlesenen Kreis der Titelaspiranten. Die Mannschaft von Trainers Christian Prokop hofft dabei auf den Heimvorteil. Gerade das Wintermärchen von 2007, als Deutschland letztmals den Thron bestieg, hat gezeigt, was im eigenen Land, mit den Fans im Rücken, so alles möglich ist. Da interessiert es die Sport-Redaktion natürlich brennend, wie bekannte Personen aus der hiesigen Sportszene diesem Leckerbissen entgegenfiebern. Hier einige Stimmungsbilder querbeet durch die Sportarten. Markus Witzke, Abteilungsleiter des Handball-Oberligisten SV Neukirchen, nimmt sich traditionell Urlaub, reist diesmal sogar mit 15 Mitgliedern des Vereins in die deutsche Hauptstadt.

Urlaub ist für Andreas Bögner, Hockey-Abteilungsleiter des Moerser TV, aus beruflichen Gründen derzeit nicht möglich. Aber er ist als „alter Handballer“ - er spielte früher in Asberg, Schwafheim und Traar - auch sehr interessiert an diesem Spektakel: „Da ja sonst neben Fußball alles verblasst, finde ich es toll, dass mal eine andere Sportart für eine gewisse Zeit in den Vordergrund tritt. Das die Spiele bei ARD und ZDF laufen, höre ich jetzt von Euch zum ersten Mal. Das finde ich total klasse. Ich werde mir so viele Begegnungen, wenn es beruflich passt, auch anschauen.“

Markus Witzke, Handball-Abteilungsleiter des SV Neukirchen, wird die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft mit zahlreichen Vereinsmitgliedern live in Berlin miterleben. „Mein Kumpel Christian Böckel und ich sind in den vergangenen Jahren schon zu vielen Handball-Großereignissen gereist. Und ich kann nur sagen, die Stimmung in den Hallen war stets phänomenal. Aber eine Weltmeisterschaft im eigenen Land und dann noch mit den vielen Freunden aus Neukirchen zu erleben, wird mit Sicherheit ein unvergessenes Erlebnis. Ich hoffe, unsere Jungs lassen sich von der Euphorie tragen und erreichen zumindest das Halbfinale. Mein Tipp ist allerdings Frankreich.“

Martin Gräfen, Manager des Handball-Verbandsligisten TV Kapellen, ist eher der Genießer in einem ruhigeren Rahmen. „Zunächst einmal bin ich froh, dass zumindest die deutschen Spiele im öffentlichen-rechtlichen Fernsehen zu sehen sind. Und natürlich fiebere ich den Spielen entgegen. So ein Ereignis darf man sich nicht entgehen lassen.“ Martin Gräfen glaubt allerdings, je länger die deutsche Nationalmannschaft im Rennen bleibt, um so größer wird auch das Interesse. „Ich traue der Mannschaft das Halbfinale durchaus zu. Mein Geheimfavorit ist jedoch Dänemark, die ja ebenfalls Heimrecht genießen.“

„Ich bin ja schon ein wenig verrückt nach diesem Sport“, sagt Peter Wiedemann, Trainer des Handball-Verbandsligisten HSG Vennikel/Rumeln-Kaldenhausen. „Ich besitze Karten für die Hauptrunde am 21. Januar in Köln. Übersteht Deutschland die Vorrunde, so wird unser Team genau an diesem Tag in der Domstadt spielen. Ich hoffe, das Turnier im eigenen Land wird unsere Jungs beflügeln. Meiner Meinung nach ist alles möglich. Top-Favoriten sind Frankreich und Dänemark.“

Mit seinem Geheimtipp Kroatien steht der Vorsitzende des Moerser Fecht-Club, Markus Tenbergen, so ziemlich alleine da. „Ich halte das Team für äußerst stark. Selbstverständlich schau ich mir die Spiele der deutschen Nationalmannschaft an. Handball hat, obwohl es ein Mannschaftssport ist, viele Parallelen zum Fechtsport. Es ist ein sehr emotionaler und extrem schneller Sport, der eine unglaubliche Nervenstärke verlangt.“ Schauen wird er die Begegnungen gemeinsam mit seinem Sohn Konrad, der beim TV Kapellen in der C Jugend im Handballtor steht. „Ich freue mich darüber, dass die Spiele der deutschen Nationalmannschaft im Free TV zu sehen sind und hoffe schon allein deshalb auf eine Finalteilnahme der deutschen Nationalmannschaft.“

Auch für Oliver Cesa, Trainer des Handball-Landesligisten TV Issum, ist die Heimweltmeisterschaft etwas Besonderes. „Ich bin zwar nicht so euphorisch, aber dennoch sehr interessiert. Ich hoffe, die Mannschaft um Trainer Christian Prokop hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und wird dieses Mal ein erfolgreiches Turnier abliefern. Das Erreichen des Halbfinales muss das Ziel sein. Mein Tipp ist allerdings Frankreich.“

Handball ist aber auch offensichtlich für Fußballer ein Muss. Denn Manfred Wranik, Trainer des Bezirksligisten SV Schwafheim, sagt deutlich, dass er sich auf jeden Fall für viele andere Sportarten interessiert: „Natürlich schaue ich die Handball-WM. Ich interessiere mich nicht nur für Fußball. Bei Welt- und Europameisterschaften bin ich immer dabei. Zumindest am Bildschirm. Da fiebere ich immer mit. Bei einem Spiel live vor Ort werde ich aber nicht sein können. Das geht schon aus zeitlichen Gründen nicht. Die Favoriten sind für mich Frankreich oder auch Dänemark. Aber im eigenen Land haben wir es ja schon einmal geschafft und deswegen glaube ich auch, dass wir eine gute Rolle spielen werden und vielleicht sogar den Titel holen können.“

„Ich wünsche der Mannschaft, dass sie so lange wie möglich im Turnier verweilt“, erklärt Dirk Hünten, Trainer des Handball-Landesligisten TV Schwafheim. „Aber der Druck im eigenen Land und die Erwartungshaltung sind schon wirklich brutal hoch. Deutschland hat das Potenzial um in der Endabrechnung zwischen Platz drei und sechs zu landen.“ Frankreich heißt sein Top-Favorit.

Für den Trainer des Volleyball-Zweitligisten Moerser SC, Martin Schattenberg, ist Handball ein tolles, dynamisches Spiel: „Handball schaue ich mir gerne an. Ich werde mich über die hoffentlich deutschen Erfolge freuen und bei den Spielen am Fernseher mitfiebern, drücke natürlich die Daumen. Für mich als Trainer ist es sehr interessant, ob Coach Christian Prokop, der ja seine eigenen Vorstellungen hat, die Mannschaft dieses Mal mitnehmen kann. Bei der Europameisterschaft lief es ja nicht so rund. Neben allen taktischen Überlegungen wird aus meiner Sicht entscheidend sein, ob und wie die Mannschaft einen Teamspirit entwickeln kann, der sie dann hoffentlich bis ins Finale trägt.“

Andreas Michalak, Coach des Handball-Landesligisten TuS Lintfort, wird in der Hauptrunde, am 23. Januar, in Köln, live vor Ort sein und mitjubeln. „Ich freue mich schon riesig auf die Weltmeisterschaft in Deutschland, werde versuchen, so viele Spiele wie möglich im Fernsehen zu verfolgen. Mein Highlight wird sicherlich das Livespiel in der ausverkauften Lanxess Arena in Köln sein. Das wird eine ganz tolle Sache. Frankreich, Norwegen, Dänemark, vielleicht auch Deutschland sind für mich die Favoriten.“

Basketball-Coach Tobias Liebke von der BG Lintfort hofft auch darauf, dass das deutsche Nationalteam sich den Weltmeister-Titel holt: „Das wäre natürlich auch für die Stimmung bis zum Turnierende sehr gut, wenn das deutsche Team solange wie möglich mitspielt.“  Liebke sieht sich selbst nicht als Handball-Experte, deshalb nennt er auch keinen Favoriten: „Aber bei mir hat durch die sehr intensive Berichterstattung der letzten Tage in den Medien schon ein Kribbeln eingesetzt. Und mich interessiert als Trainer natürlich, wie Christian Prokop taktisch auf die einzelnen Spiele reagieren wird.“

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