Das Leben nach dem Sport

Das Leben nach dem Sport

Die Moerserin Nadine Hentschke zählte vor einigen Jahren zur nationalen Spitze im Hürdenlauf und Sprint. Verletzungsbedingt beendete sie ihre Karriere. Heute ist sie Lehrerin in Mannheim und genießt ihr neues Leben.

Man sieht ihr an, dass sie mit ihrem Leben zufrieden ist; sie strahlt Ruhe aus und Gelassenheit und auch ein gesundes Selbstbewusstsein. Nadine Hentschke feiert heute Geburtstag. Sie wird 28 und führt seit zwei Jahren ein gänzlich anderes Leben als zuvor — das Leben nach dem Sport.

Die ehemalige Weltklasse-Leichtathletin lebt und arbeitet in Mannheim, kommt aber regelmäßig zurück in die Heimat nach Moers, um ihre Eltern zu besuchen, zudem Freunde und Weggefährten aus ihrer aktiven Zeit. "Es ist immer wieder schön, hier zu sein", sagt Nadine, strahlt übers ganze Gesicht und freut sich ihres Lebens.

Die Reißleine gezogen

Kein Vergleich mehr mit den letzten Jahren ihrer Leichtathletik-Karriere, als es bei ihr mehr über gesundheitliche Probleme denn sportliche Erfolge zu berichten gab. Über 100 m Hürden, aber auch im Sprint zählte sie jahrelang zu den Besten auf nationaler Ebene und mischte auch international vielversprechend mit. Doch dann wurde ihre chronische Achillessehnen-Entzündung, wurden ihre akuten Rückenbeschwerden immer gravierender, schränkten nicht nur ihre sportlichen Chancen ein, sondern auch ihre allgemeine Lebensqualität.

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Nach langem Zögern zog Nadine Hentschke im Januar 2008 die Reißleine: Quasi Knall auf Fall beendete sie ihre Karriere und begann ein neues, "richtig schönes" Leben. Mit dem gleichen Engagement wie vorher im Sport stürzte sie sich in ihr Studium sowie ins Referendariat an einer Grund- und Hauptschule. Ihr zweites Staatsexamen schloss sie mit der Note 1,05 ab. "Darauf bin ich genauso stolz wie auf meine besten sportlichen Leistungen", sagt die Neu-Baden-Württembergerin. Direkt anschließend bekam sie an der Schule, in der sie ihre Ausbildung absolviert hatte, eine Festanstellung.

Heute gibt sie 28 Stunden Unterricht pro Woche in unterschiedlichen Fächern und ist Klassenlehrerin einer dritten Klasse. Nach einer Bandscheiben-Operation im Herbst 2008 geht's ihr mittlerweile auch gesundheitlich wieder deutlich besser. Aktiv Sport betreibt die 28-Jährige kaum noch: "Ab und zu mal Joggen im Wald, ab und zu mal Krafttraining. Das ist alles." Ihre Erfahrungen gibt sie ihren Schülern und auch einigen 13- und 14-Jährigen in einer Trainingsgruppe der Mannheimer TG weiter. Nadine: "Das macht mir richtig Spaß."

Seit ihrem Rücktritt hat sich Nadine Hentschke der nationalen Leichtathletik-Szene bewusst fern gehalten. "Anfangs konnte ich meinen Sport noch nicht mal am Fernseher entspannt verfolgen. Emotional war ich lange noch voll dabei." Es hat sich gebessert, und deshalb hat sie einen Plan gefasst: Am letzten Februar-Wochenende will sie bei den Deutschen Hallen-Leichtathletik-Meisterschaften in Karlsruhe live dabei sein — erstmals wieder nach zwei Jahren. Das frühere Leben prägt eben doch das Leben danach. Top-Sportler(innen) kennen es nicht anders.

(RP)
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