Neukirchen-Vluyn Spiele-Erfinder macht Legenden lebendig

Neukirchen-Vluyn · Michael Menzel (37) aus Vluyn hat das Spiel "Die Legenden von Andor" entwickelt. Es ist ein Fantasy-Abenteuer mit Charakterkarten.

 Der Vluyner Spieleillustrator Michael Menzel stellt sein erstes eigenes Spiel "Die Legenden von Andor" vor.

Der Vluyner Spieleillustrator Michael Menzel stellt sein erstes eigenes Spiel "Die Legenden von Andor" vor.

Foto: Ralf Hohl

Michael Menzel steckt Ritter in glänzende Rüstungen und Zauberinnen in wallende Gewänder. Er erschafft grimmige Monster und lässt in fantasievollen Landschaften Burgen und Wälder entstehen. Menzel ist Spieleillustrator. Jetzt hat der 37-jährige Vluyner mit "Die Legenden von Andor" seine erste eigene Spielidee auf den Markt gebracht.

Angefangen hatte alles eher ganz zufällig. Schon von klein auf hatte Menzel eine Leidenschaft fürs Zeichen, aber "von freier Kunst kann man nicht leben", sagt er. Nach seiner Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten, in der er viel über Freihandzeichnen, Fotografie und Gestaltungslehre gelernt hat, sei er dann Illustrator für Computerspiele geworden. Als solcher hat er etwa das ursprüngliche Brettspiel "Die Siedler von Catan" zeichnerisch zum Computerspiel umgesetzt.

Wenn Menzel daran zurück denkt, wie er dann zum Illustrator für Gesellschaftsspiele wurde, muss er noch heute lächeln. "Das war für das Kartenspiel 'Manga Manga'. Von Mangas hatte ich bis dahin überhaupt keine Ahnung, aber ich habe mich dann ein Wochenende lang ganz intensiv damit beschäftigt und die Entwürfe für das Spiel gemacht." Diese habe sein Auftraggeber dann auf einer Zugfahrt begutachtet, und ein anderer, ihm völlig fremder japanischer Fahrgast habe die Zeichnungen gesehen und sei sofort begeistert gewesen. Seitdem illustriert Menzel rund 20 Brett- und Kartenspiele pro Jahr.

Um die Spielidee zeichnerisch umzusetzen, muss er jedes Spiel zuvor selbst ausprobiert haben, damit er weiß, worum es geht. Daraufhin fertigt er eine Skizze zum Spielplan an, über die diskutiert und entschieden wird. Dann erst geht es zum Zeichen an den Computer, wo sämtliche Motive für den Plan, die Karten und weiteres Spielelemente entstehen. Dass sowohl die Spielidee als auch die Illustration aus derselben Feder stammen, sei selten, erklärt Menzel.

Und doch ist das bei dem im vergangenen September erschienenen Brettspiel "Die Legenden von Andor" der Fall. "Es begann vor fünf Jahren im Urlaub. Gemeinsam mit meinem Sohn und Neffen (beide damals neun Jahre alt) suchte ich nach einem Fantasy-Spiel, bei dem man nicht erst eine komplizierte Spielanleitung lesen und verstehen muss. Das Spiel sollte nicht zu komplex und abstrakt sein."

Doch das gab es einfach nicht. So kam es, dass die drei ihre eigene Spielidee entwickelten. "Bevor ich das Spiel dann einem Spieleverlag vorstellte, hatte ich es selbst schon hunderte Mal gespielt."

Und der Verlag war begeistert. "Als vor zwei Jahren dann die Zusage kam, hat sogar meine Frau mitgemacht und die Namen der Helden entwickelt und die Geschichten dazugeschrieben."

Herausgekommen sind dabei Charakterkarten mit Vorder- und Rückseite — je nachdem, ob man den Charakter als Frau oder als Mann spielen möchte. "Als Spieler soll man sich ja auch wirklich mit dem Charakter identifizieren können", erklärt Menzel schmunzelnd. Dann fügt er hinzu: "Es war unglaublich viel Arbeit. Aber am Ende ist es genau das Spiel geworden, was wir damals haben wollten."

(cobr)