1. NRW
  2. Städte
  3. Moers
  4. Sport

Kampfsport: Ärger um Karateka beim SV Neukirchen

Kampfsport : Ärger um Karateka beim SV Neukirchen

Bei seiner Jahreshauptversammlung Ende des Monats will der SVN mit seinen Mitgliedern über einen Ausschluss der Karate-Abteilung beraten. Heute treffen sich die Kampfsportler, um über ihre Reaktion darauf zu sprechen.

Mit der Einladung zu Jahreshauptversammlung am 28. März wurde zwar öffentlich, dass der SV Neukirchen beabsichtigt, sich von seiner Karate-Abteilung zu trennen. Aber Wilfried Zech, Vorsitzender des Gesamtvereins, will das Thema nicht an die große Glocke hängen. "Da möchte ich aktuell nichts zu sagen", meinte er, als die RP ihn nach den Hintergründen zu dem offenbar angestrebten Ausschluss der Kampfsportler fragte. Hört sich ganz danach an, als herrsche ziemlich dicke Luft beim SV Neukirchen.

Immerhin ließ sich Zech noch entlocken, dass das Grundproblem sei, dass sich die Karate-Abteilung konsequent dem Vereinsleben verweigere, nicht erreichbar sei und auch nicht auf Anfrage reagiere, sich sozusagen isoliere. "Man will uns nicht mehr haben, weil wir uns nicht am Vereinsleben beteiligen", bestätigte Norbert Schiffer in seiner Funktion als Karate-Abteilungsleiter auf RP-Anfrage, kurz nachdem er von einer mehrwöchigen Reise in Sachen Karate aus Indien zurückgekehrt war. Schiffer bringt sogar ein gewisses Verständnis für dieses Ansinnen auf, denn seine Abteilung habe sich in den vergangenen Jahren ganz bewusst in die Isolation begeben.

Ein Grund dafür war, dass sich Schiffer und Co. mit ihren teilweise herausragenden Erfolgen nicht genug gewürdigt fühlten. "Als zum Beispiel 1991 drei Kämpfer aus Neukirchen-Vluyn im kanadischen Calgary für Deutschland einen WM-Titel geholt haben, hat es niemand für nötig gehalten, uns zu gratulieren", erinnert sich Schiffer. Im Laufe der Jahre habe sich Prominenz wie die Schauspieler Chuck Norris und Jean-Claude van Damme oder Kampfsportveteran Bob Wall die Klinke in die Hand gegeben, aber niemand habe es registriert. Ein aktuellerer Fall sei 2011 das Jubiläumsfest zum 40-jährigen Bestehen der Abteilung gewesen, wo sogar ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz anwesend gewesen sei, aber niemand vom Gesamtverein. Diese schleichende Entfremdung habe auch dazu geführt, dass die Karateka wenig Motivation verspürt hätten, Abrechnungen und andere bürokratische Vorgänge pünktlich zu erledigen. Schiffer legt aber großen Wert auf die Feststellung, dass Wilfried Zech als aktueller SVN-Vorsitzender die Vorfälle der Vergangenheit nicht zu verantworten hat: "Das waren seine Vorgänger. Ich habe einen positiven Eindruck von ihm. Ich denke, mit ihm können wir uns mal zusammensetzen."

Zunächst will die Karate-Abteilung mit ihren knapp 100 Mitgliedern bei ihrer heutigen Jahreshauptversammlung aber unter sich über das weitere Vorgehen beraten. Wenn der SVN die Kampfsportler nicht mehr wolle, sei es auch denkbar, so Schiffer, dass ein eigenständiger Karate-Verein gegründet werde. Franz Frings, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, hat zwar schon vom Zwist beim SV Neukirchen gehört, doch offiziell ist er noch nicht um eine Beratung gebeten worden. "Bevor ich nicht aufgefordert werde, werden ich nicht eingreifen. Da muss zunächst das eigene Potenzial ausgeschöpft werden", betont Frings. Dass ein Verein eine Abteilung nicht mehr will, hat er im Übrigen während seiner Zeit im Vorstand des SSV seit 1998 noch nicht erlebt. Auch beim Landessportbund (LSB) sind solche Fälle eine Rarität. "Das ist wirklich ein ungewöhnlicher Vorgang. Es ist häufig umgekehrt, dass Abteilungen einen Verein verlassen, um gegebenenfalls eine bessere Förderung zu bekommen", erklärt Golo Busch, Vereinsberater beim LSB.

(RP)