Spielstraße in Moers-Utfort erhält Fahrbahnschwellen

Verkehrsberuhigung : Spielstraße in Utfort erhält Fahrbahnschwellen

Lange Zeit hat die Moerser Politik „Drempel“ gegen Raser abgelehnt. Im vergangenen Jahr wurde der Grundsatzbeschluss gekippt. Jetzt steht fest, wo die ersten Schwellen hinkommen sollen: auf die Jocken- und die Liebrechtstraße in Utfort.

Das ist eine von vielen herbeigesehnte Premiere in Moers: Teile der Jockenstraße und der Liebrechtstraße in Utfort sollen mit Bodenschwellen versehen werden. Es handelt sich um verkehrsberuhigte Abschnitte der Straße. Auf der Jockenstraße sollen insgesamt sechs, auf der Liebrechtstraße vier sogenannte Kreissegment-Schwellen angebracht werden. So schlägt es die Stadtverwaltung vor. Sie hofft, dass die Hindernisse Autofahrer dazu zwingen, abzubremsen und langsamer zu fahren.

Viele Jahre lang galt in Moers ein politischer Grundsatzbeschluss, nach dem auf Fahrbahnschwellen verzichtet werden sollte. Im Mai 2019 kippte die Politik diesen Beschluss und ließ „Kissen“ oder Schwellen auf Straßen grundsätzlich zu. Schon damals hatte seit längerer Zeit ein von fast 100 Utfortern unterschriebener Bürgerantrag vorgelegen, in dem Maßnahmen gegen zunehmenden Verkehr auf Jocken-, Liebrecht- und Buschstraße gefordert wurden. Ausdrücklich baten die Anwohner darum, „Bodenschwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung und zur Vermeidung des Durchgangsverkehrs“ einzubauen.

Die Stadtverwaltung will die Forderungen der Bürger allerdings nur teilweise erfüllen. Die betreffenden Straßen sind zum Teil Tempo-30-Zonen, andere, größere Abschnitte sind verkehrsberuhigt („Spielstraßen“). Als besonders gefährlich betrachteten Anwohner zum Beispiel den Bereich der Einmübung Jockenstraße / Welfenstraße, wo in Höhe einer Tempo-30-Zone ein Spielplatz liegt. Dort wünschten Anwohner einen Zebrastreifen und Warnschilder.

Mit dieser Art von „Drempeln“ möchte die Stadt Moers den Verkehr auf der Jocken- und Liebrechtstraße beruhigen. Foto: Koster, Karin (kost)

Im Gegensatz dazu sehen die Fachleute der Stadtverwaltung allerdings für die Tempo-30-Bereiche keinen Handlungsbedarf. Diesem Urteil liegen Verkehrsmessungen zugrunde, nach denen Autofahrer in den 30er-Zonen geradezu vorbildlich unterwegs seien. So wurden in Höhe des Spielplatzes bei Messungen meist Werte von nur knapp über 30 Kilometer/Stunde (km/h) oder sogar darunter gemessen. Nur wenige „Ausreißer“ seien deutlich zu schnell (bis maximal 55 km/h bei einer Messung) unterwegs gewesen.

Anders sei die Situation in den verkehrsberuhigten Bereichen von Jocken- und Liebrechtstraße, wo für Autofahrer Schrittgeschwindigtkeit gilt: Dort waren die meisten Autos zwischen 20 und 24 km/h schnell. Zwar hat die Politik festgelegt, dass Schwellen in verkehrsberuhigten Zonen erst dann infrage kommen, wenn das Gros der Autofahrer schneller als 25 km/h ist. Aber an der Jocken- und Liebrechtstraße gebe es ein bauliches Manko, das ebenfalls für Bodenschwellen spreche: Die dortigen verkehrsberuhigten Zonen, vor gut 20 Jahren entstanden, entsprächen nicht dem heutigen Stand der Dinge. „Sie sind schnurgerade. heute würde man dort Kurven und Verschwenkungen einbauen“, erläuterte Stadtsprecher Thorsten Schröder am Montag. Auch die Polizei sehe im Übrigen Handlungsbedarf an den verkehrsberuhigten Abschitten von Jocken- und Liebrechtstraße.

7000 Euro soll der Einbau der Bodenschwellen in Utfort kosten. Ähnliche Maßnahmen auf weiteren Straßen in Moers seien derzeit nicht konkret in Planung. „Wir haben aber noch Prüfungen an zwei Stellen“, sagte Schröder. Er geht aber davon aus, dass weitere Anregungen“ aus der Bürgerschaft im Rathaus eingehen werden. „Wir werden in jedem Fall eingehend prüfen und Messungen an verschiedenen Tagen und zu verschiedenen Tageszeiten durchführen“, dämpfte Schröder allzu große Hoffnungen, dass nun überall in Moers die Fahrbahnschwellen „aus dem Boden sprießen“. Die Schwellen hätten auch Nachteile, betonte Schröder. „Die Lärmbelästigung kann zunehmen, wenn Autofahrer vor den Schwellen abbremsen und dann wieder Gas geben.“ Feuerwehr und Rettungsdienst lehnen die Schwellen grundsätzlich ab, weil sie nicht nur den „normalen“ Verkehr“ ausbremsen, sondern im Notfall auch die Fahrzeuge der Rettungskräfte.