SPD-Talkrunde mit Christina Kampmann in Moers

Moers : „Das Digitalste an den Schulen sind die Pausen“

Christina Kampmann, Sprecherin im Ausschuss für Digitalisierung und Innovation, kam zum SPD-Polittalk nach Moers.

Der SPD-Ortsverein Moers hatte zum Polittalk mit Christina Kampmann (MdL) eingeladen. Die 38-Jährige ist in Düsseldorf Sprecherin im Ausschuss für Digitalisierung und Innovation. In der Asberger Awo-Begegnungsstätte stand die spannende Frage im Raum, wie im digitalen Zeitalter eine gerechte und moderne Gesellschaft aussieht. Digitalisierung verändert die Welt und „wird noch stärker bei den nachfolgenden Generationen durchschlagen. Digitalisierung kann Gesellschaft spalten“, so Ortsvereinsvorsitzender Ibrahim Yetim.

Aufgabe der SPD-Politik sei es, das gesellschaftliche Umfeld zu sensibilisieren. „Digitalisierung ist kein Mysterium, kein Trend und wird die soziale Frage, Gerechtigkeit und Solidarität vor Herausforderungen stellen“, so Yetim. Von den Vorteilen der Digitalisierung müssten alle profitieren.

Auf die aktuelle Situation der Landespolitik angesprochen, konstatierte Kampmann, dass der zuständige Minister Andreas Pinkwart die derzeitige Digitalisierung eher aus ökonomischer Sicht vorantreibe. „Digitalisierung ist mehr als nur Innovation, denn sie berührt uns alle“, so Kampmann. Sie warf im 90-minütigen Vortrag Schlaglichter auf Bereiche, die eine direkte Veränderung erfahren. „Wir erleben den Übergang zu digitalen Arbeitsplätzen. Schulische Bildung muss besser auf die veränderte Arbeitswelt vorbereiten. Arbeitszeiten und Arbeitsplätze werden mobil. Der Arbeitsschutz steht vor völlig neuen Fragen wie auch die Mitbestimmung von Betriebsräten“, so Kampmann.

Auch die Betriebsformen müssten auf den Prüfstand, da sie noch aus der Zeit der Industrialisierung stammten. Dass Kindergärten schon früh Medienkompetenz vermitteln, befürwortet sie. „Es geht nicht ums Spielen und Daddeln, sondern das Handy als Medium kennenzulernen, mit dem Kinder bei Ausflügen Fotos und Tonaufnahmen machen. Material, mit dem später gearbeitet wird“, so Kampmann. Die permanente Handy-Nutzung der Eltern sei eher ein Problem, da Kinder das Nutzungsverhalten übernehmen.

Problematischer werde es allerdings in der Schule mit unzureichender Medienausstattung. Das drückende Problem Lehrermangel bekomme neue Dimension. „Die digitale Lehrerkompetenz ist sehr schwach. Schüler erklären den Lehrern“, so Kampmann. „Das Digitalste an den Schulen sind die Pausen.“ Eine Aufrüstung von Schulen bedeute auch, neue digitalgestützte Unterrichtsformen zu etablieren. Ähnlich die Arbeitswelt. „Mitarbeiter sind besser digital gebildet als der Vorgesetzte“, so die 38-Jährige. Parteiübergreifender Konsens sei, flächendeckend schnelles Internet zu schaffen, damit auch Betriebe in ländlichen Gebieten wettbewerbsfähig bleiben und digitale Teilhabe bei Jung und Alt möglich sei. „Technischer Fortschritt darf kein Selbstzweck sein, sondern muss für alle nutzbar sein“, so Christina Kampmann.